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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-22 · Heft 47 (22.11.1881) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 47 (22.11.1881)
Date
1881-11-22
Page
Seite 782 (sequence 14)
Language
German
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782 gen desselben nicht entzogen. Möchte es ihm noch lange ver- Krone erhalten. Diese Auszeichnung ward der Kammergönnt sein, sich des Erfolges seiner Wirksamkeit zu freuen. — Sängerin Frau Gvmperz-Bettelheim als Anerkennung ihrer Frau Gomperz - Bettelheim hat, wie die „Wr. Ztg." Leistungen bei dem zu Ehren des italienischen Königspaares meldet, von Sr. Majestät das goldene Äerdieustkreuz mit der abgehaltenen Hof-Coneert zu Theil. Jeuilleion. Orr Journalist Julius Hirsch. Wer die öffentlichen Kundgebungen unserer Zeit in Rede und Schrift durchmustert, der muß sich eingestehen, so pessimistisch es auch klingt, daß es selten eine Epoche gegeben, in welcher, wie in der unsrigeu, die Verleumdung eine so große Rolle gespielt hat. Und zwar ergießt diese ihren Geiser viel weniger aus die Einzelnen, als auf ganze Klaffen und Kategorien, um mit der Brandmarknug derselben auch die Einzelnen, die jenen angehören, zu treffen, und in der allgemeinen Achtung zu ruiuiren. Man weiß längst, daß es in allen menschlichen Berussarten gute und böse, nützlich und schädlich wirksame, dem Höchsten nachstrebeude und aus den bloßen Vortheil spekulirende, redliche und ehrenfeste und wiederum ganz anders geartete Individuen giebt. Das Unrecht, die Bosheit besteht nun aber darin, um einiger schlechten Individuen wegen die ganze Klasse in Verruf zu bringen und mit Schmach zu bedecken. Zu den bestverleumdeten Bernsen gehört aber jetzt der Stand der Journalisten, und ganz besonders wenn sie jüdischen Bekenntnisses find. Nicht genug, daß alle die Herren, welche, einen hohen Staatsgehalt in der Tasche, in ihren Studirstnbeu sitzen und einige Stunden die Woche in ihren Hörsäleu lehren, mit souveräner Verachtung aus die „Journalisten und Literaten" herabsehen, obschon sie das Lob der letzteren gelegentlich mit großer Befriedigung einheimsen, so kommt der erste Volksdemagoge, namentlich des confervativen und pietistifchen Styls, und wettert gegen die „schlechte Presse", gegen die volksverderblichen Journalisten, gegen die jüdischen Literaten. Run, es ist nicht unsere Absicht, gegen die hochmüthigen Lästerer den genannten Stand zu vertheidigen, zu dessen Thätigkeit die größte Selbstaufopferung, die höchste Uneigennützigkeit, eine unerschöpfliche GeisteSsrische und der emsigste Fleiß erforderlich sind, noch dazu, da meist ihr Name unbekannt bleibt, und ihr Werth und Verdienst nur von ihren nächsten Umgebungen erkannt wird. Wir haben es immer vorgezogen, solchen Verleumdungen ganzer Bernssklassen durch das Vorsühren entgegengesetzter Beispiele entgegenzutreten. Wir erinnern z. B., waS jüdische Journalisten betrifft, an Jakob Kaufmann, Moritz Hartmann, Ignatz Kuranda, B. G. Oppenheim n. A. Heute haben wir einen neuen Namen hiuzuzusügen, Julius Hirsch zu Wien. Wir geben, unserem Versprechen gemäß, hier das "Nähere aus dem Berichte der Presse vom 11. Oktober, weil damit am besten der Verstorbene charakterifirt wird. Heute Nachmittags wurde Julius Hirsch zu Grabe getragen und all Diejenigen, die ihm im Leben nahegestanden, betheiligten sich an dem Leichenbegängniffe, ebenso die Corporationen, denen er durch sein Wirken so außerordentliche Dienste geleistet hat. Die Leiche Julius Hirsch' war im Studirzimmer des Verblichenen aufgebahrt. Ten einfachen Sarg schmückten die Kränze, welche die „Concordia", der Asylverein für Obdachlose, der Verein der Gascousumeuten, die Redaktion der „Presse", seine Freunde Nassau, Kellner, Thieben und die Verwandten gewidmet hatten. Zur Leichenfeier fanden sich ein die Geheimräthe I)r v. Plener und Baron Schw arz-Senborn, der Bürgermeister vr. R. v. Newald und der Bürgermeister-Stellvertreter Uhl, die Regieruugsräthe Di-. Angelo Kuh und Di\ Hosmann, Handelskammerrath Trebitsch, Gemeinderath Nikola als Präsident des Asylvereins für Obdachlose, der Proeuraführer des Bankhauses S. M. v. Rothschild, Herr M. Dub; Oberfinanzrath Di-, v. Rosas, Herr G. Simon als Vertreter des Cultusvorstandes, mehrere Wiener Gemeinderäthe, der Präsident- Stellvertreter der „Concordia", Herr Z. K. Lecher, und der Obmann des Pensionsvereins, Reichsraths-Abgeordneter Neuwirth, mit den Mitgliedern des Vorstandes, die Vertreter der Journale und Mitglieder des Journalisten- und Schriststellervereins; ferner persönliche Freunde und Verwandte Hirsch'. "Nach dem rituellen Gebete, das von einem Doppelquartett unter Leitung des Obereantors Singer vorgetragen wurde, trug man den Sarg in den Leichenwagen und eine lange Wagenreihe gab das Geleite bis zum Centralfriedhose. Im Ceremoniensaale der israelitischen Abtheilung hielt der Prediger Dr. Güdemann die Leichenrede: „Mit dem Manne, dessen sterbliche Ueberreste wir heute der Erde übergeben, geht ein Mann dahin, der das, was er war, ganz aus sich selbst und dies in eigenthümlicher Weise geworden ist. Mit hervorragenden und glänzenden Geistesgaben brach er sich frühzeitig seine Bahn, und mit seiner Feder und seiner Zunge ebnete er sich seinen Weg. Diese Waffen hat er rein und unbefleckt erhalten bis an sein Lebensende, er hat sie nicht in den Dienst eines Menschen gestellt, er hat sie nicht geführt um eigenen Nutzens, um per- : sönlicher Eitelkeit willen, er hat sie nicht zur Kränkung "Anderer mißbraucht, sondern sie standen bei ihm, wie es sein

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