Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-01 · Heft 44 (1.11.1881) · p. Seite 727

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 44 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 727 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227384--39383-3308696
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

727 Eisenbahn die Fahrt über Görlitz, Halle, Cassel, Elberfeld nach Kohlfurt sort, von wo dann die Route nach Antwerpen führt; dort treffen die Auswanderer am Freitag Abend ein. Die „Alliance israe'lite", welche in dankenswerther Weife für die unentgeltliche Beförderung der Auswanderer Sorge trägt, wird im Ganzen 10,000 (?) Israeliten von Brody über Breslau und Antwerpen nach Amerika dirigiren; die Geldmittel hierzu sind bereits durch milde Beiträge beschafft. Mehrere Monate hindurch und zwar bis auf Weiteres an jedem Mittwoch Abend 6 Uhr wird ein solcher Auswanderer-Transport Hierselbst anlangen. Bon der Elbe, im October. Vom Religionsunterricht. IV. Mit den Ausführungen Ihres Correspondenten aus Berlin in Nr. 41 Ihrer geschätzten Zeitung über den obigen Gegenstand vollkommen übereinstimmend, möchte ich mir nur gestatten, seinen durchaus zutreffenden Bemerkungen noch einige Worte über eine Seite der Frage nachzutragen, die er nicht berührt hat. Es ist die betreffs der Dauer des Religionsunterrichts für unsere Jugend. Leider hört er gewöhnlich für sie mit der mso "C oder bei den Mädchen mit der Consirmation, wo solche eingesührt ist, auf. Für diese Letzteren dürste das zwar genügen; für die männliche Jugend jedoch steht die Sache anders. Sie ist weder so empfänglich für den Religionsunterricht, noch reift sie so schnell wie die weibliche Jugend. Gerade erst in den Jahren nach der r,i3o "!2, die überhaupt für unsere Himmelsgegend und Nationalität — denn trotz den Antisemiten sind wir Deutsche und nicht Orientalen — zu früh gegriffen ist, wird der Knabe oder nun heranreifende Jüngling zum Berständniß des höheren Religionsunterrichtes reif und fähig, einem systematisch ertheilten zu folgen. Was geschieht aber? Während seine christlichen Schulkameraden fortfahren, den Religionsunterricht in ihren Schulen zu genießen, und darin befestigt, also wirklich confirmirt werden, bleibt der israelitische Jüngling in den Jahren nach der sogenannten Consirmation in der Regel, ohne allen Religionsunterricht, sich selbst überlassen. Die guten Keime, die gesäet worden sind, gehen bei der jetzigen Lage der Dinge, wo häusliche Andachtsübungen zu den größten Seltenheiten gehören, den Vorschriften des Gesetzes in der Familie in den meisten Fällen nicht nachgelebt wird und die Jugend nicht einmal an den Feiertagen, die nicht zufällig mit den Ferien Zusammentreffen, mit Ausnahme der drei höchsten Festtage im Fahre, “icr'i m den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen im Stande sind, bald wieder verloren, und das Gemüth bleibt leer. Wie leicht aber schleicht sich da an die Stelle des Guten das Böse und Unheilvolle ein! Sorgen wir daher dafür, daß auch unserer herangewachsenen Jugend ein geregelter Religionsunterricht bis zu demselben Alter zutheil werde, wie der christlichen, daß sie nicht die Stunde, in welcher dieser das Himmelsmanna in der Schule gespendet wird, unbenutzt vergeuden oder von verbotener, wxil ihren Verstandeskräften noch nicht angemessener Frucht genießen und der Seligkeit, welche echte Religiosität, wobei wir nicht Pietismus und Muckerthum, sondern Pietät und edlen Eifer für alles!Gute und Schöne verstehen, allein zu verleihen vermag, schon >so früh verlustig gehen. Der nagende Zweifel stellt sich ge! wiß noch immer früh genug ein. Wecket ihn aber nicht vor ^der Zeit, indem Ihr das Gemüth der Jugend brach liegen klaffet. Hier, Ihr Seelsorger in Israel, ist noch eine große; Aufgabe für Euch zu lösen. Deren Schwierigkeiten bin ich i mir wohl bewußt. Sollten Sie aber wirklich unüberwindlich j fein?f) N. S. | ‘) Gegen oben gerügten Uebelstand ist das Bestreben gerichtet.! dem jüd. Religionsunterricht in den Gymnasien, Realschuten und > höh. Töchterschulen einen Platz zu gewinnen. Dahin vor Allem muß 1 gewirkt werden? Redakt. l'l t 1 ICJ » l&cfj LidjlcM,. Deutschland. Berlin, 17. October. (Privatmitth.) Die Conservativen führen in Berlin, obschon es erst October ist, einen wahren Fasching aus. Mit den riesigen Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen müffen, wollen sie am Geburtstage des Kronprinzen dem Volke Frcitheater, Freibier, freie Belustigungen rc. geben. Sie denken dabei an das Verlangen der römischen Plebs: panis et circenses (Brod und Spiele). Das Brod versprechen sie vorläufig, die Spiele geben sie. Aber wie sollte das Brod ausblciben, wenn sie erst den Tabak, die Versicherungen, den Getreidehandel, also auch die Bäckereien, den Viehhandel, also auch die Fleischereien, den Rübenzucker, die Brennereien und Brauereien verstaatlicht haben? Dann hat der Staat es gewiß in der Hand, das Brod und Zubehör zu geben. Freilich wird dann ein großer Theil des Volkes erwerblos sein, jedoch diese Sorge überläßt man der Zukunft. Vorläufig aber will man das Volk damit kirren, läßt es sich dies, nun so wird auch der Jugurtha nicht fehlen, der Rom zurief: „Feile Stadt, wenn sich ein Käufer findet, ergiebft du dich ihm!" Das wäre eine Zeit der Corruption im großartigsten Stile. Der ablehnende Bescheid, den die conservativen Arrangeurs vorn Hofmarschallamte des Kronprinzen in dessen Auftrag erhalten haben, ist ihnen übrigens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.