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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-01 · Heft 44 (1.11.1881) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 44 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 722 (sequence 2)
Language
German
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Pensionäre des Bauraths Schick, an der Mündung des vorher beschriebenen Kanals. Sie balgten sich nach Jungenart, der eine flüchtete sich weiter in den Kanal hinein, strauchelte und bemerkte Striche an der Felsenwand. Sie kamen ihm wie Buchstaben vor. Der Knabe mußte ein aufgeweckter Bursche sein, denn er theilte Herrn Schick seine Beobachtung mir, und dieser fand nun bei einer Untersuchung eine ebene, ehemals polirte Fläche von etwa 0,60x0,60 Meter Umfang vor, auf welcher sich unsere Inschrift befindet. Das untere Ende derselben reichte ins Wasser hinein, und es mußte, um auch diesen Theil zugänglich zu machen, das Gcrölle, welches sich im Laufe der Zeit im Kanal angesammelt hatte, entfernt werden. Die alte Inschrift besteht aus sechs Zeilen, von denen jede ungefähr 35 Buchstaben enthält; sic ist bis auf einige abgebrochene Buchstaben am Anfänge der ersten drei Zeilen vollständig erhalten; aber die Schriftzüge waren vor der Reinigung durch Li«-. Guthe durch den Ansatz von Silicaten vielfach verunstaltet und daher schwer zu lesen. Die Uebersetzung lautet: . . Durchstich und dies war der Hergang des Durchstiches, als noch .... den Meißel in der Richtung einer gegen den anderen, und als noch drei Ellen waren bis . . . da rief die Stimme des einen dem anderen zu, denn es war Siddah fein Riß?) im Felsen zur Rechten (?) . . . und am Tage des Durchstichs schlugen die Bergleute einer dem anderen gegenüber Meißel auf Meißel, und es stoßen die Waster vom Ausgangspunkte in den Teich in einer Linie don 1200 Ellen, und 100 Ellen war die Höhe des Felsens über dem Haupte des Bergmannes." — Der Redner gab vornehmlich eine Uebersicht über die neuesten Vorschläge zum besseren Berständniß der Inschrift. Wann ist die Jnscb.rift geschrieben? Man hat das Recht, bis zur Zeit des Königs Hiskias hinaufzugehen. (Eine Wasserleitung wird nach dreifach verbürgter Nachricht auf Hiskia zurückgeführt, vergl. 2. Kön. 20, 20; 2. Chron. 32, 30, Sirach 48, 1'.». „Hiskia befestigte seine Stadt und leitete Wasser hinein; er ließ in den Fels graben und Brunnen machen." Bon hohem Interesse ist die Constanz, die Gleichmäßigkeit der Schriftzüge des Steinmetzen. Sie setzt eine Volksbildung voraus, die man dem höheren Alterthum sonst nicht zumuthete. Er hat es, sagte Prof. Kautzsch, im Griff gehabt, der Handwerker, der die Inschrift cinmeißelte. Ein urkundliches Denkmal haben wir vor uns aus dem Ausgange des achten Jahrhunderts vor d. gcw. Zeitrechnung, welches nach Formenlehre und Syntax diejenige Sprache enthält, die wir als das klassische Hebräisch anzusehen gewohnt sind. Das dürfe im apologetischen Interesse verwerthet werden. Bonn, 10. Oktober. Herr Hilary Nußbaum in Warschau hat eine Geschichte der Juden in Warschau in polnischer Sprache geschrieben: S/.ku-ihistoryr/ue z Zvcia Zydow w Warszawie (Warszawa kowalewskiego, 1881). Welchen Werth solche Monographien, namentlich wenn sie so bedeutende und in ein großes bewegtes politisches Leben hineingezogene Körperschaften betreffen, wie die Israeliten in Warschau bilden, ist anerkannt. Um so mehr bedauern wir, daß die polnische Sprache uns nicht zugänglich ist, so daß wir von der Fülle von Belehrungen in dem Werke des Herrn Nußbaum keinen Nutzen ziehen können. — Wir haben jüngst unseren Lesern über das treffliche Werk „Der Orient", geschildert von Amand v. Schweiger-Lerchenfeld (A. Hartleben, Wien, Pest und Leipzig) berichtet, und haben heute die Lieferungen 16—22 vor uns, so daß wir dieses verdienstvolle Werk rüstig voranschreiten sehen. Sie führen uns durch das Wunderland Arabien, das uns so sympathische Syrien, das unserem Herzen so nahe stehende Palästina und die Halbinsel Sinai bis nach Egypten hinein. Die Beschreibung dieser Länder, die sowohl deren Alterthümer und Geschichte als auch die gegenwärtige Beschaffenheit von Land und Leuten umfaßt, läßt an Klarheit und Uebersicht lichkeit nichts zu wünschen übrig, wobei denn auch die wichtigeren Oertlichkeiten genauer beschrieben werden. Wer nicht gelehrte Erörterung, vielmehr eine anschauliche Kunde sucht, findet bei dein anziehenden Styl des Berfaffers und der Klarheit und Plastik der Illustrationen seine volle Befriedigung. Wir machen in dieser Beziehung auf das Kapitel über Palästina vom Karmel bis zum todten Meere aufmerksam. Allerdings das jenseitige Jordansland wird uns nicht erschloffen; da aber das Durchwandern desselben noch mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden ist, werden wir noch lange darauf warten müffen, bevor wir eine genaue Kenntniß von ihm erlangen. Auch aus dieser Beschreibung tritt es uns lebhaft entgegen, daß weder in Palästina noch in Syrien unter den gegenwärtigen Berhältniffcn Raum für größere jüdische Colonien vorhanden ist. Die Wüste hat zu viele Fortschritte in diesen fast völlig entwaldeten Landschaften gemacht, und unter der türkischen Herrschaft ist einerseits die Indolenz, anderseits die Unsicherheit seitens der herumstreisenden Beduinen so groß, daß an eine irgend umfassende Colonisation gar nicht zu denken ist. Wir hoffen, daß das Werk nunmehr bald zu Ende geführt werden wird, worauf wir dann noch einige nähere Rückblicke geben werden. Pest, im Okt. l)r. Joseph Freiherr von Kalchberg, der erst Professor am Theresianum in Wien, daun Lehrer der Staatswissenschaften bei zwei Prinzen des Kaiserlichen Hofes wurde, später Statthalter in Schlesien, Statthalter-Vertreter in Galizien war und 1861 die Leitung des österreichischen Handelsministeriums übernahm, dieser greise Staatsmann, der hochbetagt und des Augenlichtes beraubt in Graz, seiner Geburtsstadt lebt, hat jüngst „Gedenkblätter

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