Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1881)
- Date
- 1881-11-15
- Page
- Seite 755 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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755 Daß demnächst die antisemitische Agitation fortdauern! sehr freundliche persönliche Beziehungen, die in häufigem, wird, unterliegt keinem Zweifel. Die „Köln. Z." sagt:! ungezwungenem Verkehr ihren äußeren Ausdruck finden. „Wir besorgen, daß die Stöcker, Henrici und Cremer auch! Fast täglich sieht der Kanzler einen oder mehrere derselben noch weiterhin werden vorgeben dürfen, bei ihrem Treiben die als Gäste an seiner Tafel. In den letzten Tagen befand Geschäfte der Regierung zu besorgen. Und so lange die! sich darunter ein jüdischer Industrieller, der mit dem Fürsten Regierung solche Gesellschaft nicht öffentlich und feierlich von j insofern in geschäftlicher Verbindung steht, als ein großes sich weist, wird die Fortschrittspartei stetig an Feld ge-! Fabriketabliffement des Herrn sich auf dem Kanzler gehörendem winnen, werden die Mittelparteien dauernd geschwächt! Grund und Boden befindet und seine Rohmaterialen aus den werden." Diese Mittelparteien aber erleben dies, weil sie Barziner Waldungen entnimmt. Die genannte Persönlichkeit sich ebenfalls nicht entschieden genug, sondern viel zu spät steht mit dem Fürsten seit einer langen Reihe von Jahren gegen jene Agitation erklärten, als diese ihnen schon über! in ununterbrochenem, regelmäßigem Verkehr. Die diesmalige den Kopf gewachsen war. > Begegnung gab dem. Staatsmann auf eine zufällige Berner Zwei Fragen sind es nun, welche die nächste Zukunft! kuug seines Gastes Veranlaffung, sich über seine Stellung zur entscheiden muß. Die erste ist: werden die Conservativen Judenfrage zu äußern. Er sprach in eingehendster Weise bei den Stichwahlen für die Socialdemokraten stimmen? darüber und ließ dabei starke Schlaglichter aus einzelne be- Daß die Antisemiten für die Socialdemokraten stimmen zeichnende Phasen der Bewegung fallen. Dann sagte er u. werden, besonders in Berlin und Breslau, besagt die „Köln. A. auf die sich selbst gestellte Frage, ob er mit der antise- Z." schon als ganz gewiß. Es ist dies auch sehr erklärlich, mitischen Bewegung einverstanden sei: „Nichts kann unrichdenn die Stöcker u. s. w. haben ja ihre ganze Kampfweise tiger sein. Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf den Socialdemokraten abgelernt, geben sozialistische Zwecke gegen die Juden, sei es, daß er auf confessioneller oder gar als die ihrigen an und wollen die Sozialdemokraten für sich auf der Grundlage der Abstammung sich bewege. Mit gewinnen. Um so mehr wird es sich zeigen, ob die Consergleichem Rechte könnte man eines Tages über Deutsche von vativen sich mit den Antisemiten identifiziren, und ob ihr polnischer oder französischer Abstammung herfallen wollen Conservatismus dem Gesetze gegen die Sozialisten, das er und sagen, es seien keine Deutschen. Daß die Juden mit doch zu Stande gebracht, Hohn zu sprechen und sich hiermit Vorliebe sich mit Handelsgeschäften befasien, nun das ist selbst zu charakterisiren vermag. Den neuesten Nachrichten zu- Geschmacksache: durch ihre ftühere Ausschließung von anderen folge werden allerdings in Breslau und Frankfurt am Main Berufsarten mag das wohl begründet sein. Aber sicherlich die Conservativen bei den Stichwahlen für die Sozirldemoberechtigt es nicht, über ihre größere Wohlhabenheit jene traten stimmen, so daß die Wahl Sonnemanns und Freund's! aufreizenden Aeußerungen zu thun, die ich durchaus versehr zweifelhaft geworden. — Die zweite Frage besteht da-; werflich finde, weil sie den Neid und die Mißgunst der rin: wird ein Bündniß zwischen den Conservativen und dem. Stenge erregen. Ich werde niemals darauf eingchen, daß Centrum im Reichstage zu Stande kommen? Bon Seiten den Juden die ihnen verfaffungsmäßig zustehenden Rechte der Conservativen wird dem Centrum ein solches Bündniß in irgend einer Weise verkümmert werden. Tie geistige Ordurch die „Kreuzzeitung" vorgcschlagen, um möglichst eiue ganisation der Juden im Allgemeinen macht sie zur Kritik Mehrheit zu gewinnen. Die gonvernemcntale Presse stimmt geneigt und so findet man sie wohl vorzugsweise in der dem bei und die „Nordd. A. Z." wiederholt deshalb einen Opposition, aber ich mache keinen Unterschied zwischen christhochosficiösen Artikel aus der Wiener „Polit. Korrcsp.", der lichen und jüdischen Gegnern meiner Wirthschaftspolitik, die dem Centrum eine Mäßigung in seinen Forderungen ich nach meiner Ucberzeugung als ersprießlich für das Land für die Kirche anräth, um nach deren Befriedigung für die verfechte. Wenn ich zustimnicnde Adressen und Telegramme Regierung einzutreten. Es wird deshalb die Signatur der beantwortet habe, so erfüllte ich damit eine Pflicht der Höfinneren Politik im deutschen Reiche anzuerkenneu sein, daß lichkeit, wie ich dies schon Richter erwiderte; ich würde mit zuerst durch den Culturkampf die römisch-klerikale Partei zu Vergnügen ebenso höfliche Antworten auf Zustimmungsworte einer entscheidenden im deutschen Reichstage großgezogcn der Fortschritspartci gegeben haben, ich habe nur keine erworden, und daß man dann sich mit ihr zu verbinden sucht, halten." — Auf die Frage des Gastes, ob er von einem also gerade die Macht der Kirche, die man so heftig be- Theile dieser Aeußerungen öffentlichen Gebrauch, selbst durch kämpft hat, zu stärken und unwiderstehlich zu machen, sick» die Presse, machen dürfe, antwortete der Reichskanzler unbeanschickt. dingt zustimmend." — Dieser Gast ist wohl einer der Nachdem Obiges zum Abdruck abgesandt worden, ent- Herren Berend in Köslin, welche eine Holz-Papierfabrik hält die „Nat.-Ztg." Folgendes: „Fürst Bismarck unterhält haben. Wie viel würde uns erspart worden sein, wenn bekanntlich mit der Mehrzahl seiner pommerschen Nachbarn diese Erklärung des Reichskanzlers nicht erst jetzt, nachdem 46*