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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-15 · Heft 46 (15.11.1881) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 46 (15.11.1881)
Date
1881-11-15
Page
Seite 760 (sequence 8)
Language
German
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jchastetr imi> Wirkungen dieser großen Erscheinungen zu zeichnen. — Dr. Hildesheimer sendet dem Jahresbericht seines Rabbiner-Seminars zu Berlin eine Abhandlung voran: „die astronomischen Kapitel in Maimonidis Abhandlung über die Neumondsheiligung." Er übersetzt diese Kapitel in möglichst populärer Weise, erklärt sie in Anmerkungen und einem Anhang. Die Arbeit ist sehr dankenswerth, wenn sie auch den Gegenstand noch lange nicht erschöpft und viele dunkle Stellen weiterer Erörterung überläßt. — Wir haben wieder eine Reihe von Predigten vorliegen, die wir kurz ausführen wollen. „Zur Einweihung der neuen Synagoge zu Göppingen. Zwei Reden nebst Weihgebeten von Rabbiner Herz. (Stuttgart, Bonz, 1881.). Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, die gemüthvolle und sinnige Beredsamkeit des Vers, rühmend anzuerkennen und diese bewährt sich auch in den beiden Reden. — „Die Kennzeichen des israelitischen Wesens (Jebamoth 79), Predigt am Versöhnungstage" von Dr. H. Jonas. (Hamburg, Berendsohn 1881.) An der vorgeführten Stelle werden dem jüdischen Volke drei Tugenden zugesprochen: Bescheidenheit, Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit. Die erste von diesen wird gegenwärtig den Juden von ihren Gegnern am meisten abgesprochen. Der Redner erörtert die Ursachen für die Anhaltspunkte, welche den Gegnern allerdings dargeboten werden, das Drängen zu öffentlichen Aemtern und die Prunksucht, aus den geschichtlichen Verhältnissen, mahnt aber ernstlich davon ab. Entschieden weist er die Religionsspötter zurück, die längst nicht mehr zu den Juden gehören, wenn sie zufällig von Juden abstammen. — „Rede zur Einweihung des neuerbauten Schuthauses der Aytiag.-Gemeinde zu Hildesheim" von Landrabb. Dr. Guttmann (Hildesheim, Gerstenberg 1881.) Der Redner spricht sich in klarster, würdigster Weise über die Aufgaben der Schule aus, die in der sittlichen Erziehung, in der Heranbildung für das Deutschthum und für das Judenthum bestehen. — Der Mensch im Bilde Gottes. Festpredigt zur Feier des nach 100 Jahren wieder erschienenen Tages der Kundmachung des ersten der von Kaiser Josef II. gegebenen Gesetze zur Befreiung der Juden aus der mittelalterlichen Rechtlosigkeit. Gehalten am Azereth- Feste 1642 in der Meisel-Synagoge zu Prag, von Dr. A. Stein, Rabbiner und Prediger. (Prag, Andre, 1881.) Auch wir empfinden die aufrichttgste Dankbarkeit für diejenigen Geisteshelden, welche im vorigen Jahrhundert den Sieg des Rechtes, des Grundsatzes der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen vorbereitet haben. Ihnen gebührt der größte Dank, da sie den schwierigeren Theil des Kampfes auf sich nahmen. Wir verdenken es daher dem Redner nicht, wenn er hier „das Bild Kaiser Josef II, im Lichte der israelitischen Religion angeschaut, als unsres Wohlthäters vor 100 Jahren und als unsres Vorbildes für alle Zeiten" in sinniger Weise entwirft. — Patriotische Casual-Reden von Dr. Joachim Jacob ttitger, Rabbiner der isr. Cultusgemeinde in Jglau (Jglau, Bayer, 1881). Außer der ersten Rede auf die Staatsverfaffung, haben alle hier abgedruckten Predigten ihre Veranlassung in Vorkommnissen innerhalb der österreichischen Kaiserfamilie, und wir überlassen deshalb die Beurtherlung dieser Sammlung unsren österreichischen Collegen. Deutschland. Berlin, 3. Nov. (Privatmitth.) Die Organe der bei den Wahlen unterlegenen Partei werden noch lange zu thun haben, bis sie ihre Niederlage verdaut haben werden. So versucht das anttsemittsche „D. Tagebl." den Sieg der Fortschrittspartei den Juden zuzuschreiben. Das jüdische Element sei es, das den Sieg entschieden habe. Nun kann ein einfaches Rechenexempel zeigen, daß, wenn die ca. 10,000 jüdischen Wähler Berlins von den 89,000 Sttmmen, die für die J Fortschrittspartei abgegeben wurden, abgezogen würden, gegen! die 47,000 Sttmmen der anttsemitisch-conservativen Partei,! immer noch 32,000 Sttmmen auf der Fortschttttsseite mehr verbleiben, als die Anttsemiten überhaupt hatten. Und wollte man sich den Spaß machen, alle jüdischen Wähler zu den Auttsemiteu hinzuzuzählen, so würde der Fortschritt immer noch 22,000 Sttmmen mehr gehabt haben. Die jüdischen Wähler konnten also weder dem Fortschritt noch seinem Gegner zum Siege verhelfen. Aber das „D. Tagebl." hat an dieser Lächerlichkeit noch nicht genug. Es behauptet, Oesterreichische Juden hätten mitgewählt. Nun kann doch Niemand wählen, der nicht in der Wählerliste steht, und in diese kann nur ausgenommen werden, wer preußischer Unterthan und in Berlin ansässig ist. Der Blödsinn solcher Behauptung liegt also oben auf. Im Gegensatz zu der „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums", die sich in völliges Schweigen hüllt, und weder über ihre äußeren noch inneren Verhältnisse etwas verlautbar macht, veröffentlicht das (orthodoxe) hiesige Rabbiner- Seminar des Dr. Hildesheimer, wie schon die früheren Jahre, einen Jahresbericht „pro 5641". Dr. Hildesheimer hat im verflossenen Jahre eine Reise nach Patts und London gemacht, um Beiträge für sein Seminar zu erlangen, und er hatte einigen Erfolg. Die Einnahmen des verflossenen Jahres beliefen sich auf 10,032 M. zum Fond und 49,506 M. laufend. Die Ausgaben betrugen 30,066 M., so daß ein

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