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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-20 · Heft 126 (20.10.1838) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 126 (20.10.1838)
Date
1838-10-20
Page
Seite 508 (sequence 2)
Language
German
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508 als in den unscheinbaren. Wehe dem,der sein eigenes Wappenschild zerbricht, er erspare es dem Henker! 2. Man will es immer noch nicht als eine historische Wahrheit gelten lassen, daß die sociale Zsolirung der Juden eine erzwungene °) war. Es ist dies einer der Gegenstände, auf die man immer wieder zurückkommen muß. Ein andres ist es als ein selbstständiges concentrirtes Volk sich isoliren, und als eine weit zerstreute Masse, die nur das Band des Glaubens einigt, isolirt zu werden. Als Volk die Israeliten zu isoliren, lag allerdings in der mosaischen Gesetzgebung , und konnte sie es auch nicht anders, wenn nicht der höhere Zweck den israelitischen Staat nur zum Träger der wahren religiösen Erkenntniß zu machen, verloren gehen sollte. Das heidnische Alterthum kannte nun erstlich eine Beschränkung in der Betreibung von Lebensgewerben gar nicht, zweitens eine Beschränkung der bürgerlichen Rechte auf Glaubenspartheien auch nicht. Als das römische Bürgerrecht nicht mehr auf die Bürger Roms und endlich nicht mehr aus die Bewohner Italiens beschrankt wurde, da kam Niemandem eine Frage nach dem Glauben ein. Unter den römischen Kaisern waren Juden Offiziere, Agentes in rebus, Palalini, üd’ensores civitatis, Advokaten rc. Erst die christlichen Kaiser zu Rom und Constantinopel begannen nach und nach Schritt vor Schritt, den Staat in die Kirche zu tragen, und alle, die außerhalb der Kirche, des Anthetls am Staate verlustig zu machen. So, abgesehen von den andern Sekten, hebt Eonstantius im Jahre 339 jede Heirath zwischen Juden und Christen auf; Gratian und seine Mitkaiser 384 verbietet den Juden einen christlichen Sklaven zu haben; Honorius 409 untersagt jeden Uebertritt zum Judenthume, 418 schließt die Juden vom Kriegsdienste aus, und entläßt sie ohne Berücksichtigung alter Verdienste (millo vetenim meriturum palrucinante sullragio) — **), Valentinian 425 nimmt ihnen die Advocatur, endlich 429 erklären Valentinian und Theodosius alle Juden, Samaritaner, Ketzer und Heiden zu jeder Ehrenstelle, zur Administration jedes bürgerlichen Amtes für untauglich; wer zu einer Ehrenstelle *) No. 114. S. 461. 0O) Jedoch laht er ausdrücklich den wissenschaftlich gebildeten Juden (liberalibus stmliis institutis) die CiDvofarur und die Ehre der Eurialämrer nach dem Prärogativ der Geburt und dem Glan,; der Familien (pvaerogativa natalium et spiendore faniiliae). Er bittet sie sogar die Versagung der Kriegsdienste nicht als eine Verachtung auzusehen. Cod. Tiieod. Tit. VIü. Lex XXIV. gekommen, soll sie wieder verlieren und unter dem Pöbel gerechnet werden, wenn er auch die ehrenvolle Würde verdient hat. Cod. Thod. Leg-. Novell, iib. Tit. 111. Dennoch konnte selbst das christliche Alte rthum nicht dazu kommen, den Juden die Gewerbefreiheit zu entziehen, sondern erst das Mittelalter vermochte die Juden aus den Trödel- und Geldhandel zu beschranken. Und dies lag in der Natur des ganzen Mittelalters, welches durchaus in der Tendenz, die Gesellschaft zu gruppiren und aus einzelnen Körperschaften den Staat zu erbauen bestand, welche die Auflösung der Gesellschaft, mit der das Mittelalter begann, durch Specialverbande der Individuen zu beseitigen suchte. Wer die obgedachten Verhältnisse in ihrer Breite kennen Lernen will, den verweisen wir auf unsre Monographie: Wie verloren die Juden das Bürgerrecht im rru-st- und oströmischen Reiches ff. (Berlin 1832.), durch die dies einfür allemal erwiesen worden. 3. Die Augsburger Allg. Zeitung hat eine große Entdekkung gemacht. Sie verdient den Monthyonischen Tugendpreis. Sie hat herausgebracht, daß der Berliner Eorrespondent des Hamburger Eorrespondenten ein jüdischer Student der Medicin sei, und meldet dies mit gesperrten Lettern. Wir wollen wahrlich nicht zum Ritter an dem schlechten Schweif von Notizlern werden, der jetzt hinter den meisten Zeitschriften herschleift, und der trotz seiner Seichtigkeit, Lügenhaftigkeit rc. dennoch — nicht entbehrlich scheint, da er immerdar hangen bleibt, und auch die Allg. Augsburger ihn genugsam wedeln läßt. Was soll aber da der Student der Medicin als Jude? Wären jene Notizler nur Juden, nun so brauchte die Allg. Augsb. Ztg. es nicht erst hervorzuheben. Es scheint also eine Seltenheit zu sein, und warum sollte sich dann auch nicht einmal ein Juoe darunter verlaufen? Glaubt die Allg. Augsb. Ztg., daß ein Student der Medicin ein schlechter Eorrespondenzlec ist, nun, so wird dies natürlich ein jüdischer stad. med. auch sein. Glaubt sie, daß ein Jude ein schlechter Eorresponden;- ler ist, nun so war der stud. med. überflüssig, und sie strafte sich selbst Lügen, da sie schon so manchen Juden zum Correspondenten gehabt. Nein! sie findet es lediglich wohlklingender, einleuchtender, zweifelsohyer, wenn sie das Wörtchen „jüdisch" hinzusügt, sie hat da dem großen Hausen der Vorurtheilsvollen gleich ein ganzes Licht aufgesteckt, während ein Stud. d. Med. nur ein halbes gewesen! Gott sei Dank! daß jetzt das deutsche Volk aufgeklärter ist, als seine Literatoren, und die Ieitungsleser einsichrsvol-

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