Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1881)
- Date
- 1881-11-22
- Page
- Seite 774 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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774 gott im allgemein menschlichen Sinne betrachtet werden darf,! und könne daher die jüdische Religion nicht für monotheistisch im eigentlichen, d. i. allgemein menschlichen Sinne gelten". Behaupten dies die Herren im Ernste, und wir trauen ihnen dies zn, so kennen sie die alttestamentarischen Schriften ge' rade so wie den Aristoteles, oder wollen sie aus ihrer Parteileidenschaft heraus nicht kennen. Begaint der Pentateuch nicht mit der Schöpfung der Welt und mit der des Menschen „im Ebenbilde Gottes'? Wird nicht das Menschengeschlecht als ein einheitliches gelehrt und die Geschichte seiner Entwickelung durch cilf Kapitel hindurch verfolgt? Lehrt uns nicht Abraham schon, daß Gott „der Richter der ganzen Erde" ist? (1. M. IS, 25.) Ist die mosaische Definition Gotres als des „unveränderlichen Seins" etwa national? (2. M. 3, 14.) Sind die Zehngebote nicht allgemein-menschlich? oder das mosaische Gebot „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"? und damit keine Zweideutigkeit über das Allgemein-Menschliche bleibe: „Liebe den Fremdling wie Dich selbst"? (5. M. 1L, 16. 3-4.) Ruft Moses nicht Gott als „den Gott der Geister in allem Fleische" an? (4. M. 16, 22. 27, 16.) Sind nicht alle eigentlichen Lehrsprüche im Pentateuch ganz allgemein menschlicher Art, wie „der Ewige, barmherzig und gnädig, langmüthig und voll unendlicher Huld, der Sünde, Schuld und Missethat vergiebt u. s. w.?" (2. M. 34, 6.) Betet nicht Salomo bei der Weihe des Tempels: „Siehe, die Himmelund derHimmclHimmelumfassen dich nicht"? (1. Kön. 6, 27) und Jesajas spricht in feiner bilderreichen Sprache: „Ter Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel. Alles hat ja meine Hand geschaffen, daß all' dies ward, und auf den schau' ich, auf den Armen und Geistesgebeugteu und der vor meinem Worte sich fürchtet." (66, 1. 2.) Ueberhaupt sprechen die Propheten so oft und so klar von der Unendlichkeit, Ewigkeit und Allwissenheit Gottes, von ihm als der Vorsehung und Vergeltung über alle Völker, von seiner Allgerechtigkeit, Barmherzigkeit und Heiligkeit, daß man nur in Verlegenheit gerät!), wenn man selbst hervorragende Stellen eitiren will. Und die Psalmen! Enthalten sie nicht die herrlichsten Aussprüche über den weltschaffenden und weltregierenden Gott, wie Er Menschen und Wesen in Liebe und Gerechtigkeit leitet? Brauche ich an den 104. Psalm, das herrliche Natur-Gemälde zu erinnern? oder an die Psalmen, in welchen alle Menschen, alle Völker und Fürsten und alle Wesen, aufgefordert werden, sich zum Lobpreise Gottes zu vereinigen? Wollen uns die Herren P. und W. Nachweisen, was im Buche Hiob, in den Sprüchen Salomonis und im Prediger, wo uns so Vieles und Bedeutungsvolles über Gott und Menschen, über Leben und Natur gelehrt wird, nicht allgemein menschlich sei? — Nein, wir lassen uns mit einigen hohlen Phrasen den großen Lehriuhalt der heiligen Schriften nicht wegeseamolircn, um einer religiösen Erscheinung zuzuschreiben, was die andere rin vollsten und reichsten Maaße lange vor dem Entstehen jener schon besaß! Uebrigens brauchten die Herren nur den ersten christlichen Katechismus, etwa den, aus welchem sie selbst gelernt haben, zur Hand zu nehmen, um aus den zahlreich citirten Stellen des Alten Testaments zu ersehen, wie sehr dasselbe dem christlichen Katecheten unentbehrlich ist, und was er aus demselben entnehmen muß, um den Gottesbegriff aufzustellen. Aber wir wollen den Spieß nickt nmdrehen und etwa den christlichen Monotheismus untersuchen, denn die Rolle des jüdischen Autors muß noch heute sich darauf beschränken, zu vertheidigen, nicht anzugreifen. Doch wir sind mit den Herren P. und W. noch nicht fertig. (Schluß folgt.) Vom keligionsmiterricht. V. «Fortsetzung.) 3. Tt»scnfol,,c des Unterrichts. A. jjci ciiifadicr ((iflümliger) n>üJkiitlicftcc Untere iditsjcit. tz 15. a. H ebräisch Lesen. Erstes Schuljahr. Die Schüler sind in der Kenntniß und im Lautiren der Buchstaben und Vokale zn üben und soweit zu fördern, daß sie in einer Lcsestbel einzelne Wörter silbenweise zu lesen im Stande sind. Im zweiten Schuljahr sind Leseübungen im Gebetbuch vorzunehmeu und dabei die Schüler in die Beachtung sämmtlicher Lesezeichen, an eine richtige Abtheilung der Sylben und Betonung der Wörter zu gewöhnen. In den weiteren Schuljahren: Fortsetzung bis zum völlig geläufigen und fprachrichtigen Lesen. 8 16. b. Biblische Geschichte. Erstes Schuljahr. Tie ersten Geschichten von der Schöpfung bis zu Abraham. Zweites Schuljahr. Bon Abraham bis zu Joseph'» Tode. Drittes Schuljahr. Bon der Knechtschaft in Egypten bis zu Mose's Tod. Viertes Schuljahr. Bon Josua bis zu Saul. Fünftes Schuljahr. Bon Saul bis zur Thcilung des Reiches. Sechstes Schuljahr. Bon der Theilung des Reiches bis zur babylonischen Gefangenschaft. Siebentes Schuljahr. Bon der babylonischen Gefangenschaft bis zum Schlüsse der Geschichte der Makkabäer. Achtes Schuljahr. Wiederholung der ganzen biblischen Geschichte in übersichtlicher Darstellung. 8 17. Uebersetzen hebräischer Gebete. Zweites Schuljahr. Von Eluhni Neschomo bis gomel cliasudim tuwiiu leumo Jisroel.