Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-22 · Heft 47 (22.11.1881) · p. Seite 777

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 47 (22.11.1881)
Date
1881-11-22
Page
Seite 777 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227387--39436-3308752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

777 Stöcker scheint damals also noch nicht gewußt zu haben, daß er schon wenige Tage darauf mit socialdemokratischen Delegirten über die Bedingungen unterhandeln würde, unter denen auch die „Germania" ein lautes Halloh hierüber, (iv tarn aber anders. Der königliche Staatsanwalt erhob darauf die Anklage gegen die Obengenannten, die sich fast ausschließlich die Conservativen heute im 4. und 6. Wahlkreise für die auf die unbeeidigte Aussage des Meier gründete. Bon der socialdemokratischen Candidaten stimmen sollten. Der Haupt- Bertheidigung wurde die Unglaubwürdigkeit des Antisemiten sächlichste Leiter der Verhandlungen auf antifortschrittlicher I Meier nachgewiesen, auch wurde festgestellt, das; dieser ver (die Bezeichnung conservativ wollen wir aus Achtung vor! sucht hatte, den Pfarrer Hartmich durch Versprechungen von dieser Parteirichtung für diese Herren nicht mißbrauchen) Seite j Geldvortheilen für seine Wahl günstig zu stimmen, und dos; war Herr Stöcker, dem Herr Professor Adolf Wagner sehr! die vier erstgenannten Angeklagten sich in höchster Entrüstung kräftig secundirte. Die Verhandlungen sind jedoch in den! über den Meier geäußert hatten, als dieser bemerkt batte, letzten Tagen an der Klugheit und Vorsicht, welche die social-! daß er sich, falls er gewählt werde, erkenntlich zeigen werde, demokratischen Delegirten Herrn Stöcker gegenüber zu be-! Der Gerichtshof sprach, laut der „Tanz. Ztg.", sämmtliche obachten für angezeigt hielten, resultatlos gescheitert. Ein j Angeklagten frei, weil durch die unglaubwürdige Aussage bestimmtes Abkommen ist nicht zu Stande gekommen. Wir! des Meier die den Angeklagten zur Last gelegte That und wissen nicht, ob Herr Stöcker diese Thatsachen nicht vielleicht damit auch die den Meier selbst beschuldigende That nicht im Drange seiner Geschäfte schon heute wieder vergessen haben! erwiesen worden sei. sollte. Sollte dem so sein, oder sollte er diese Thatsachen! Tanzig, 12. Nov. lieber die Mittel, welche der eonin Folge seiner Vergeßlichkeit vielleicht ableugnen, so stehen! servativ-antisemitischen Bewegung in letzter Zeit zuwir ihm mit ganz genauen Details zu Gebote, die ihm diese! geflossen sind, wird der „Tanz. Ztg." aus Berlin von Je- Thatsachen doch vielleicht (es sind ja nur wenige Tage damand, dem ein Zufall Einsicht in die bezüglichen Kasscnvcrdarüber vergangen) in die Erinnerung rufen." Aus allen hältnissc verschaffte, mitgctheilt: „Die Summen, welche die diesen Vorkommnissen können wir entnehmen, in welchen conservatw-antisemitische Bewegung verschlungen, sind noch Kreisen wir unsre eigentlichen Feinde zu suchen haben. —! weit größer als man annimmt. Die ronservative Wahlagi- Daß übrigens Stöcker in seiner Stellung beim Kaiser nicht, tation im Berlin hat allein mehr Geld erfordert, als die erschüttert ist, wie ein Gerücht besagte, geht daraus hervor, Wahlkosten sämmtlicher liberalen Parteien im ganzen Reiche daß Stöcker in einer öffentlichen Erklärung aussagte: „Der zusammen betragen haben. Allein durch den großen Schnitt- Kaiser habe ihn in die Provinzial-Synode gesandt." Wenn dies! waarenhändler Herzog, den Concurrcnten von Gcrson, Jsnicht wieder ein Gedächtnißfehler ist, so ist es charakteristisch! rael u. s. w. sind mehr als 400,000 Mark an die Kaffe des in hohem Grade. — Auch v. Treitschke ist in Kreuznach in! conservativen CentralwahlcomiC-s abgclicsert worden, von der Stichwahl in den Reichstag gewählt worden.! denen Herr Herzog über 100,000 Mark aus eigener Tasche Breslau, 10. Nov. Wir verzeichnen gern, daß in der gegeben hat. Woher der Rest geflossen, ist dom Central heutigen, combinirten Sitzung des Magistrats und der Stadtcomit« selbst nicht bekannt. Auch was außerdem zugcslvssen, verordneten, wo die Wahlen zu Provinzial-Landtags-Abgestammt zum allergrößten Theile von Bankiers und Kausleuten. ordneten der Stadt Breslau stattfanden, auch der Stadtver- Es herrscht in den Kreisen der antisemitischen Agitatoren ordnete Dr. Honigmann gewählt wurde. ' großer llnmuth darüber, daß der hohe Adel, der große Grund- Konitz» 3. November. Vor der hiesigen Strafkammer besitz und die hohe Beamtenschaft zum großen Theil gar kam gestern die Anklage gegen mehrere Stadtverordnete zu nichts, zum Theil nur winzige Spenden zu dem conservativen Landeck wegen Verkaufs ihrer Stimmen zur Bürger- Wahlfonds beigctragen haben. Von den Großgrundbesitzern meisterwahl zur Verhandlung. Als Angeklagte erschienen sind es allein die Herren v. Mirbach und v. Minnigervde, der Kaufmann Falk, der Fleischermeister Nathan, der Kaufwelche einigermaßen erhebliche Summen gespendet haben, mann Gompel, der Handelsmann Herz Beer und der Litho- Die hohe Aristokratie und besonders die hohen Hofbeamten graph Meier. Letzterer bewarb sich um die Bürgermeisterhaben die, welche mit dem conservativen Klingelbeutel zu stelle in Landeck, erhielt aber bei der Wahl keine Stimme. Ahnen kamen, nicht sehr gut aufgeuomnieu. So kam ein Meier erzählte nachher, daß Falk durch Gompel und Nathan Herr vom „Deutsch. Tagebl.", ein Hauptmann v. zu dem durch Herz Beer von ihm Geldverfprechungen für ihre Stimmen Grafen R., einem der reichsten preußischen Cavaliere, der eine erhalten hätten. In der Neusiettiner antisemitischen „Nordd. der höchsten Hofchargeu bekleidet, und dieser empfing den Presse" stand dann ein Artikel, daß bei der letzten Bürger- Bittsteller mit den Worten: „Tic ewige Bettelei!" Ter also meisterwahl in Landeck von Seiten „jüdischer Stadtverord-! Augefahrenc verbat sich den Ausdruck „Bettler" mit dem neten" ihre Wahlstimmen an den Meistbietenden verkauft Hinweis daraus, daß er Ossicier und Cavalier sei. Gras seien. Natürlich erhoben die antisemitischen Blätter, z. Beschickte später an das conscrvative Centraleomiüeine Spende 47

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.