Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- Seite 728 (sequence 8)
- Language
- German
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728 auch von einigen Bühnenleitern zu Theil geworden, denen! Kirchenztg." das falsche Pathos geißelt, so kann man doch ihre Theater für den Tag abgemiethet werden sollten. So hat Herr Direktor Lcbrun z. B. rundweg das Anerbieten ausgeschlagen, sein Theater am 18. October gegen Empfang von 2400 Mark zu einem Asyl für den conservativ antisemitischen Stimmenfang zu machen. Einige andere Direktoren wurden nur durch die harmlose Vorspiegelung verlockt, daß es sich um ein patriotisches Bezirksvereinsfest handele, und Herr Direktor Neumann vom Residenztheater autorisirte genicht einen jüdischen Witz über die Pastoralconferenzen als sacrilegium hinstellen. Die Iudenpetition enthält naive Un geheuerlichkeiten. Der Materialismus dieser minimalen Judenschaft soll die ganze Masse vergiftet haben; wenn das wahr wäre, daß die Juden Herren wären und wir die Knechte, so trügen wir selbst Schuld daran (Unruhe), aber diese schimpfliche Selbstbeurlheilung ist nicht das Schlimmste; wenn das Anschreiben zur Petition sagt, daß der christliche radeswegs zu der Erklärung, daß er niemals sein Theater! Sinn vergiftet ist durch den jüdischen Materialismus, und durch einen zu seinem Bedauern jetzt unwiderruflichen Miethsj die Herren sich dann wenden an den Reichskanzler, dann ist contract dem Comit« überlassen haben würde, wenn er von dies ein Materialismus, der schlimmer ist, als der jüdische, den Parteitendenzen und den Wühlzwecken der Miether eine klare Kenntniß gehabt hätte. ein vollständig unchristlicher Materialismus. Herr Stöcker sagt zwar, daß er die Judenfrage genau studiert habe; wie Am 15. Oct. fand die feierliche Rectoraisübergabe weit er dabei zurückgegangen in die Vergangenheit, weiß man in der Aula der Universität statt. Der scheidende Rector > Prof. vr. Hofmann erstattete den Jahresbericht. Am Schluffe erwähnte Hofmann des „Mißtons, welcher den studentischen Verkehr gestört habe". Er wolle nicht untersuchen, wie „der Geist der Unduldsamkeit" einreißen konnte, müsie aber berichten, daß der Senat „gegen diesen seltsamen Anachronismus allen Ernstes habe cinschreiten müffen, zu seiner Freude aber die Rückkehr des gesunden Sinnes der Commilitonen wahrgenommen habe, die sich überzeugt, daß sie ihre schöne Jugendkraft anders zu bcthätigen haben, als auf den Bahnen religiöser und socialer Theorien". Mit dem Wunsche, daß der Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit die Universität dauernd belebe, schloß der Bericht. — An demselben Tage Abends hielt Prof. vr. tbeol. Baumgarten aus Rostock einen Vortrag über „Das Christenthum Stöckels". Bekanntlich hat derselbe über dasselbe Thema nicht. (Heiterkeit.) Man weiß wohl, daß Herr Stöcker die Tagespreffe kennt und vor Allem den „Börsen-Courier", ob er aber die Geschichte kennt, oder ob er überhaupt etwas genau studiert hat, weiß man nicht. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) In seinen christlich-socialen Versammlungen reißt Herr Stöcker seine Witze, welche eine heitere Lebensanschauung verrathen, und er erreicht auch eine heitere Stimmung. (Beifall.) Im Ucbrigen aber verrätst Herr Stöcker dabei eine große Selbstüberhebung. (Bravo!) Er, der immer predigt, daß die Juden doch ein klein wenig bescheiden werden möchten, geht den Juden doch mit schlechtem Beispiel voran. (Lebhafter Beifall.)" — Im Uebrigen erfahren jetzt die Reden Stöcker's in der Arbeiterfrage, z. B. die er in Liegnitz gehalten, die schärfsten Dementis, da er sich ungeheuerliche Uebertreibungen zu Schulden kommen läßt, und die Arbeitslöhne in Berlin als so gering angiebt, daß es ein Leichtes eine in mehreren Auflagen erschienene Broschüre geschrieben, j ist, ihm die absichtlichen Unrichtigkeiten nachzuweisen. Der Andrang des Publicums war ein außergewöhnlicher, j Schneidrmühl, 10. October. Das Schöffengericht ver- Sollte hier doch ein strenggläubiger Theologe über den Theo-; urtheilte zwei Leute aus Motylewo, die zwei Juden nachgelogen Stöcker das Urtheil fällen. Prof. B. bezeichnete seine! rufen hatten: „Hepp, hepp! Morgen mußt du nach Palästina" Aufgabe als den Nachweis, daß das Christenthum Stöcker's, welches dieser in seiner agitatorischen Thätigkeit vertrete, nicht das wahre, sondern ein gefälschtes sei, und zwar an drei Punkten: 1. an dem Begriff des christlichen Staates, 2. an seiner Betheiligung an der Antisewiten-Petition; 3. an seiner Selbsttäuschung in Hinsicht auf seine Erfolge". Ueber den zweiten Punkt sagt er: „Wie kommt nun Herr Hofprediger Stöcker in die Antiscmitengesellschast? Stöcker sagt, er ist zur Judenfrage geführt durch jüdische Frivolitäten in Judenwegcn groben Unfugs in 0, resp. 5 Mark, eventuell 3, resp. 1 Tag Gefängniß. Mark. Friedland, 6. October. Unser Ort besteht ausschließlich nur aus evangelischen und jüdischen Bewohnern, letztere bilden etwa ein Fünftel derselben. Demgemäß sind auch zwei öffentliche Stadtschulen vorhanden, die seit Dezember 1819 getrennt von einander bestehen. Der am 7. November v. I. in Berlin verstorbene Kaufmann Isidor Krafft hat unter andern Vermächtnissen auch unfern Ort, als seine blättern. Zweierlei aber hat Herr Stöcker übersehen. Der! Vaterstadt, mit einem Legat von 36,000 Mark bedacht, aller- Jude sieht in der Mehrzahl der orthodoxen Theologen nicht! dings mit dem Vorbehalt, daß beide Schulen zu vereinigen nur die Vertreter eines anderen Glaubens, sondern auch die j sind und die beanlagten Schüler eine über die Volksschule Fahnenträger einer politischen Gegnerschaft. Ferner ist nicht; hinausgchendc Schulbildung in der neu einzurichtenden Schule zu leugnen, daß in den Pastoralversammlungen ein falsches! erhalten. Äm Anschluß an einen Vorschlag der königlichen Pathos herrscht; und wenn selbst Hengstenbcrg in der „Evang. > Regierung, und um dem Willen des Herrn Testators nach-