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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-08 · Heft 45 (8.11.1881) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 45 (8.11.1881)
Date
1881-11-08
Page
Seite 744 (sequence 8)
Language
German
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744 tnuß. Aber er hat hier doch die Ziele vorgesteckt, deren| 1881, Kauffmann in Frankfurt a. M.) Der Berf. giebt Erreichung er nachzustreben hat, und den Weg vorgezeichnet, eine gedrängte, aber ausreichende Beschreibung der Ceremoauf welchem er dies vermag. Der Vers, wünscht übrigens nialgebotc, welche der Bar Mizwa zu erfüllen übernimmt, sehr, daß man etwaige Einwendungen und was man an und zwar ganz vom orthodoxen Standpunkt aus; so über seinen Vorschlägen auszusetzen hätte, an ihn gelangen lasse. — I Zizziß, Thephillin, Mesuman, Neginoth u. s. w. Angesügt sind msD -,2 -p;n. Anleitung zum Bar Mizwa-Unterricht von > Sentenzen zum Auswendiglernen in hebräischer und deutscher Rabbiner Dr. D. Leimdörser zu Nordhausen. (Altona! Sprache. Deutschland. Berlin, 27. Oct. (Privatmitth.) Heute finden die Wahlen zum Reichstage im ganzen deutschen Reiche statt, und wir wollen deshalb einiges Bemerkenswerthe aus den letzten. Tagen vor den Wahlen zusammenstellen. — Am 24. ging die Versammlung vor sich, in welcher Prof. Virchow zu! seinen Wählern sprach, wozu er expreß von einer großen Reise zur anthropologischen Versammlung in Tifiis zurückgekehrt war. Die Versammlung bot den großartigsten Anblick dar, da viele Tausende den Saal und den Garten füllten und der außergewöhnlichste Enthusiasmus Alle beseelte. Zahlreiche Arbeiter begleiteten Virchow mit einem Fackelzuge zum Versammlungslocal. Ein vortreffliches Lied vom Abg. Träger nach der „Wacht am Rhein" wurde gesungen und die Rede Birchow's mit stürmischem Beifall begleitet. Wir führen aus derselben folgende Stelle an: „Die Bestrebungen der Gegner enthalten aber durchweg Beschränkungen der allerschlimmsten Art. Das schlimmste Beispiel war ja die berühmte Judenhetze, ein Versuch, für den in allererster Reihe allerdings Herr Stöcker verantwortlich ist, der auch nach Außen hin überall an den Namen Stöckels geknüpft wird. (Sehr wahr!) Als ich von Odessa in die Heimath zurückkehrte, war der von mir benutzte Eisenbahnzug auch besetzt mit Juden, die sich flüchteten vor den Verfolgungen, welche sich in Rußland auf Grund der hier begonnenen Bewegung entwickelt haben. (Hört, hört!) Da fragte ich mich doch: Ist dies ein wirkliches Christenthum, ist dies der Ausdruck des Geistes des Stifters unserer Religion? Auch unsere jetzige Wahlbewegung verfolgt man in der ganzen Welt, bis in die äußersten Grenzen von Rußland hinauf, mit größter Spannung, und ich, der ich nicht blos als Mann der Wissenschaft, sondern auch als liberaler Mann und gewiffermaßen als Symbol des freien deutschen Geistes überall so freundlich empfangen bin, habe dies deutlich erfahren. Man sagt sich mit Recht: wenn im Herzen Europa's, bei der Nation, die sich auf ihre Bildung so viel zu Gute thut, die Reaction gänzlich siegt und zu Grunde geht, was liberal ist, dann muß es in der ganzen Welt sehr schlecht werden. (Stürmischer Beifall.) Wir fügen hinzu, daß nach der allgemeinen Ansicht allein in dem Wahlkreise Birchow's die Conservativen einige Aussicht haben sollen, ihren Stöcker durchzubringcn, wenigstens eine Stichwahl zu erwirken. Es ist dies das sog. „Geheimraths-Viertel". — Vollständig durchgcfallen ist bereits Dr. Henrici im in. Wahlkreise, da diejenigen, welche bis vor Kurzem energisch für ihn eingetreten sind, ihn aufgegeben haben. Im antisemitischen „D. Tbl." wird folgende Erklärung veröffentlicht: „Aus gewichtigen Gründen haben die Unterzeichneten die Candidatur des Herrn Dr. Henrici im III. Wahlkreise fallen lassen. Zugleich weifen dieselben die über ihre Person resp. Thätigkeit aus gesprengten Gerüchte als schamlose Lüge zurück. Berlin, 21. October 1681. H. Kühn. F. Haerling, H. Becker." Hiermit stimmt aber Henrici selbst nicht überein, und er hält selbst seine Candidatur aufrecht. Auch fährt er fort, in der Umgegend ungestört seine Brandreden gegen die Juden zu halten. — Dr. Bernhard Förster ist vom Magistrate wegen öffentlicher Verleumdung angeklagt worden. — Der antisemitische „Deutsche Patriot", der zu vielen Kreisamtsblättern als Beilage gegeben worden, hat aufgehört zu erscheinen. Er will erst vor den nächsten Wahlen wiederkehren. Man kann daraus leicht schließen, aus welchem Säckel er bezahlt worden. — Am 23. hielt der fortschrittliche Abg. v. Saucken-Tarputschen — im III. Wahlkreise — vor einer großen Versammlung seine Wahlrede. Er bekämpfte die Einwände, welche gegen die Fortschrittspartei erhoben worden. Er bemerkte u. A.: „Ehe Herr Stöcker mit seiner Weisheit herausgefunden, daß dem Christenthum durch die Juden schwere Gefahren erstehen, hat kein Mensch etwas davon gemerkt. Ich bin überzeugt, Stöcker glaubt selbst nicht oaran. (Bravo!) Wie ist versucht worden, die dem Christenthum angeblich drohende Gefahr darzustellen? Den ersten Anstoß bildete die entsetzliche Thatsache, daß zwei jüdische Abgeordnete im Kreise ihrer Wähler Mißstände berührten, welche sic von Mitgliedern der evangelischen Kirche vernommen hatten. Herr Stöcker meinte, daß sie auch das nicht dürfen. Nun, wir Alle wissen wohl, daß ein Jude, wenn er die christliche Religion beschimpfte, von dem Strafrichter gefaßt werden würde, aber wir haben bisher nicht gewußt, daß die General-

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