Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 825 (sequence 5)
- Language
- German
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825 Kulten bekannt gemacht werden sollen. Und was noch be sonders gegen diese Methode spricht, ist, daß sie sich an die biblische Kritik anlehnen muß, ohne sie gar nicht möglich ist. Dies ersieht man schon aus der Darstellung des Herrn Astruc, in welcher ein Dutzend großer Streitsragen der biblischen Kritik enthalten sind und die eine und die andere derselben als entschieden angenommen wird, z. B. daß die uns überlieferte prophetische Literatur dem Pentateuch vorangegangen sei. Welcher Schulmann, ivclchcr Pädagoge wird es aber billigen, daß die biblische Kritik, diese noch immer chaotische Verwirrung der Ansichten, in die Schule gebracht werden und den Unterricht in der biblischen Geschichte normircn soll! ') Darmstadt, im November. Vll. Der stufenmäßige Unterricht in der biblischen Geschichte. Tic Volksschule zerfällt gewöhnlich in o Klassen, von welchen die untere die Kinder vom llten bis zum llten, die mittlere die vom l>ten bis zum Ilten rcsp. l2ten und die obere die vom Ilten rcsp. l2tcn bis zum zurückgclegteu I-ttcn Lebensjahre umfaßt. Dieser drciklassigcn Eintheilung muß auch die Religionsschule entsprechen. Dieselbe ist namentlich für den biblischen Geschichtsunterricht von Wichtigkeit, der sich in drei Stufen 2) zu vollziehen hat. Für die Unterklasse werden ungefähr 80 bis llO Geschichten ausgesucht, die vermöge ihres einfachen, leicht verständlichen Inhalts für das zarte Kindesalter passen. Tie Auswahl derselben ist auS allen Theilen der Bibel zu geschehen, damit, wenn der Eursus zu Ende ist, ::) die Kinder ein ziemlich umfassendes Bild von dem Leben und Wirken der Bibel in sich ausgenommen haben, gleichsam einen Grundriß, nach welchem der nun folgende Bau ausgcführt wird. Tie Geschichten sind überall, wo es angeht, in das Familienleben umzusetzcn, mit diesem in Beziehung und so dem Gesichtskreise der Kinder näher zu bringen. Die Mittelklasse ist der eigentliche empfängliche und fruchtbare Boden für bibl. Geschichte. Hier muß dieselbe wieder von vorne begonnen, inhalts- und umfangreicher und mehr ins Einzelne gehend, in einem übersichtlichen Zusammenhänge und in chronologischer Ordnung dargestellt, vom Lehrer vorgetragen oder von den Kindern gelesen werden. Daß der Ton 1) Wir erhalten soeben aus Paris ein Circular des Consistoriums über den Religionsunterricht, da» wir in der nächsten Nr geben werden. Red a kr. 2) Bei diesem dreistufigen biblischen Geschichtsunterricht habe ick eine solche Religionsschnle im Auge, deren Kinder gehobene Volks oder Bürgerschulen besuchen, daher ihre intellcctuelle Bildung Luret andere Unterrichtszweige schon frühzeitig gefördert ivorden ist. Corr :V) Ein einjähriger Cursus ist hier rathsam. — Die Kinder in ersten Schuljahre sind noch nicht zur Theiluahme an: biblischen Ge schichtsuuterricht heranzuzichen. In diesem,Jahre muß das Erlernet der Erzählung ') hier ein anderer sein muß als in der Unterklasse, ist selbstverständlich für jeden pädagogisch gebildeten und erfahrenen Lehrer. Für die Mittelklasse ist ein zweijähriger Eursns der geeignetste, so daß der Lehrer im ersten Jahre etwa bis Salomo und im zweiten bis nach Esra und Nehemia gelangt. Nunmehr sind auch die Kinder, wenn sie nur einigermaßen gut bcanlagt sind, genügend vorbereitet, um mit ihnen durch zergliedernde, prüfende, entwickelnde und wiederholende Fragen Besprechungen über einzelne Geschichten vorzunehmen, wenn auch dieselben die strengmethodische Form einer Geschichtskatcchisation noch nicht an sich haben. Tie Gesichtspunkte, von welchen bei diesen Besprechungen sowie bei den späteren Gcschichtskatechisationcn auszugehcn ist, und die Ziele, die dadurch erreicht werden sollen, habe ich in meinem Buche: „Das Gebetbuch und der Religionsunterricht" von S. 100- -105 angegeben, begründet und erörtert. — Was den innern Zusammenhang aller Ereignisse und Begebenheiten der bibl. Geschichte anbelavgt, so ist cs Ein Gedanke, der dieselben, wenn sie auch äußerlich unvermittelt nebeneinander stehen, vermittelt, nämlich der: Gott hak Israel erwählt, geführt und erzogen zum Bolke der Osseubarung, zur Erkenntniß der Wahrheit, zur Bethätigung des Guten und Rechten. In der Oberklasse wird abermals von vorne begonnen und die Geschichte cnrsorisch durchgcgangen. TheilS durch das Erzählen der Kinder, theilS durch das Abfragen des Lehrers, überzeugt sich dieser, ob die Kinder noch im Besitze des wesentlichen Inhalts seien. Das Vergessene wird von ihm ergänzt, Nur bei denjenigen Geschichten ist statarisch zu Werke zu gehen, die vermöge ihres dogmatischen, den moralischen Eharaktcr bildenden Inhalts einen reichlichen Stoff zu Kate chifationen bieten, die nun in methodischer Form behandelt werden müssen. — Abwechselnd muß sich jetzt der Bibelunter richt auch über den prophetisch-didaktischen Theil der Bibel erstrecken, wozu selbstverständlich ein gutcingerichteteS Lehrbuch ' nothwendig ist. Daß eS aber auch hierbei nicht beim bloßen Lesen und Erklären bewendet bleiben darf, sondern daß das Gelesene besprochen und aufs praktische Leben angewendct! werden muß, ist wohl jedem denkenden und pflichttreuen Lehrer einleuchtend, der sich berufen fühlt, aus seinen Kindern erleuchtete Israeliten und sittlich gute Menschen zu erziehen. 0 Mannheim c r. des Hebräischlesens als etwas Mechanischen cifrigst betrieben werden. — Ist der Lehrer im Verlaus des zweiten Schuljahres, also des achten Lebensjahres der Kinder, mir der Reihe von^ etwa so; Geschichten zu Ende gekommen, so werde dieselbe im dritten Schuljahre wiederholt, wie überhaupt öftere Wiederholung ein Haupterforternin in der Unterklasse ist. Corr. i 4) Ein Beispiel von verschiedenen Tone, den die Erzählung in; der Unter- und in der Mittelklasse anzuschlagen hat, werde t nächstens in einer Fachzeitung liefern. Eorr. 5) Das hier angegebene Verfahren habe ich während meiner i mehr als 40jährigen Lehrerthärigkeit als bewährt gefunden. Corr.