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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-08 · Heft 45 (8.11.1881) · p. Seite 742

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 45 (8.11.1881)
Date
1881-11-08
Page
Seite 742 (sequence 6)
Language
German
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742 der Aufgabe. Nach einer gründlichen Besprechung der in das grammatische Gebiet einschlagenden Schriften Jbn Esra's in der Einleitung entwirft der Vers, ein Gesammtbild von des großen Exegeten Ansichten und Lehrmeinungen zur hebräischen Grammatik, wodurch wir eine Grundlage für das Verständniß seiner Schriftauslegung, andererseits einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft gewinnen. Da Jbn-Esra gewissermaßen den Abschluß der grammatischen Wiffenschaft der spanisch-arabischen Schule bedeutet, so ist damit eine wesentliche Epoche in der Wiffenschaft überhaupt charakterisirt. Gewiß ist der Fleiß, die Umsicht und die Sachkenntniß, die der Berf. in der Ausführung seines Planes bethätigt, mit vollem Lobe anzuerkennen. Denn um ein solches Bild zu entwerfen, mußte der Vers, die einzelnen Züge nicht blos aus den grammatischen Schriften, sondern auch aus den Bibelcommentaren Jbn Esra's zusammenholen und nach den Rubriken gruppiren. Daß der Vers, die bez. Stellen meist mit den Worten Jbn Esra's angiebt, ist selbstverständlich. — Aus der langen Reihe von Broschüren, die uns vorliegen, heben wir zuerst hervor: Wir Juden. Rede am Neujahrstage von vr. Immanuel Heinrich Ritter. (Berlin, Stuhr'sche Buchhandlung 1881.) Es ist dies eine ganz treffliche Predigt, anknüpfend an die Reden Bileam's (4. Mos. 24), die einerseits den niedrigen geistigen und sittlichen Standpunkt der Gegner Israels charakterisirt, dann mit beredten Worten die Aufgabe Israels zeichnet, kein Volk zu bilden, aber unter allen Völkern die Lehre des einzig-einigen Gottes zu bezeugen und in der Treue für diese Aufgabe ein leuchtendes Vorbild zu geben. — Tischrede bei dem zu Ehren der Synagogeneinweihung in St. Gallen am 22. September 1881 stattgehabten Festbankett, gehalten von vr. Alexander Kisch, Rabbiner der Israelitischen Gemeinde in Zürich. (Zürich 1881. Trüb'sche Buchhandlung.) Die geistreiche, wenn auch etwas ausgedehnte Tischrede setzt zunächst auseinander, daß in dem israelitischen Gotteshause alle Menschen beten könnten, da in demselben der einzige Gott verehrt wird, deffen Erkenntniß allen Menschen aus „ der Ueberlieserung, der Natur und der Geschichte" zufließt. Welche Natur und welche Geschichte wäre aber geeigneter hierzu, als die der Schweiz! Der israelitische Schweizer ist aber mit ganzer Seele und ganzem Herzen ein treuer Eidgenosse. Der Redner deutet ferner darauf hin, daß vor fast 6 Jahrhunderten die israelitischen Einwohner der Schweiz das volle Bürgerrecht besaßen und Wappen und Siegel führten, in welchen sie als Juden und Bürger zugleich erschienen, und fügt die Abbildung einiger dieser Siegel hinzu. Mit den Segenswünschen für die St. Galler Gemeinde schließt die ebenso geistwie gemüthvolle Rede. — Unter Allem, was dis jetzt gegen Stöcker geschrieben worden, ist wohl, weil klar und einfach, das Beste: „Der Apostel Stöcker, seine Jünger und der deutsche Bürgerkrieg. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der antisemitischen Bewegung. Bon Vr. L. Kleist. Berlin 1881, Stuhr." Der Vers, will keine theoretischen Widerlegungen geben und keine phrasenreiche Vorwürfe machen, sondern er zeichnet Stöcker und seine Jünger Grüneberg, Ruppel, Henrici, von Liebermann, Förster, Nolda, Wasinsky, Hennings, Hertzog in ihren Motiven, Zwecken und Mitteln nach den Thatsachen, die notorisch sind, und die der Derf. in das hellste Licht zu stellen und nach ihrer Entwickelung zu gruppiren versteht. Namentlich für das Berliner Publikum muß diese Schrift wahrhaft aufklärend wirken. Er schließt mit dem Wunsche, Stöcker möge sich bekehren und nur Nächstenliebe predigen u. s. w. — ein Wunsch, deffen Erfüllung wir leider nicht erwarten rönnen. Wohl aber schließen wir uns den Endworten an: „Die Juden und die bösen Fortschrittsleute würden nach dieser Bekehrung Ihnen gern Alles verzeihen, was Sie und Ihre Jünger ihnen angethan!" — Aufmerksam wollen wir hier auch auf eine, mit logischer Schärfe und in klarer fesselnder Sprache abgefaßte Broschüre machen: „Revolutionäre in alter Zeit. Eine Bertheidigung der freisinnigen Politik durch die Stein-H ardenberg'sch e Gesetzgebung. Von vr. jur. I. Levy. Berlin, Jßleib, 1881." Der rühmlich bekannte Publicist knüpft an das Schlagwort des Fürsten Hohenlohe: „forffchrittliche Republikaner," mit welchem dieser die deutsche Fortschrittspartei bezeichnet, und an die traurigen Erinnerungen, die der Name Hohenlohe weckt, eine charakteristische Zeichnung der Stein-Hardenberg'schenGesetzgebung, durch welche der preußische Staat aus dem tiefsten Verfalle erhoben und zu den großen Leistungen im Freiheitskriege befähigt wurde. Der Kampf, den diese Männer mit dem damaligen Junkerthum, welches sie als „Revolutionäre" bezeichnet, zu führen hatten, wird uns lebhaft in's Bewußtsein zurückgerufen. Es sind dieselben Motive, dieselben Zwecke, dieselben Mittel, die wir auch in dem jetzigen Kampfe in's Feld geführt erblicken. Die Anwendung ans die Gegenwart liegt nahe. — Das jüdische Schriftthum wird jetzt an den beiden englischen Hochschulen zu Oxford und Cambridge viel mehr beachtet als auf allen deutschen Universitäten, wo von Vorlesungen über Talmud und jüdische Literatur keine Rede ist. Die christliche Theologie in Deutschland hält gern den veralteten Standpunkt fest, daß mit dem Abschluß des Alten Testamentes auch das ganze Judenthum abgeschloffen. Als ein neues Zeugniß für die Pflege des jüdischen Schriftthums in Cambridge dient The Memorbook of Nürnberg. Edited by "W. H. Lowe, M. A. Hebrew Lecturer of Christa College , Cambridge (London ,Jewish Cronicle“ Office 1881.) Der gelehrte Verf. veröffentlicht hier ein Manuskript, welches nur einmal und zwar in der Universitätsbibliothek von

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