Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Tudmthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig S Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 82) und Oesterreich bei allen Postämtern. außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. L. Philippson in ] Bonn direct, in allen übrigen an die , Berlagsbandlung. Beilagen (Gebühr I »2M.- sind gleichfalls an letztere ein- I zusenden. | 45. Jahrgang Leipzig, den 1. November 1881 Xo, 44. Inhalt. Leitende Artikel: Literarischer Wochenbericht. — Ein rumänisches Circulair. — Aus Rußland. — Vom Religionsunterricht. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Schneidemühl, Mark. Friedland, Düsseldorf, Stolp, Aus Hinrerpommern, Thorn, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg. — Rußland: Petersburg. Moskau. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Tabak. — Vermischtes: Ein altes Ehepaar. ücH'c'ixDc ÖUtilscf. Bonn, 26. October. Literarischer Wochenbericht. Unsere Leser werden es begreiflich finden, wenn wir heute einmal unsere Räume vorzugsweise der Literatur widmen, um nicht hinter dieser allzusehr zurückzubleiben. Bonn, 7. Okt. (Die älteste hebräische Inschrift.) Wir haben bereits des wichtigen Fundes einer hebräischen Inschrift aus der Zeit des Königs Chiskija (725 v. d. gew. Ztr.) Erwähnung gethan, welche bis jetzt die älteste ist, die an's Licht gezogen worden und deren Authentizität nicht bezweifelt werden kann. Die größte Wichtigkeit derselben besteht aber nicht sowohl in deren Inhalt, welcher den Durchstich der Felsen behufs der Leitung des Waffers bezeugt, als vielmehr in der Sprache, welche durchaus der biblisch-klassischen angehört und deshalb ein schlagender Beweis für das Alterthum dieser biblisch-klassischen Sprache ist. Wir haben es schon in unserem Bibelwerke wiederholt ausgesprochen, daß, jemehr ältere Monumente aufgedeckt werden würden, desto mehr auch jene Zweifel schwinden müßten, welche dem höheren Alterthume Gedankeninhalt und Formgewandtheit absprechen, um die vorhandenen Schriften einer jüngeren Zeit zuschreiben zu dürfen. Die großen Fortschritte der Acgyptologie haben nach dieser Richtung hin Vieles geleistet und die Vorstellungen über die intellektuelle und technische Befähigung des höchsten Alterthums in einer Weise corrigirt, daß ein nicht geringer Theil der kritischen Ansichten, wie sie noch vor 50 Jahren sich geltend machten, ja noch bis vor Kurzem, aufgegeben werden mußte. Kommen wir nun zu unserer Inschrift. Im Anschluß zu der jüngsten Orientalisten - Versammlung zu Berlin hielt am 14. Sept. der „Deutsche Verein zur Erforschung Palästina'»" eine Sitzung. In derselben hielt Lic. Guthe, der soeben aus Jerusalem zurückgekehrt, einen Vortrag über seine Ausgrabungen, welche besonders die Aufdeckung der älteren Stadtmauer zum Gegenstände hatten, die gegen Südosten weit über die gegenwärtige Stadtmauer hinauslief. Hier befanden sich die Anstalten für die Versorgung mit Wasier, die, was Thatsache ist, bewirkten, daß die Belagerten in Jerusalem an Wasser guten Vorrath hatten, während die Belagerer an Wasiermangel litten. Hierauf sprach Prof. vr. Kautzsch aus Tübingen über die älteste hebräische Inschrift, die sog. Siloah - Inschrift. Er theilte hierüber Folgendes mit: „Am Ostabhange des südlichen Moria, des Berges, der einst den Tempel Salomo's, jetzt die Omar-Moichee trägt, befindet sich der Marienbrunnen. Sein Wasier wird durch einen 1750 Fuß langen, unterirdischen, im Zickzack laufenden Felsenkanal zu dem südlicher befindlichen sogenannten Siloah- Teich geführt, welcher auf der Grenze zwischen Zion und Moria in dem ehemals sogenannten Käsemacherthal liegt. Etwa acht Meter vor der Mündung in dem genannten Kanal ist jene in die Felsenwand eingemeißelte Inschrift aufgefunden. Im Frühjahr 1880 badeten einige Knaben, 44