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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-22 · Heft 47 (22.11.1881) · p. Seite 778

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 47 (22.11.1881)
Date
1881-11-22
Page
Seite 778 (sequence 10)
Language
German
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von — 50 Mark, die ihm zurückgesandt wurde." — Man ersieht aus diesen kleinen Zügen, daß die conservativ antisemitische Agitation auch in den höchsten Gesellschaftskreisen keinen Hoden hat, ebenso wie es nicht gelungen ist, sie in die Arbeiterkreise zu tragen. Es ist nur eine dünne Mittelschicht, in der sie ein künstliches Leben führt, und auch dort wird sie jetzt wahrscheinlich bald erlöschen. Mannheim, im Nov. (Privatmitth.) Wenn auch etwas verspätet, weil ich von einem anderen Corresp. ein Referat voraussetzte, halte ich den Gegenstand des folg. Berichts für wichtig genug, um nicht übergangen zu werden. Am 16ten Okt. c. hielt hiersclbst der Geheimrath l)r. Lamey eine Candidatenrcde znm Reichstage. In derselben sprach er u. A. folgende Worte, die in dem antisemitisch sehr angehauchten Mannheim von Bedeutung sind: „Es sind aus dem Kreise dessen, was während meiner Amtsthätigkeit in den Jahren löOO bis 1800 geschehen ist, von Gegnern ost einige Punkte hervorgehoben worden, die mir zum Verschulden angercchnet werden sollen. Einer dieser Punkte ist ein Gesetz, welches, soviel ich mich erinnere, im Jahre 1804 allerdings zum großen Theile oder in der Hauptsache unter meiner Mitwirkung und mit meinem Willen erfolgt ist, ich meine das Gesetz über die Emancipation der Juten." „Diese wird in der verschiedensten Weise, bald so, bald so, gegen mich ausgelegt. Ich will Ihnen einfach sagen, das; dieses Gesetz seine Entstehung hat iu dem Gefühle der Gerechtigkeit, welche nicht zugiebt, daß im übrigen gleichpflichtige Mitglieder der staatlichen Gesellschaft nicht die gleichen Rechte hätten. (Bravo). Für mich, meine Herren, giebt es keine Judenfrage. Ich habe Freunde unter den Juden, wie Ihnen mancher von ihnen bezeugen kann; ich habe sie gehabt hier, in Freiburg, in Karlsruhe, wo ich meine Jugend und einen großen Theil meines Lebens zngcbracht habe, ich habe sie auch in Berlin gehabt. Ich habe keine Feinde unter ihnen, es giebt keinen unter ihnen, der behaupten kann, daß er deßwegen, weil er Jude sei, in meiner Achtung oder in der Pflichterfüllung, die ich in meiner Eigenschaft als Beamter gegen ihn hätte, zurückgesetzt worden sei und zwar ebensowenig, als unter den christlichen Mitbürgern einer ist, der sagen kann, dag ich hochmüthig sei, oder dag ich Andere nicht für gleichberechtigt hielte, und wenn sie auch einen geflickten Kittel trügen. Ich sage, cs giebt für mich keine Judenfrage. Es giebt für mich nur eine Frage, die dahin geht oder darin besteht, daß nicht gestattet ist, im Verkehre unsittliche Mittel oder Mittel, die ans Täuschung berechnet sind und zum Nachtheile Anderer gereichen, auznwendeu. Wenn aber da eingeschritten werden soll, meine Herren, so ist das keine Judenfrage, das ist ebensogut eine Christenfrage, denn sie trifft dort in gleicher Weise zu und hier bin ich der Ansicht, daß es berechtigter Gegenstand der Reichsgesetzgebung ist, derartige Manipulationen, soweit der Weg des Gesetzes es vermag, unschädlich zu machen. — Im Ucbrigen kann ich Ihnen nur sagen, daß jeder andere Behauptung, als sei daß dcsfaÜsige Gesetz nichts als ein Ansfluß der Gerechtigkeit, mir gegenüber als Unwahrheit oder als Berläumdung bezeichnet werden muß." Jnowrazlaw, 4. November. Unsere Leser erinnern sich wohl noch der Juden cravalle in Argen au (Gniewkowo). Es ist nur ein Individuum ermittelt worden, das an denselben Theil genommen hat, und zwar ein Knecht, der einem Juden ein Fenster eingeworscn hat. Der Mann ist von der hiesigen Strafkammer zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr beantragt. Stolp, 1. November. Das Schösiengericht verhandelte gestern anläßlich der bekannten Judencravalle. Drei Arbeiter, die der Aufforderung der bewaffneten Macht, auseinanderzugehen, nicht gefolgt waren, erhielten 14 Tage Gefängniß; drei Leute erhielten 14 Tage Haft wegen groben Unfugs (Hepphepprufen) und zwei erzielten Freisprechung. Stolp, 7. November. Heute beginnt hier die letzte diesjährige Schwurgerichtsperiode, welche insofern von allgemeinem Interesse ist, als in derselben, und zwar am Sonnabend den 12. und am Dienstag den 15. November gegen Personen wegen Landsriedeusbruches verhandelt wird, welche sich in hervorragender provocirender Weise an der Judenhetze und den Krawallen in Stolp und Pollnow betheiligt haben. Am 12. wird sich der Schuhmacher Friedrich Raether aus Rummelsburg mit 7 oder 8 Complicen zu verantworten haben. In der Polluower Angelegenheit erscheinen ca. zwanzig Angeklagte (Schröder und Genossen). Diese Verhandlung wird entweder bis iu die Nacht hinein dauern oder zwei Tage in Anspruch nehmen. Gera, 6. November. Bon hier schreibt die „Germania": Die hiesigen Nationalliberalen, welche Dr. Marquardsen ausgestellt hatten, der mit dem Candidateu der Fortschrittspartei, l)r. M. Hirsch, am 14. November zur Stichwahl kommt, haben die Hilfe der Partei Stöcker, die es in diesem Wahlkreis für ihren Candidateu Hahn ^Berlin) auf 800 Stimmen brachte, angcsleht. Die Partei Stöcker hat sich auch erweichen lassen, Herrn Marquardsen beizuspriugen, und als erste Frucht dieses Bündnisses zwischen Nationallibcralen und der Partei Stöcker erschien gestern ein nationalliberales Flugblatt, welches um „Stimmen für „unseren christlichen Glaubensgenossen Marquardsen" wirbt. Aus drm Großh. Baden, im Nov. In den Bad. Bl. lesen wir: In der Gemeinde Sandhaufen bei Heidelberg wurde seiner Zeit die alte Evangelische Kirche an die Israelitische Gemeinde verkauft, welche eine Synagoge daraus 'machte. Ta nun gegenwärtig die neue Evangelische Kirche

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