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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-01 · Heft 44 (1.11.1881) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 44 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 729 (sequence 9)
Language
German
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«WWWWM j > zukommen, event. die Stadt in den Besitz des bedeutenden I Legats gelangen zu lassen, ist es den betreffenden Herren j Negierungs-Commissarien nun gelungen, vorbehaltlich der! Genehmigung des Herrn Ministers, eine Organisation un-! serer beiden Schulen in der Weise in's Leben zu rufen, daß! die oberen Klaffen derselben vereinigt und die Schule in! eine Ostufige gehobene Bürgerschule mit L Klaffen umgebildet und der fremdsprachliche Unterricht, und zwar der im Lateinischen und Französischen für die Knaben und der im Französischen für die Mädchen, facultativ eingeführt werde. Diese Organisation erhielt gestern in der gemeinsamen öffentlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten ihre Genehmigung. (Dt. Kr. Z.) Düsseldorf, 20. Oct. Das hiesige ultramontane „Düsseldorfer Volksblatt" läßt sich über die conservativautisemitische Bewegung in Berlin in so charakteristischer und zutreffender Weise vernehmen, daß wir ihre Auslassung hier wiedergeben müssen. „Als ein Solialdcmokrat eine antisemitische Versammlung verließ, rief er aus: „Donnerwetter, die sind den Most und Haffelmann doch noch über!" Eine neue Agitation bilden die „Volksfeste". Es wird ein Schandfleck der sogenannten conservativen Bewegung bleiben, daß sie zu dieser Stufe der Bauernfängerei hinabgestiegen ist. Alle ehrlichen Leute jeder Partei müssen einmüthig gegen eine solche Verirrung vom Pfade des Anstandes und der Redlichkeit Protest erheben. Wenn die Köderung der Wähler durch Schauspiel, Belustigung und Tanz und gar Freibier Mode wird, dann können wir unsere Entrüstung über die englischen und amerikanischen Wahlzustände nur ruhig ausgeben. Und diese Verderbniß der guten deutschen Sitten geht nun gar von einer Partei aus, welche für Thron und Altar das politische Kümmelblättchen zu spielen sich brüstet. Glücklicherweise ist von Seiten des Hofes der „Festlichkeit" für den 18. October keinerlei Vorschub geleistet worden, sondern der „Staats-Anzeiger" hat dem Mißbrauch, der mit dem Geburtstage des Kronprinzen getrieben werden sollte, eine harte, aber vollständige Ablehnung cntgegenstellen müssen. Aber es ist unverzeihlich, daß die „Prov.-Correspondenz" dem ersten Bersuche dieses politischen Bauernfanges ihren halbamtlichen Segen gab und somit die Regierung wenigstens halb dafür verantwortlich zu machen ist, daß diese Orgien der Volksversührung am 18. Oktober sich wiederholen werden. Ter Pfennig-Pöbel tritt jedoch zurück vor dem Goldstück-Pöbel. An die antisemitische Agitation hängt sich ein Proletariat der höheren Klaffen, was in mancher Hinsicht widerlicher und gefährlicher ist, als das Proletariat der schwieligen Fäuste. An die „conservativen" Rockschöße hat sich Alles gehängt, was in der antifortschrittlichen Agitation sein Müthchen kühlen oder einen Profit suchen will. Verdorbene Offiziere und Studenten, bankerotte Kaufleute und andere abenteuerliche Gestalten aus den sogenannten „gebildeten" Klaffen bilden die Stammgäste jener Wirthshäuser, in welchen die antisemitische Agitation ihr Heim aufgeschlagen; Geld fließt massenhaft aus dunklen Quellen, und so wird denn von Morgens früh bis Abends spät getrunken, gegeffcn, und in den Zwischenpausen dieses oder jenes Agitationsgeschäft betrieben. In einem dieser Locale haust z. B. die antisemitische Sprcngcolounc, eine unheimliche Bande von catilinarischen Existenzen, welche Rohheit und Frechheit in widerlichem Gemische zur Schau tragen. Diese antisemitisch - conservative Agitation ist zu ihrem weitaus größten Theile eine traurige Schmarotzerpflanze, welche sich von den Geldern des Kaufmann Hcrtzog und anderer Personen füttert und sich im Sonnenschein der obrigkeitlichen Huld wohl sein läßt. Wenn der Wind dann einmal anders weht und das Geld zu Bier und Beefsteaks ausbleibt, dann werden die überzeugungsvotlen Vorkämpfer dieser sogenannten „heiligen" Sacke spurlos verschwunden sein. Zu dieser Sorte Agitatoren paßt es wundervoll, daß im ersten Berliner Wahlkreise ein wegen Ueberfluß von Schulden entlaffener Lieutenant zum alleinigen Candidaten proclamirt ist. In der That hat die Fortschrittspartei Reckt, die conservative Candidatenauswahl mit übermüthigcm Spott zu behandeln. Wollte man Berlin erobern, so müßte man doch die Cröme der conservativen Kräfte den Fortschrittlern entaegenstellen. Statt deffen muthet man der Reichshauptstadt zu, zu ihren Vertretern zu wählen einen schiffbrüchigen Lieutenant, einen vielfach umgesattelten Hilfsarbeiter, einen Handwerksmeister, der selbst nicht weiß, was er will, einen Redacteur, der aus finanzieller und ehrgeiziger Berechnung vom Centrum zu den Gouvernementalen überläufl." Daß übrigens die Geldquellen nicht bloß bei diesem und jenem antisemitischen Kaufmanne zu suchen sind, sondern ganz anderswo, spricht ein Artikel der „Pos. Ztg." sehr deutlich aus. Stolp. Aus der letzten Stadtverordnetensitzung wird Foldendes berichtet: „Anläßlich der bei den Ruhestörungen am 3. September vorgekommenen Temolirung von Privateigenthum sind seitens der Beschädigten nachfolgende Liquidationen eingcgangen: Vom Kürschnermcister Herbst über 13,50 M.. vom Cigarrcnhändlcr Moritz Cohn 15,60 M., vom Destillateur Nathan Blau 157,53 M., vom Concipient Künzel 60 M., vom Eigenthümer Ehlert 300 M. Gegen die Liquidation von Herbst und Blau sind seitens des Magistrats Einwendungen nicht erhoben, die Liquidation von Moritz Cohn ist svon 15,60s auf 2,50 M. für einen Lampenschirm und die Liquidation von Künzel durch Vergleich svon 60s auf 30 M. ermäßigt worden. Die Liquidation von Ehlert wird in Höhe von 200 Mark sstatt 300s anerkannt, da der Magistrat für diesen Betrag die Spiegelscheibe selbst liefern kann. Die Versammlung erklärt sich 44

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