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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-25 · Heft 43 (25.10.1881) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 43 (25.10.1881)
Date
1881-10-25
Page
Seite 714 (sequence 10)
Language
German
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714 auf die Vorgänge in Deutschland aufmerksam, wo Bismarck j was ihnen ermögliche, sich allgemeinen Pflichten zu entziehen, den Antisemitismus stillschweigend duldet, und warnte sie vor und besondere Bortheile zu sichern. Zur eigentlichen Bedem Minister-Präsidenten Koloman Titza, der sie einmal gleich dem General Jgnatieff zur Zeit des Aufruhrs dem wüthendenden Volke als willkommene Beute Hinwersen könne. Die Antisemiten beginnen, wie dem „Hirosarnok" geschrieben wird, auch in Tolnau ihr Unwesen zu treiben, und zwar predigen zwei ehrsame Webermeister einen förmlichen Kreuzzug zur Ausrottung aller Juden. Denn, sagen sic, es wird am 15. November dieses Jahres ein Jude geboren werden, der die Macht besitzen wird, unsichtbar zu sein. Dieser wird nun das ganze Christenvolk vernichten und die jüdische Nation zur herrschenden machen. Da man aber nicht weiß, in welcher Familie dieser göttliche Jude geboren werden soll, müssen vor dem 15. November die Juden der ganzen Welt vertilgt werden. Trotzdem die beiden Apostel den Blödsinn öffentlich predigen, fand sich die Behörde noch nicht veranlaßt, dagegen einzuschreiten. Lemberg, 7. Okt. Im galizischen Landtag hielt der Abg. Merunowicz eine Rede zur Begründung seines bekannten Antrages ans Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Juden, die in manchen Beziehungen bemerkensiverth ist. Er bemerkte, daß, wenn vielleicht Jemand eine Rede ä gründung seines Antrages übergehend, führt Redner eine lange Reihe von Thatsachen an, zum Beweise, daß Mißbräuche und Inkorrektheiten zu Gunsten der Juden und zum Schaden der eingeborenen Bevölkerung als Folge gewisser Vorschriften der bisher geltenden Gesetzgebung bestehen. und daß dieselben schon lange Gegenstand von Landtags-Resolutionen, Korrespondenzen zwischen Behörden und amtlichen Erhebungen sind. Ein positives Resultat sei jedoch bisher ausständig, weil die Judcngemeindc ein Mysterium geblieben sei. Jedenfalls sei dieselbe ein Staat im Staate, eine Anomalie vom Standpunkte der Gleichberechtigung, und man müsse sie genau kennen lernen, um das Ungehörige zu beseitigen. Der für wissenschaftliche Studien beantragte Betrag von lo,000 fl. könnte vielleicht hoch gegriffen erscheinen, in der Praxis jedoch dürste er sich noch als zu gering erweisen, denn es sei zu befürchten, daß sich 1();>,(X)0 fl. finden werden, um jene Studien zu hintertrciben. (?!> In weiterer Begründung des Antrages, speziell der Zivilstands- Register und der Kontrole in Rekrutirnngs-Angelegeuhciten führt Redner folgende Zahlen an: Von gali;ischen Juden sollten eigentlich 1im aktiven Militärdienste stehen, inlu Stöcker und Henrici erwarte, dies sich sofort als unbe-?deß sind ihrer nur 70üi>. Ans je 10i!0 Einwohner von gründet erweisen würde. Es sei ihm zwar schon die Absicht,, Galizien sollen 15N christliche und 4<) jüdische Soldaten enteine antisemitische Bewegung in Galizien hervorzurnsen, zum! fallen, es seien aber nur 111 jüdische, wofür umso mehr Vorwurf gemacht worden, doch müsse er gegen eine solche Christen zum Militärdienste herangezogen werden müssen. Insinuation feierlichst und aus vollster Ueberzeugnng Protest Dabei vergißt der Abgeordnete freilich, daß diese Ungleicheinlegen. Sein Streben sei nur, die von ihm angeregte j heit weniger irgend welchen Mißbräuchen als vielmehr der Frage im Sinne der modernen Gesetzgebung geregelt zu > physischen Beschaffenheit der armen polnisch jüdischen Besehen, welche jeglichen Unterschied zwischen den verschiedenen! völkerung zuzuschrciben sein dürste. Schließlich wendet sich Confessionen bezüglich der staatsbürgerlichen Rechte und Redner gegen die Winkel-Psandleih-Anstalten, die ohne jeg- Pflichten aushebt. Die antisemitische Bewegung in Deutsch- ' liche behördliche Kontrole bestehen. land halte er für unvereinbar mit dem Geiste der modernen! Lemberg, 6. Oktober. Meldung der „Pol Korr.": Die Gesetzgebung sowohl wie auch mit den Traditionen der pol- Schritte, zu denen sich die Behörde in Brody in Angelegennischen Nation. Redner bespricht die jüdische Gemeinde als heit der von der . Alliance Israelit« * organisirten Auseine der ältesten rechtlichen Institutionen; sie reicht bis zum Wanderung russischer Juden veranlaßt fand, wurden in den Zeitalter der Pyramiden zurück, hat alle asiatischen Staaten Journalen in einer übertriebenen, den Thatsachen nicht cntdes Alrcrthums, den römischen Staat und die Wirren des sprechenden Weise dargestcllt. Tie kompetente Behörde von Mittelalters überdauert und lebt noch heute in voller Kraft. Brody hat, wie versichert wird, dem Agenten der Alliance Tsvat- Zu Zeiten einer ziemlich allgemeinen Judenverfolgung hat lite4* Namens Saphir und den Amsterdamer Agenten Strauß dieser Stamm in Polen eine Zuflucht gesunden. Die Gedie Bewilligung zur Errichtung eines Hilssbureaus für aus setzgcbung der polnischen Republik behandelte die Juden als Rußland nach Amerika cmigrirendc Juden in Brody crtheilt besondere Nation, und die nationalen Gesetze derselben und hieran nur die Ermahnung geknüpft, bei der Landbewaren durch königliche Privilegien, durch Reichstags-Constivölkerung in der Animirung zum Anschlüsse an die Emitutionen im vollsten Maße anerkannt. Die Israeliten waren gration das gebotene Maß walten zu lassen und innerhalb darnach völlig unabhängig und hatten am königlichen Hose der gesetzlichen Schranken vorzngehen. Tie genannten Ageneine besondere Vertretung. Entsprechend solchen Traditionen tcn haben jedock mit Außerachtlassung der gesetzlichen Bewolle Redner durchaus keine Beschränkung der Juden in stimmungen geradezu eine Massenauswanderung in Fluß ihren Rechten, sondern nur eine Beseitigung von all' dem, gebracht, angesichts welcher die Behörde umso eher einzu-

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