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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-08 · Heft 45 (8.11.1881) · p. Seite 748

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 45 (8.11.1881)
Date
1881-11-08
Page
Seite 748 (sequence 12)
Language
German
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748 Wie Anfang, so machte auch der Schluß der würdigen Feier ein Gesang der Schulkinder. Darauf wurde die Einrichtung des Hanfes besichtigt. Es enthält drei sehr geräumige, helle und zweckmäßig ausgestattcte Schulsälc, ein Bibliothek-, ein Eonserenz- und ein Vorzimmer sowie Familienwohnung. Tie Kosten des Schulhauses werden auf 30,000 M. angegeben, zu welchen aus der Stadtkasse 3000 M. geschenkt! worden, während 25,000 M. von den Mitgliedern der Israel. Gemeinde zusammengcbracht sind, was gewiß alle Anerkennung verdient. Man kann der ifracl. Gemeinde zu dem stattlichen Schulhause nichts bcsserS wünschen, als daß es der von Herrn l)r. Guttmann so vortrefflich gezeichneten Bestimmung entspricht." — Ein Festessen mit Ball, und am folg. Tage ein Fest für die Schulkinder schlossen sich an die schöne Feier. E. Stern. Stolp, 21. Setober. Das Schöffengericht verhandelte heute mehrere Sachen, die sich auf die bekannten Judenkrawalle Anfangs September bezogen. Zwei Leute waren wegen groben: Unfugs (Hepp-hepp-Rufe) zu 14 Tagen Haft und einer zu 10 M., eventuell 3 Tagen Haft durch Strafbefehl verurtheilt worden und hatten dagegen Widerspruch erhoben. In allen Fällen verwarf das Gericht den Widerspruch und erhöhte das Strafmaß in 2 Fällen; statt 14 Tage wurde auf 3 Wochen Haft und statt 10 M. auf 20 M. eventuell 1 Woche Gcfängniß erkannt. Mergentheim, 20. Sctoder. Der bisherige Abgeordnete znm Reichstage, Fürst Hohenlohe-Langenburg, hielt heute seine Wahlrede, in welcher er entschieden betonte, daß kein Mitglied der deutschen Reichspartci die Antiscmitenpetition Unterzeichnete. Diese Gelegenheil benutzte der Fürst, um seinen tiefsten Abscheu über die Vorgänge in Ost- und Westpreußen, die er als Schande für die ganze deutsche Nation bezeichnete, auszudrücken. Er habe, sagte der Redner, das Grundrecht, das; kein Tenlscher wegen seiner Religion irgendwie zurückgesetzt werden dürfe, sters hochgehallen. .C cftcrrc i d>-Ungarn. Wien, 27. Set. (Privatmitth.) Wie den Lesern dieser Zeirnng schon aus früheren Berichten bekannt ist, hat sich der Vorstand der Gemeinde schon vor mehreren Jahren veranlaßt gesehen, Religionslehrer in die Volks-, Bürger- und Mittelschulen (Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen) in Wien zu eymittireu. — Tie Kosten für die Religionslehrer in Volks- und Bürgerschulen, die nach dem Gesetze von jeder Evnsession selbst bestritten werden müssen, trägt die Ge meiure. Nach langem Kampfe, wie jedoch hinzugefügt werden muß, nicht ans consessionellem Grunde, kam es dahin, daß der Staat in den Staatsmittelschulen den Gehalt für die israel. Religionslehrer, die daselbst wirken, bezahlt. Nun bezahlt auch die Commune die israel. Religionslehrer, welche in den Communalmittelschulen unterrichten. Aber auch hier muß hervorgehoben werden, daß die Commune bisher aus finanziellen Rücksichten zögerte und spielt das confessionelle Element bei dem Vorgehen der Commune überhaupt gar keine Rolle. Es freut mich ferner mittheilen zu können, daß nach einer Entscheidung der Statthalterei vom 27. Sept. a. c. die Ertheilung der Bewilligung zur Errichtung von Filialbethäuscrn für die Zeit der hohen Festtage ausschließlich in die Hand des Vorstandes gelegt ist. Es werden nun die Unzulänglichkeiten, wie sie bisher stattgefunden haben, aufhörcn. Wie ich höre, hat sich um diese beiden Maßregeln das Mitglied des Vorstandes, Herr Emanuel Baumgarten, der auch als Bezirksschnlrath fungirt, besondere Verdienste erworben. Zum Schluffe noch eine erfreuliche Nachricht. Ter Minister für Cnltus und Unterricht wird in der bevorstehenden Session des Reichsrathes den Gesetzentwurf bezüglich der Regelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse, wie er seiner Zeit aus der Enquete hervorging, einbringen. Lemberg, 25. Oltober. Ter „Gazeta Narodowa" zufolge hat Grocholski die Erledigung der im Landtage eingcbrachten Anträge wegen vollständiger Polonisirung der Ober- Staatsanwaltschaften, Fiuanzbehörden, Post- und Telegraphen- Aemter in Galizien, sowie der Anträge wegen Regelung der die jüdischen Cultusgemeindeu betreffenden Verhältnisse aus dem Grunde verhindert, um im ersteren Falle dem Grafen Taaffe keine Verlegenheiten zu bereiten, im zweiten Falle aber die Stellung der jüdischen Mitglieder des Polen-Clubs des Reichsrathes, insbesondere die des Rabbiners Schreiber, nicht zu erschweren. Nmuänien. Bukarest, 21. Sctober. Sämmtliche Einjährig-Freiwilligen mosaischer Consession, welche die Naturalisation noch nicht erlangt haben, wurden aus dem Hceresverbande entlassen. Bonn, 30. Okt. (Notizen.) jEine seltene Frau.) Das weithin bekannte Wiener Wechslergeschäst „derMercur" wurde in den jüngsten Tagen um einen hohen Preis an die „böhmische Unionbank" verkauft. Das hat für die Leser dieser Zeitg. kein Jutereffe; der Verkauf lenkt aber unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf eine seltene Frau, aus, Frau Charlotte Cohn, welche nicht nur die Eigenthümcrin, sondern auch die Gründerin, die Leiterin, die Seele des bekannten Wechsel- Hauses war. Interessant wie diese Thatsache sind die Umstände, unter denen die seltene Frau auf den so seltsamen Posten gestellt wurde und auf dem sie sich trotz ihres Ge-

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