Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1881)
- Date
- 1881-11-22
- Page
- Seite 783 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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78Z! soll, im Dienste seiner Ueberzeugung, im Dienste des Rechtes! Zum Schlüsse sprach Herr Adolph Nassau, Chefredacteur und der Wahrheit. Am Sarge eines Mannes von so herder „Presse", im Namen der Redaction: vorragenden Geistesgabeu, eines Mannes, der so viel leistete ] „Julins Hirsch: Seitdem die Mauern dieser Stadt Dich durch Wort und Schrift, der so hoch geachtet war, drängen | beherbergen, habe ich Dich gekannt. Ich war Zeuge Deines sich unwillkürlich zwei Fragen auf. Die erste ist: Was hat! Ringens um Anerkennung, ich bewunderte Dich im Zenith er erreicht? Die Antwort ist eine einfache: Er hat das Deines Lebens, ich stand Dir nahe, als Tein Leib, nicht Beste erreicht, was zu erreichen war, er hat einen guten z Dein Geist im Niedergange war. Ich habe Dich geachtet Namen sich errungen, das Vertrauen seiner Mitbürger, die und Dich geliebt, und deshalb habe ich es auf mich genommen, Anerkennung und Achtung der edelsten und besten Männer, im Namen der „Presse" und ihrer Nedacteure, Dir das Lebe- Die andere Frage ist: Was hat er geschaffen? Auf diese wohl zn sagen, und deßhalb will ich meine Stimme, die gerne Frage antworte ich mit den Worten des Propheten Jeremias, schluchzen möchte, zwingen, hart und kalt zu erscheinen, wie der von sich sagte: Ich din berufen, auszuroden und auszu-! die eines Fremden. reißen, zu vernichten und zu zerstören, aufzubauen und zu! Julius Hirsch! Du warst nicht von unserer Art. Wir pflegen. Das war auch Hirsch' Beruf!" Ter Redner j niüfjcn uns in täglicher Arbeit, Steine herbeizutragen für schildert nun eingehend Hirsch' außerordentliches kritisches! den Bau, der sich schützend über unserem Haupte wölben Talent und hebt dann besonders hervor, was im „Aufbauen"! soll. Oft dient unsere Feder als Stütze für die geborstene und „Pflanzen" Gutes und Edles geschaffen; er erwähnt, j Mauer und unser Wort zur Befeuerung des Muths wankend wie viele gute Einrichtungen durch ihn in Wien hervorgegewordener Werkleute. Du warst anders. Deine Feder war rufen wurden, was er seinen Mitbürgern geleistet hat. ein fliegender Pfeil, Dein Wort ein Mauerbrecher, die Er läßt dem zarten Gemüthe Hirsch' volle Gerechtigkeit Ziffern Deine Armee. So erstürmtest Du sonst unnahbare wiederfahren und schließt mit einem Fricdensgruß.! Wälle und als sie sielen, da hattest Tu kein Werk der Vernichtung geschaffen, sondern aus der Bresche, die Tu niedergelegt, strömte den Bewohnern dieser Stadt Wärme und Licht entgegen, voller und reicher denn je zuvor. Darum brauchst Du auch der Denkmäler nicht in diesem großen Wien. Aus jedem Schlot strebt eine Denksäule für Dich himmelwärts und jede Flamme in den Straßen der Stadt leuchtet Deinem Verdienste. Und als Sieger in diesem großen Kampfe gingst Du hin und begannst zu schaffen — einen Wunderbau, meteorartig erstanden und meteorartig verschwunden, halfst Du Am offenen Grabe sprach der Viee Präsident der „Concordia", Lecher, folgenden Nachruf: „Lebe wohl, theurer Freund! Ruhe in Frieden, Du tapferes, Du wackeres Herz voll Streitlust, voll echtester Menschenliebe; Du Herz von lauterstem Gold! Wir, die Genoffen Deiner Arbeit, Deines Ringens und Strcbens, wir werden Dir ein treues Andenken bewahren und dasselbe forterben aus die kommenden Geschlechter. Was Du für unseren Verein gewesen, der heute geachtet und mächtig dasteht, der eine Stütze und ein Hort geworden für uns selbst! aufiühren; die Millionen, die er gekostet, sind verschmerzt, im Siechthum und Alter, eine Gewähr dafür, das; unsere aber was Wien an Ehre, an Ruhm, an Ansehen gewonnen, Witwen und Waisen nicht darben müssen, das wissen wir was seine Kunst, sein Gewerbfleiß als Siegespreis heimgc- Alten in der „Concordia". In jenen Tagen, da unsere Gebracht hat aus diesem Wettkampfe mit allen Nationen, mit nossenschaft noch ein gar zartes Gewächs war, das jeder allen Städten — es ist geblieben, lind darum gedenke ich Nachtsrost zu sengen, jeder Sturmanprall zu knicken drohte, hier an dieser Stelle, Julius Hirsch, deines Antheils an hast Du, wackerer Freund, sie treu pflegen und behüten diesem großen Werke. helfen. Dein zuversichtliches Vertrauen in die Zukunft, der Und so gehe denn, einsamer Wanderer, ruhig ein in das Seherblick Deiner hellleuchtenden Augen hat das kleine Häuf- Jenseits, wohin Tu Deine Fürbitter vorausgeschickl. Denn lein der Minorität, welche die junge Pflanze zum weithin während wir Dich hier in die kalte Erde betten, beten für schattenden Baume erziehen und nicht ängstlich unter dem Dich die Seufzer der Befriedigung jener Armen und Elenden, Schnitt der Scheere gehalten wissen wollte, in ihrem Streben' denen Du durch die Kraft Deiner Feder, durch den Rcichtbum gestärkt; Du warst ihr Führer und Fürsprech so lange, bis Deines Wortes ein Haus gebaut hast, wo sie Obdach und diese kleine Gemeinde sich ausgewachsen zur großen „Eon- Asyl finden. So oft sich ein solch müdes Haupt unter dem cordia". Das war nicht das kleinste Deiner vielen Ver- Schutze deines Asyls bettet, so oftmals, Julius Hirsch, mußt dienste, und an uns ist es, theurer Freund, hier au Deinem Du gesegnet sein im Jenseits. offenen Grabe dessen zu gedenken und immerdar, wenn Dein Darum genieße die Ruhe, die Deiner dort harrt. Du tapferes. Dein goldenes Herz längst Staub geworden und Kämpfer des Geistes, Du Spender des Lichts, Du Schützer Moder. Lebe wohl, ruhe sanft!" der Armen, Tu braver Freund, lebe wohl für ewig!"