Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 826 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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826 Literarischer Wochenbericht. Berf. angelegen ist, diesen geschichtlichen Zusammenhang möglichst zu verneinen, das ist das Motiv, welches er in den Bonn, 28. Nov. Eine der furchtbarsten Leuchen, welche mittelalterlichen Judenverfolgungen überhaupt zur Anerken- Europa, namentlich Deutschland, verheerten, war „der schwarze nung bringen möchte. Er ist nämlich der Ansicht Roscher's, Tod", der in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts wüwelcher bekanntlich in den Judenverfolgungen nur Concurthete. Wegen der Unzahl von Menschen, die er dahin raffte, renzneid, gewerbliche Eifersucht und höchstens noch das Ber- und bei dem bald darauf eintretenden Umschwung sozialer! langen, lästige Gläubiger loszuwerden, finden will und da- und ökonomischer Verhältnisse, hat man dieser Pest eine tief raus ein ockonomifches Gesetz deduzirt, nach welchem fremde eingreifende kulturhistorische Bedeutung zugeschrieben. Da Geschäftsleute, sobald sich die heimische Industrie zu emauzu derselben Zeit die Fahrten der berüchtigten Geister und zipiren ansängt, mit Neid und Haß verfolgt und in roheren eine blutige Judenverfolgung eintraten, fand man in diesen; Zeiten ausgerottet werden. Er führt dafür die Berfolgung Erscheinungen einen ursächlichen Zusammenhang mit der Pest, der Phönizier durch die Griechen und die der sog. Lombar- 2o betrachteten diese düsteren Ereignisse die Geschichtsschrei- ■ den an. Wir verübeln es einem nationalökonomischen Systcber, welche den schwarzen Tod einer näheren Forschung untermatiker nicht, wenn er große historische Erscheinungen auf zogen, namentlich Slurt Sprengel und F. Hecker. In diesen i ein ökonomisches Motiv zurückführt und daraus eine ökono- Tagen erschien nun folgende Monographie: Der schwarze Tod mische Theorie bildet. Der Geschichtsforscher aber wird sich in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte des vierzehnten vor solcher Einseitigkeit in Acht zu nehmen haben, Jahrhunderts von Dr. Robert Hoeniger. «Berlin 1882, da ihn die geschichtliche Erfahrung gelehrt hat, daß die Er Eugen Großer.) Zunächst bemerken wir gern, daß der Berf. scheinungen des wirklichen Lebens nur in beschränktem Maße seinen Gegenstand mit großem Fleiße und guter Kenntniß aus einseitigen Triebfedern, in der Regel aber aus einem der cinschlagendcn Literatur behandelt, und wenn er auch zu Zusammenfluß verschiedenartiger Leidenschaften hervorgchen. der medizinischen Erkenntniß der betr. Seuche nichts beigetrai Nach Roschers Ansicht, die unser Berf. auch auf die Judengen hat, doch die Geschichte ihres äußeren Berlaufes, der Verfolgungen des vierzehnten Jahrhunderts anwendet, lag dendamit verbundenen Zustände, sowie überhaupt der Berhältnisse selben jeder religiöse Fanatismus, jeder Anstoß Seitens fanajener Zeit, umsichtig schildert. Was nun der Verfasser beson-; rischer Geistlichen fern. Dennoch muß der Berf. (S. 103.) ders zu erweisen sucht, ist, daß die bisher angenommene auf die andere Fabel der Hostienschändung hindeuten. Be- Reihenfolge: schwarzer Tod, Geißelfahrt, Judenmord nicht kanntlich aber ist diese Beschuldigung in zahllosen Fällen errichtig sei, vielmehr, wenigstens für Deutschland, umgekehrt: hoben, von den Geistlichen mit außerordentlichem Pompe Judenmord, Geißelfahrt, Pest. Jndeß wird diese These doch ausgeschmückt und von der Magistratur durch die Folter von durch viele Vorkommnisse, die der Berf. aufführen mußte, den Juden das Zugeständniß erpreßt worden. Da muß man als fraglich hingcstellt. Tahin gehört besonders die Anklage doch sagen, wozu ist diese Fabel erfunden, wozu in das Volk der Brunnenvcrgiftung, durch welche die Juden die Pest hergeschleudert und durch alle christlichen Länder verbreitet worbeigeführt haben sollen. In vielen Fällen natürlich war die den? Doch nur, um in der Masse den religiösen Fanatismus Pest noch nicht eingetroffcn, wenn diese unsinnige, aber in zu wecken und sie auf die Juden sich stürzen zu lassen? Selbst damaliger Zeit von der leichtgläubigen Masse schnell angedie Raub- und Mordlust reichte nicht aus: „es mußte der nommene Beschuldigung erhoben wurde. Aber auch in diebarbarischeste Fanatismus zu Hilfe gerufen werden". Daß sen Fällen war cs die Furcht vor der Pest, welche dem blindie Anstifter mit dem Anfachen dieses Fanatismus noch ariden Haufen Feuer und Schwert gegen die Juden in die Hand dere Zwecke verbanden, die bisweilen mit dem Berhältniß gab. Der Verfasser giebt selbst zu «S. 103): „Unter dem zu den Juden gar nicht in unmittelbarer Verbindung stauallgemeinen Schrecken, den die erste Kunde von der nahenden, iß einsichtlich, namentlich wenn man B. in der Geben Pest verbreitete, hörte jede besonnene Ueberlegung auf. genwart den antisemitischen Sinn zu Wahlmanövern benutzt Tie Berichte lassen keiner Zweifel darüber, daß man an die steht. Aber dies ändert an der Sache selbst nichts; man Fabel der Brunuenvergiftung glaubte". Er führt hierfür kam ohne den religiösen Fanatismus der Massen gegen die mehrere geschichtliche Beispiele an. Damit ist aber der Kau- Juden nicht vorwärts, und so bleibt dieses dennoch der wefalzusammenhang zwischen der Pest und dem Judeumorde sentlichste Motor in den Judenverfolgungen sowohl der Kreuzkonstatirt. Wenn nun auch an vielen Orten die Verfolgung: züge als des vierzehnten Jahrhunderts. Ter Concurrenzneid der Juden ohne die ausdrückliche Erwähnung der Brunnen- und das Verlangen, seine Schulden loszuwerden, waren gcvergiftnng stattfand, so weiß man doch, wie bei einer heftiwiß bei manchem Anstifter treibender Beweggrund. Aber beigen Aufregung roher Gemüther sich ein solcher Sturm des lag den Massen, durch welche die Verfolgung ausgeführt schnell von On zu Ort verpflanzt. Warum es aber dem werden mußte, fern. Hier war der mittelalterliche Fanatis-