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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-29 · Heft 48 (29.11.1881) · p. Seite 798

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 48 (29.11.1881)
Date
1881-11-29
Page
Seite 798 (sequence 10)
Language
German
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798 genehmigt, uu'lcljer bcauftvagi werden soll, die Judenfrage in allen ihren Einzelheiten zu berathen, Vorschläge zur Rcgnlirung des Verhältnisses der Juden zu der übrigen Bevölkerung zu machen und diese ausgearbeiteten Vorschläge in vorgeschriebener Ordnung der gesetzlichen Sanetionirung zu unterbreiten. Ten Vorsitz in diesem ComiOführt der Ge-- Hülse des Ministers des Innern. Das Counts wird zunächst das von den in der Judensrage eingesetzten Lokal Commissionen gesammelte Material zu prüfen haben. Die Commission, welche zur Organisation des Lebens der Juden eingesetzt war, stellte ihre Wirksamkeit mit der Aufhebung des Departements der Exeeutiv-Polizei ein, zu dem sie gehörte, nachdem sie ein Projeet, betreffend das Führen von Büchern über Geburten und Todesfälle, ansgearbcitet hatte. Petersburg, 15. Nc>v. Das Kriegsgericht zu Njeschin fällte gegen die 5 Hanptanstifter der Jndenhetze folgendes Urtheil: 2 wurden zur Ansiedlung in Sibirien, 2 zur Ein reihung in die Arrestanten Compagnie, einer zu siebentägigem Arreste bei der Polizei verurtheilt. Der Prozeß gegen die übrigen Betheiligten kommt nächstens zur Verhandlung. Petersburg, 16. November. Die Petersburger Polizei ist beauftragt, fännntliche Juden Peterburgs zu conseribiren; die Hausbesitzer speciell sind beauftragt, jeden mosaischen Ankömmling bei der Polizei anzumelden. Rumänien. Bukarest, 12. November. Das „Amtsblatt" veröffentlicht heute eine Verordnung bezüglich der Anfcnthaltskarten: Jeder Fremde, er möge Reisender sein oder in Rumänien wohnen, muß eine Aufenthaltskarte nehmen, welche nur die Bezirks und Polizeipräfetten ansstetten dürfen. Jeder Reisende muß sich innerhalb 24 Stunden nach seiner Ankunft der Präfcctur vorstcllen, Reisende, deren Aufenthalt weniger als Tage beträgt, müssen ihren Paß visircn lassen. Nach Ablauf von 30 Tagen werden Fremde ohne Aufenthaltskarte als ohne Reise-Dokument betroffen angesehen und verfallen den bezüglichen polizeilichen Maßregeln, dürfen jedoch von den Präfecten nicht aus dem Lande ausgewiesen, sondern müssen von diesen dein Minister des Innern gemeldet werden, welcher die Entscheidung trifft. (Daß diese Verordnung in svnders gegen die Juden gerichtet ist, sieht man leicht.) Türkei. Konstantinapcl, 16. Nov. Infolge von Verhandlungen mit englischen Telegirten für die Einwanderungsfrage hat die Pforte den deutschen, russischen und rumänischen Israeliten die Einwanderung in die Türkei, mit Ausnahme Palästinas, unter der Bedingung gestattet, daß sie die türkische Unterlhanenschaft annehmen. Bonn, 20. Nov. (Notizen.) Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Referendar Goldschmidt, der im vorigen Jahre den Lieutenant v. Kapphengst wegen einer abfälligen Bemerkung, die dieser in Betreff der Religion Goldschmidt's während des Manövers gemacht, in einem bei Hanau stattgefundenen Duell schwer verwundet hatte und deshalb vom Landgerichte Hanau zu vier Monaten Festung verurtheilt tvorden war, ist, nachdem er nicht ganz einen Monat seiner Strafe abgesessen, vom Könige begnadigt worden. (Man versichert uns, daß dies der Usus in solchen Fällen ist. Redact. i — Aus Coblcnz vom 12. Nov.: Gestern feierte dahier ein Israelit Namens Levi sein 50 jähriges Dienstjubiläum als Gefangenwärter. Man schreibt aus Köln: Ein ungenannter Wohlthäter hat dem Curatorium des hiesigen israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache zur Stifung eines Krankenbettes die Summe von 6000 M. überwiesen. — Aus Pest wird uns geschrieben: Dem hiesigen Vereine „Jakobs Ouelle", der einen Kindergarten ins Leben gerufen hat und die denselben anvertranten größtentheils armen Kinder mit rituell zubereiteter Mittagskost versorgt, hat Se. Majestät der König eine Spende von 150 Gulden zugewendet—eine gewiß beachtenswerthe Erscheinung. — Wie aus Zola Egerßeg mitgetheilt wird, wurde dem dortigen israel. Lehrer, Hrn. Joel Weiß in Anerkennung seines 50jährigen erfolgreichen Wirkens int Lehrfache das goldene Berdienstkreuz verliehen und am 13. d. in Beisein der Vertreter der Stadt und der isr. Gemeinde feierlich überreicht. Am Abend fand dem wackern Manne zu Ehren ein Banket statt. — Aus Steinamanger wird gemeldet, daß eine Frau Kohn daselbst von fünf Kindern entbunden worden sei. Zwei sind am lo. d., drei am 11. d. zur Welt gekommen. — Der vor etwa 14 Tagen plötzlich erfolgte Tod des Barons James Eduard v. Rothschild in Paris hat zu einer Reihe von Gerüchten Anlaß gegeben, deren sich namentlich eine gewisse Kategorie von Blättern in nicht zu verkennender Absicht bemächtigt hat. Da diese Gerüchte noch nicht verstummt sind, so nehmen wir heute Notiz von einer der „Nat.-Z." aus Paris unterm 14. d. M. von berufener Seite zugehenden Mittheilung, welche das ganze Gerücht über den angeblich vorliegenden Selbstmord und Contreminirungsverluste „auf Tendenzen zurücksührt, welche in gewissen Wiener und Pariser Kreisen herrschen und deren socialpolitische Seite bei der Bildung der Bontouxgrnppe sich geltend gemacht haben." „Herr von Rothschild ist", heißt es in jener Mittheilung, „an einem Herzschlag gestorben." Die Sensationsgerüchte bemächtigten sich dieses Vorfalles, erdichteten einen Selbstmord, und da ein Grund für denselben ja aufgefunden werden mußte, fand man denselben in Börsenverlusten, welche Herrn v. Rothschild bei der Contreminirung von Bontouxwerthen betroffen hätten. Demjenigen, der die Lebensgewohnheiteu

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