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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-20 · Heft 126 (20.10.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 126 (20.10.1838)
Date
1838-10-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9 II. Kchrg°»g. AiLZeMkMt No. 138. Zeitung des Judcuthums. Ein unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse König!. Sächsischer allergnädigster Concesiion.) Leipzig, den 20. October 1838. Tages-Controle. Abwehrendes. I. Es ist uns von einigen Einzelnen schon mehrere Male dieZumuthung geworden., das Wort Jude aus diesen Blattern schwinden zu lassen, und es überall durch Israelit zu ersetzen. Dies ist nicht ganz zu übersehen, denn Manchem will dies ein Zeichen der Zeit bedünken. Man glaubt ein gewisses höheres und edleres Streben der Gegenwart durch einen reiner gehaltenen Namen leichter und sicherer zu bezeichnen, und durch den Namen diesen Charakter fest zu halten. Gewohnt, uns mit dem Publikum offen zu verständigen, wollen wir ihm auch hierüber unsre Ansicht nicht verhehlen, trotz der Gefahr, einigen zarten Seelen lästig zu werden. So bald man uns den Namen „Jude" ganz und gar ausdrangen, und Bezeichnungen wie Israelit, Bekenner des mosaischen Glaubens, entziehen will, können wir nicht umhin, dagegen zu protestiren, und dies Eigenthumsrecht auf diese Letzteren zu vertheidigen. Eben so wenig aber können wir den jüdischen Gegnern des Namens Jude ihren Kreuzzug gegen diesen Nachsehen, und wenn auch ixide Versuche schon in der Wirklichkeit schwinden muffen, dürfen wir beiden auch nicht in der Idee und mit dem Worte weichen. Wir haben'in einem frühern Artikel (No. 60.) nachgewiesen, wie die letzten Bücher der h. Schrift gewohnt sind, bei allen religiösen Momenten uns Israeliten, bei irgend politischen Bezügen Juden zu nennen. Dies müssen wir fest halten. Erst dann, wenn wir als Bekenner der israelitischen Religion, gar keine politischen Verhältnisse mehr haben werden, wenn wir als solche nichts weniger und nichts mehr als Bürger sind, erst dann wird der Name Jude der Geschichte allein angehören. Dies theoretisch. Der Wirklichkeit aber nach müssen wir als wahrhafte Männer den Namen Jude nie und nimmer von uns weisen, so lange ec noch mit irgend einer Idee von Schimpf und Schmähung behaftet ist. Wir müssen ihn nicht durch Vergessenheit, sondern durch Thaten adeln, und wenn es Jahrhunderte von Anstrengungen kostete, wir müssen ihn in seiner Erniedrigung aus dem Gedächtnisse des Volkes bringen, indem wir unsre Erhebung und Veredelung mit ihm benennen. Der Name Jude kommt uns geschichtlich zu, denn wir sind Abkömmlinge Iuda's, durch Jahrtausende bitterster Kämpfe trugen wir ihn, und jetzt in der Zeit des Friedens sollten wir ihn verlassen, um der Schwäche Anderer willen, welchen der Name für den Menschen gilt? So wenig wie die Schlange durch das Abstreifen der Haut ihre Natur verändert, so wenig werden wir besser und höher stehen, durch einen Namentausch, wenn wir nicht selbst höher gestiegen sind. Das ist ein schlechter Baumeister, der, wenn ec glaubt, daß das Haus Reparaturen bedarf, mit dem Uebertünchen der Außenwände beginnt. ■paSTiiTp Das, sind jüdische Männer *)! sagte man einst von denen, die sich nicht bücken wollten vor ehernen Standsäulen — so sage man noch jetzt, so sage man immer von uns. Es wandeln allerdings viele unter uns umher, die sich schämen Jude genannt zu werden; ob diese sich mit „Israelit" befriedigter fühlen? Oft hört man Einzelne sich rühmen, man habe sie nicht als Juden erkannt: fühlet ihr nicht, wrlch' schmähliches Selbsturthel ihr da über euch fällt — wenn ihr es nicht in eurer Einfalt sagtet und damit eure reine Sprache und euren anationalen Gesichtsschnitt herausstreichen wolltet. Man scheine nicht, was man nicht ist, und was man ist, das wolle man auch scheinen. Die Lüge ist uns verhaßt, und in dem rothwangigen Apfel sitzt der Wurm öfter ') Dan, 3, 12.

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