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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-08 · Heft 45 (8.11.1881) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 45 (8.11.1881)
Date
1881-11-08
Page
Seite 743 (sequence 7)
Language
German
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-43 Cambridge unter ADD. 1506. vorhanden ist, und dessen Existenz noch vor Kurzem von den Herren Dr. Neubürger und Levin bezweifelt worden. Es enthält die Namen der jüdischen Märtyrer, die in Nürnberg im Jahre 5109 d. i. 1349 gemordet wurden. In einer Einleitung weist der Berf. zuerst auf die blutigen Verfolgungen der Juden seit den Kreuzzügen hin, kommt auf das Schicksal der Juden in Nürnberg, läßt sich dann über die jüdische Sitte, die dem Memorbuch zu Grunde liegt, aus, beschreibt das Manuskript selbst und theilt dasielbe mit. Anhänglich spricht er über die Namen der Juden und erörtert schließlich die nichtbiblischen Namen, welche in dem Manuskripte Vorkommen, sowie die Bezeichnungen von Aemtern und Beschäftigungen. In allem diesem beweist der Berf. eine genaue Sachkenntnis, ein tüchtiges Studium der jüdischen Literatur und Sitte bis zur Gegenwart. In welchem Geiste es abgefaßt ist, kann man daraus ersehen, daß die Abhandlung dem am 30. Januar d. I. verstorbenen James Cardwell gewidmet ist, dem Bicekanzler der Universität, „einem der ältesten und ausdauerndsten Vorkämpfer für die Beseitigung der Beschränkungen, die für die Juden in England noch bestanden." — Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Dyhrenfurth a. O. vom Bezirks-Rabbiner Dr. W. Grünewald in Bellover (Kroatien). (Selbstverlag des Autors. Breslau 1881.) Der Vers, theilt in diesem Heftchen die bemerkenswerthen Grabsteine auf dem Friedhofe zu Dyhrenfurth mit, deren ältester aus dem Jahre 5490 d. i. 1731 stammt, übersetzt und erläutert sie, wobei es an nützlichen Bemerkungen nicht fehlt. Schließlich folgen einige Urkunden, die erweisen, daß die Breslauer ihre Leichen nach Dyhrenfurth überführen mußten. — Von demselben Verfasser liegt uns auch eine Festschrift zur Einweihung der Synagoge zu Bellovar (am 19. Sept. d. I.) vor: „Zur Geschichte der jüdischen Kultusgemeinde Bellovar (Kroatien). (Bellovar, Fleischmann 1881.)" So lange die Militärgrenze bestand, durften sich Juden in einer Stadt derselben nur einen Tag aufhalten. Im Jahre 1868 wurde die Militärgrenze aufgelöst und zu Croatien geschlagen. Alsbald ließen sich einige jüdische Familien in Bellovar nieder, aber erst am 23. Februar 1877 konstituirten sie eine Gemeinde, legten einen Friedhof an und nahmen den Bau einer Synagoge in Aussicht, wählten auch den Vers, zum Bezirksrabbiner. Das Detail hiervon erzählt uns der Berf. in einfacher würdiger Weise und hat die Opferwilligkeit zu rühmen, mit der alles Dieses in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit hergestellt wurde. — Die Disciplin in der jüdischen Religionsschule. Von Dr. F. Cohn, Prediger. (Oels, Roth 1881.) Das Schriftchen enthält den Vortrag, den der Berf. in der Lehrerversammlung zu Breslau am 6. Juli d. I. gehalten hat. Nach einem interessanten Blick auf den Werth des Religionsunterrichtes wird zuerst dargelegt, daß die Disciplin in der Religionsschule dem Lehrer, den Schülern und den Eltern Pflichten auferlegt. Dann werden die allerdings bekannten Schwierigkeiten, die dieser Disciplin in der genannten Lehranstalt entgegenstehen, klar gezeichnet, um schließlich die wichtigste Frage: „Wie ist diese Gegnerschaft wirksam zu bekämpfen?" zu beantworten. Der Verf. erweist nicht blos den idealen Standpunkt, den er als Religionslehrer einnimmt, nicht blos den tiefen Ernst, mit welchem er die Aufgabe des jüdischen Religonslehrers auffaßt, sondern auch ein sorgfältiges Studium der pädagogischen Wissenschaft. Indessen können wir nicht sagen, daß uns diese dritte Abtheilung genügt hat. Der Verf. fordert vom Lehrer Energie, und zwar durch genaue schriftliche Controls der Versäumnisse, sowie die Väter oder Erzieher von dem Unfleiß oder schlechten Betragen des Zöglings schriftlich in Kenntniß zu setzen. Dadurch sammelt er zugleich die Aktenstücke, um die geringe Unterstützung, welche die jüdische Religionsschule findet, nachzuweisen. Wir glauben, daß diese Winke für die Erhaltung der Disciplin noch vermehrt werden können. Für wesentlich halten wir, daß die Religionsschule in mindestens drei Klassen oder drei Abtheilungen getheilt sei, damit öftere Versetzung, nicht so langes Verweilen in derselben Klasse stattfinde und dieselben Zöglinge nicht so oft wiederholten Kursen beiwohnen müssen. Das wesentlichste Mittel für die Disciplin ist aber, daß der Lehrer den Unterricht anziehend und interessant zu machen wisse. Wir haben aus der Erfahrung, daß in derselben Schule oft in der einen Klasse die größte Ruhe und Aufmerksamkeit, in der anderen wüster Lärm stattfand. Die Schuld lag an den Lehrern, von denen der eine die Zöglinge zu interessiren verstand, der andere sie langweilte. Langeweile ist der ärgste Feind der Disciplin. Oessentliche Examina mit Verlesung der Censuren und Festlichkeiten, z. B- Spaziergänge, zu denen nur die besseren Zöglinge zugezogen werden, thun auch das Ihrige. Eine besondere Aufmerksamkeit von Seiten der jüdischen Lehrerwelt verdient: Entwurf und Begründung eines Normalplans für den jüdischen Religionsunterricht in den öffentlichen höheren und niederen Lehranstalten. Bortrag gehalten auf der HI. Conferenz mitteldeutscher Cultusbeamten zu Nordhausen von Dr. Jecheskel Caro, Rabbiner in Erfurt. (Erfurt, Neumann, 1881.) Der Lehrplan, der hier sowohl für die Volksschule als für die höheren Lehranstalten, auch die Töchterschulen, entworfen ist, ist aus vieljähriger Erfahrung, aus Sachkenntniß und Umsicht hervorgegangen. Wir gehen hier nicht näher darauf ein, weil wir wünschen, daß jeder Lehrer und Schulvorsteher sich diese Broschüre anschaffe. Wie bei allen solchen Lehrplänen allgemeiner Art versteht es sich von selbst, daß derselbe vom einsichtsvollen Lehrer nach gegebenen Verhältnissen modisicirt werden kann und

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