Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1881)
- Date
- 1881-11-08
- Page
- Seite 741 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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741 Um die israel. Religronsschule in Baden hat sich der Großh. Oberrath durch diese Arbeit auf's Neue verdient gemacht. Präsident dieser Behörde ist z. Z. ein hervorragender, äußerst wohlwollender Mann, der Geheime Referendar Joos vom Ministerium des Innern, welcher auch Director des Ober-! schulraths ist; geistliches Mitglied desselben ist Herr Oberrath j Millstätter, welcher mit Begeisterung für das Judenthum, hingebender Treue und sichtlich segensreichem Erfolge seines Amtes waltet. Die Verordnung lautet folgendermaßen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. Oktober. Die stete Aufmerksamkeit, welche dem h. Lande zugewendet wird, erweist sich auch dadurch, daß wir nach den beiden Schriften, über die wir in unserem letzten Artikel zu berichten hatten, heute wieder zu einem so glänzend ausgestatteten Werke kommen, wie: „Palästina in Bild und Wort" von Ebers und Guthe (Hallberger, Stuttgart) ist. Es liegen uns jetzt wieder die HI.—VI. Lieferung vor. Die Illustrationen in denselben sind in der That über alles Lob erhaben, reiche und intereffante Darstellungen der Bauwerke in und um Jerusalem in künstlerischer Vollendung. Der Text dieser vier Lieferungen beschäftigt sich noch immer mit Jerusalem und bringt über diese Stadt in ihrer gegenwärtigen und vergangenen Beschaffenheit eine Fülle von Details, die sich allerdings vorzugsweise auf die mohamedanischen und christlichen Monumente und Heiligthümer beziehen und erst mit den alten Wasseranlagen und den Grabmälern im Thale Josaphat auch in die israelitische Vergangenheit zurückreichen. In der dritten Lieferung wird uns ein trefflich gezeichnetes Bild von der berühmten „Klagemauer der Juden" geboten. Bekanntlich besteht diese aus mehreren Lagen colossaler Steine, und ist das einzig sichere Ueberbleibsel vom Salomonischen Tempel. Es heißt darüber (S. 46): „Nördlich vom „Barilaythore" befindet sich der berühmte „Klageplatz der Juden", eine schmale gepflasterte Fläche zu Füßen eines Theiles der Ringmauer. Mehrere Schriftsteller behaupten, dies sei von allen außerhalb des Haram gelegenen Stellen diejenige', welche dem „Allerheiligsten" am nächsten gelegen sei. Allerdings liegt das Pflaster jetzt gewiß 21 Meter höher, als der ursprüngliche Boden. Hier sitzen und kauern die Juden oft Stundenlang, tief in traurige Betrachtungen über das Geschick ihres Volkes versunken, und wiederholen unter Thräncn die Klage des 79. Psalms. An Freitagen findet man hier Israeliten beiderlei Geschlechts, von jedem Alter und aus allen Ländern der Erde in besonders großer Zahl. Inbrünstig sieht man sie die heiligen Steine küssen, die doch zu der geweihten Stätte gehören, deren Inneres sie nicht zu betreten wagen. Ihre klagenden Wechselgesänge sind tief ergreifend." Daß auch die Juden in Jerusalem industriell thätig sind, zeigt uns beispielsweise S. 40 ein hübsches Bild von einem jüdischen Baumwollenreiniger, der den Samen aus der Baumwolle in althergebrachter Weise mit einem Bogen entfernt. Wir bedauern, daß auf die Zustände und Baulichkeiten der Juden in Jerusalem gar nicht geachtet worden, wie dies ebensowenig in Bädecker's Reisebuch über Palästina geschehen ist. Man sollte doch glauben, daß ein so bedeutender Bruchtheil der Bevölkerung der heil. Stadt mindestens so viel Beachtung verdient, wie die Ueberbleibsel eines Thores oder die Ruinen einer Moschee. — Dasjenige Land, welches im Augenblicke die civilisirte Welt am meisten interessirt, ist Tunis. Das Experiment, welches die Franzosen machen, um auch dieses Land ihren nordafrikanischen Besitzungen hinzuzufügen, zieht die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich. Um so mehr können wir ein eben erschienenes Werk empfehlen: Tunis, Land und Leute, geschildert von Ernst v. Hesse-Warteg g. Mit 40 Illustrationen und 4 Karten. Wien, Hartleben 1882. Diese Empfehlung ist an dieser Stelle um so mehr am Platze, als in der Stadt Tunis über 30,000 Juden wohnen, und der Berfaffer diesen eine ausführliche Besprechung in drei Kapiteln: „Im Ghetto, die jüdische Frauenwelt in Tunis und eine jüdische Hochzeitsfeier" (S. 85—108) widmet. Wir werden in den nächsten Nummern aus dieser anziehenden und unparteiischen Schilderung in unserem Feuilleton einen Auszug geben. Es ist keine wissenschaftliche Bearbeitung des Gegenstandes, den der Vers, in seinem Werke behandelt. Aber er giebt eine lebendige und wahrhafte Schilderung der Beschaffenheit, Zustände und Sitten, wie er sie aus eigener Anschauung kennen gelernt, und verbindet mit einer scharfen Beobachtungsgabe ein glückliches Darstellungstalent. Gerade darum wird das Buch jeden gebildeten Leser ebenso anziehen wie belehren. Für den gegenwärtig stattsindenden Zug der Franzosen nach Keruhan ist das betr. Kapitel sehr unterrichtend. Die Ausstattung ist trefflich, die Illustrationen sind recht schön. — Bei den geringen Subsidien, welche jüdischen wissenschastlichen Werken zu Gebote stehen, sind die den Jahresberichten der verschiedenen Rabbiner-Seminaren vorangeschickten wiffenschaftlichen Abhandlungen von besonderem Werthe, und einen solchen nimmt der diesjährige Jahresbericht der Pester Landesrabbinerschule in Anspruch durch die Abhandlung: „Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1880—81. Voran geht Abraham Jbn Esra als Grammatiker. Ein Beitrag zur Geschichte der hebräischen I Bon Prof. Dr. Wilhelm Bacher." Der Titel spricht vollständig aus, was wir hier zu finden haben, denn Anlage und Ausführung entsprechen vollkommen