Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 830 (sequence 10)
- Language
- German
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830 auf öffentlicher Straße, welche mit vereinigten Kräften gegen! die Genugthuung ward, am Geburtsfeste des Königs Wilhelm Sachen Gcwaltthätigkeitcn beging, theilgenommen zu haben, erstmals 8 Waisen in seine Obhut nehmen zu können. Die Persönlichkeien der Angeklagten, ihre geistige Beschränktheit und ihre Unbeholfenheit machen jedoch auf den Staatsanwalt wie auf den Gerichtshof nicht den Eindruck, daß man es mit gefährlichen Revolteurs zu thun habe. Der Bertheidigcr begann lächelnd feine Rede mit den Worten: „Meine Clienten werden mir es nicht übel nehmen, wenn ich sie sammt und sonders als dumme Jungen bezeichne." Aehnlich mag wohl auch der Gerichtshof gedacht haben. Er nahm an, daß nur ein grober Unfug vorliegt, sprach zwei Angeklagte frei, ertheilte zwei anderen nur einen Verweis und bestrafte die übrigen mit 1—2 Wochen Haft. — Die Mitthei- An den Ausbau einer, sämmtliche Zöglinge in sich vereinigenden Anstalt konnte selbstverständlich damals nicht gedacht werden; es wurden dieselben vielmehr bei israelitischen Lehrern des Landes zur Verpflegung und Erziehung untergebracht. So verstrichen die 10 ersten Jahre des Vereins; der Eifer für die gute Sache erwärmte sich mehr und mehr, und da durch die Behörde den Organen der Kirchengemeinden die Fürsorge für die Waisensache und die Weckung allseitiger Theilnahme für dieselbe zur Aufgabe gemacht worden war, hob sich, langsam zwar aber stetig, die finanzielle Kraft des Vereines, und als das in der Geschichte Württembergs unlung. daß die Mörder des Herrn von Wollschläger in der? verwischlich denkwürdige Jahr 1840 erschien, wo das Volk Person eines Jnspectors und einer Wirthschasterin ergriffen seien, hat sich nicht bestätigt. Beuthen (Oberschlesien), im November. In Betreff der Stadtverordnetenwahlcn haben, wie die „Schles. Ztg." berichtet, die Führer der christlichen Partei sich genöthigt gesehen, mit den Führern der Israeliten auf eine Vereinbarung über die Stadtverordnctencandidaturen einzugehen. Es ist dabei das Verhältniß der Zahl der Mitglieder des Stadtverordnetencollegrums nach den Confessionen derart geregelt worden, daß die Zahl der Wähler und der aus sie entfallende Steuerbetrag sestgestellt und darnach die Candidatenzahl bestimmt wurde. Hiernach entfallen dort aus die erste Wählerabtheilung sechs christliche und sechs jüdische, aus die zweite Abtheilung aber sieben christliche und fünf jüdische Stadtverordnete; die dritte Abtheilung wählt nur christliche Stadtverordnete; es werden nach diesem Pact 25 christliche Stadtverordnete und 11 israelitische gewählt. seinem Fürsten den Tribut innigster Liebe und Verehrung in allen Formen darzubringen beeisert war, konnte der Ausschuß unter der Führung seines, für diese Schöpfung unermüdlich thätigen Vorstandes Dr. Dreifuß, auch seinerseits es wagen, durch die Schaffung eines Anstaltsgebäudes ein Denkzeichen an jenes, Fürst wie Volk gleich hoch ehrende Jubelfest aufzupstanzen. Es erging an die Israeliten Württembergs durch öffentliches Ausschreiben eftr Ausruf zur Förderung dieses ebenso patriotischen als Humanitären Vorhabens. Freudig boten sie reichliche Beiträge und das Erträgniß dieser außerordentlichen Collekte zusammen mit den bisher angesammelten Grundstocksgeldern ermöglichte es, ein in freier, freundlicher Lage fituirtes Haus nebst Garten in Eßlingen für diesen Zweck zu erwerben. Am 30. Oktober 1842 konnte der Freudentag der Einweihung dieser Anstalt, welche mit aller höchster Ermächtigung sich mit dem Namen Wilhelmspflege schmücken durste, festlich begangen werden, und es fanden Aus Württemberg, im Nov. 1881. Der Verein für darin die damals auswärts zerstreut untergebrachten Zöglinge, Versorgung israel. Waisen Württembergs veröffent-! sowie fünf neuausgenommene gemeinsame Pflege und Erlichte in diesen Tagen seinen Jahresbericht pro 1880/81 und ziehung. Im Jahre 1850, da körperliche Leiden an den damit die Festschrift aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums,' Vorstand Dr. Dreifuß herangetreten waren und berufliche welche die Entwickelung des Vereins darstellt und der wir Pflichten es ihm verwehrten, der Anstalt sich fürder mit ge. einzelne Daten nachstehend entnehmen: wvhnter Hingabe zu widmen, druckte er zum aufrichtigen Im Jahre 1831 war es, da ein Mann, dem sür die Leidwesen des Ausschusses den Wunsch aus, einer Aufgabe, jüdische Sache ein warmes Herz im Busen schlug — Buch- < die er nicht mehr zu erfüllen vermöge, enthoben zu werden. Händler Jsak Heß in Ellwangen — die erste Anregung zur Die Führung der Geschäfte ging vorerst in provisorischer Gründung einer Bersorgungsanstalt für israelitische Waisen Weise in die Hände des dermaligen Vorstandes, des Hofraths gab. Bon einem kleinen Kreise wohlmeinender Männer, an Dr. Adolf Levi von Stuttgart über, und erst als Dr. Dreideren Spitze ein Stuttgarter Arzt, Dr. Dreifuß, stand, ward suß am Anfang des Jahres 1853 aus dem irdischen Dasein dieser schöne Gedanke mit warmer Begeisterung aufgegriffen, abberufen worden war, wurde Dr. Levi definitiv an die Es gelang schnell, unter den Israeliten des Landes ein Spitze des Institutes gestellt. Zum Hausvater an der Anstalt warmes Interesse für das menschenfreundliche Unternehmen war bei Errichtung derselben der bisherige Religionslehrer wachzurufen. In Folge eines ergangenen Aufrufes flössen an der Gemeinde Eßlingen, Leopold Liebmann, bestellt worden, ihm von vielen Seiten so ausgiebige Beisteuern zu, daß schon der seine schwere und bedeutungsvolle Aufgabe mit allem im Herbste des Jahres, in welchem die erste Hand ans Werk Ernst und mit reifem Berständniß aussaßte und in einer gelegt worden war, der Leitung des Vereins für ihre Mühen, 30jährigen Thätigkeit sich ein unbestreitbares, großes Verdienst