Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1881)
- Date
- 1881-11-29
- Page
- Seite 799 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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799 des Verstorbenen kennt, muß schon von vornherein ein solches! Gerücht als abgeschmackt erscheinen; James v. Rothschilds hatte durchaus literarische Neigungen, er besaß und pflegte j eine der größten Privatbibliotheken in Frankreich. Der Werth derselben wird auf vier Millionen Franken angeschlagen; seine geschäftlichen Beziehungen beschränkten sich auf wenige mehr formelle Obliegenheiten; wilde Börsenspeeulationen lagen ihm durchaus fern. Es verräth auch eine seltsame Vorstellung von dem Vermögensstande des Rothschild'scheu Welthauses, selbst Verlusten, wie sie in den Bontoupwerthen vorkamen, eine tragische Bedeutung für ein Mitglied eines solchen Hauses beizumessen. Es ist übrigens hier in Paris allen mit den Verhältnissen Vertrauten ganz genau bekannt, auf welche Firmen sich einundzwanzig Millionen Frcs. Verlust verthcilen, die bei der Contremiuirung der Bontouxwerthe erlitten worden sind; diese Verluste gruppiren sich um die Banque de Paris herum; das Haus Rothschild und dessen Mitglieder sind dabei ganz unbetheiligt. Das Urtheil, welches von dieser Seite über die Bontouxwcrthe gefällt wurde, stand schon von Beginn an fest; man taxirte diese Unternehmungen an sich nach ihrem wahren Werthc, hatte aber gleichzeitig Kenntniß von den außerordentlichen Geldkräften, die hinter Herrn Bontvux stehen, den Klerikalen, Legitimisten und den Orleans. So lange diese Elemente Bontoux stützen, wird seine Stellung gewahrt sein. Auch dürfte man zu der Umsicht der Rothschilds doch nach und nach das Vertrauen gewonnen haben, daß sie sich nicht in einer einfachen „Schwänze" fangen lassen. Turin, 13. Nov. (Literarische Notiz.) Ich beeile mich, Ihnen kund zu geben, daß mir vor ein paar Tagen eine Brochüre als Entgegung auf Ihr Werk über den Prozeß Jesu zu Gesicht kam. Es heißt: .Süll’ Opuscolo dj L. Pr. Philipp-« m, Iradolto dal tedesco da M. Pr. Elirenreich -otto il tä >,!<>!'n>>'">>>,, (Jondanna, e suppli/.iu di Pesii Esaimdell* Avvoeat" Matleo Rosati Roma 1881. Tipogialia Croeiatii l*u«-eiin*lli Via dell’ Anima No. 8. Die Vorrede ist vom 1. Juni datirt. Fch habe die Schrift durchgesehen. Ter Verfasser steht auf acht katholischem Standpunkte, behandelt Autor und Uebersetzer mit großem Aerger wegen des Unterfangens, solche Arbeiten in Italien bekannt zu machen. Uebrigens sind seine Argumentationen höchst seicht, ja lächerlich. Man könnte voraussehen der Mann habe keine Idee von geschichtlicher Kritik, wenn es nicht allzusichtbar wäre, daß er auf unwissende einfältige Leser zählte. Stellen Sie sich vor, um zu beweisen, daß Jesus ans Kreuz von den Juden geschlagen sein sollte, beruft er sich auf MofeS Erhebung der Hände ivährcnd der Schlacht gegen Amalek, auf die eherne Schlange in der Wüste und auf die Gestalt des Osterlammes, während cs gebraten wurde; und so die ganze Beweisführung. Mir scheint übrigens, es steckt irgend ein Theologe dahinter. <Wir werden darauf zurückkommen, sobald wir die Broschüre erhalten haben. Redakt.) Jeuilleton. Die jüdische Emigration aus Rußland. Der Monatsbericht der Alliance isr. univ. vom Oktober c. enthält Berichte über den Anfang der Emigration aus Brody, von denen wir zwei Briefe als interessant, ja wichtig wiedergeben, weil sie ein ganz andres Bild von dieser jüdisch russischen Bevölkerung geben, — als leider mit zu vielem Erfolge — von unsren Hassern verbreitet wird. Herr Charles Netter hat sich von Paris nach Brody begeben. Er schreibt: Brody, den 13. Oktober 1881. M. H.! Ich bin gerade eine Woche hier und halte mich über die wirkliche Lage der Sache unterrichtet. Wir haben es mit einer Auswanderung von Menschen jedes Alters und jedes Standes zu thnn; obgleich wir täglich 16—18 Stunden arbeiten, fürchte ich doch, daß unsere Arbeit nicht sonderlich vorwärts schreitet; auf 60 Personen, die in einem Tage geprüft werden, kommen immer 1t 0 neue Zuzügler. Diese Auswanderung über Brody ist größtcntheils hervvrgerusen worden durch Briefe, welche der Alliance untergeschoben wurden und den Emigranten Wunder von Versprechungen machten: freie Fahrt, Geld, Ländereien. Man muß durchaus diese Gerüchte demcntiren, deren Uebcrtreibung selbst schon ihre Unrichtigkeit hätte verrathen sollen; aber diese Unglücklichen waren nur zu geneigt, denselben Glauben zu schenken. Ich schätze die Zahl der Personen, die seit Anfang September sich hierher gezogen haben, auf 30>ü>; Viele von ihnen haben ihre Hilfsmittel erschöpft. Es handelt sich da rum, täglich mehr Personen, als ankommen, entweder zu re patriiren oder zu expedireu, und ich habe zu diesem Ztvecke drei Bureaus organisirt: 11 Einschreibungs-Bureau unter H. Magnus; ’2) EntscheidungS Bureau unter meiner eigenen Direktion; 3) Ausführungs-Bureau unter H. Schauer: in jedem dieser drei Bureaus wirkt ein Mitglied des Lokalkomib-s mit. Hierzu wird noch ein von einem städtischen Comite geleitetes viertes Bureau kommen. Das erste Bureau wird nur die Männer empfangen und ihnen ein Billet mit Angabe der betreffenden Familicnvcrbältnisse geben, das denselben zum Eintritt ins zweite Bureau dienen soll. Das zweite Bureau wird die Familien oder die Berionen o'me