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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-25 · Heft 43 (25.10.1881) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 43 (25.10.1881)
Date
1881-10-25
Page
Seite 713 (sequence 9)
Language
German
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713 lich weder bei der Volkszählung, noch bei den Handelskammerwahlcu dem nationalen Drucke Stand gehalten. Sie haben! sich mit wenigen Ausnahmen zur czechischen Umgangssprache bekannt und ihre Stimmen den Handelskammer-Candidaten der Czechen gegeben; dafür kam's weder auf dem Lande, noch in der Hauptstadt zu Judenkrawallen, und die Hetze, die nun einmal bei der allgemeinen Verbitterung zum Ausbruch kommen sollte, wurde von den Juden auf die deutschen Studenten abgclenkt. Jetzt aber haben die Juden die Consequcnzcn ihrer damaligen Vorsicht zu tragen. Sie stehen nämlich aus dem Punkte, ihre deutschen Schulen, die den Charakter der Oeffentlichkeit trugen und Landes-Subvcntion genossen, zu verlieren. Im Budgetausschuß des Prager Landtages ist hierüber des Langen uud Breiten verhandelt worden, und auch außerhalb der Commissionen sagen die czechischen Abgeordneten: „Wozu deutsche Schulen auf Landeskosten für einen Bevölkerungstheil, der sich zur czechischen Umgangssprache bekennt? Die sogenannten deutschen Schulen in den czechischen Bezirken sind confessionelle Schulen der Israeliten, somit Privatanstalten, die aus öffentlichen Fonds nicht dotirt zu werden brauchen." Bis jetzt ist allerdings der Disput lediglich ein akademischer, weil die deutsche Majorität des Landtages keine Rancunc übt und auch Jenen die Wohlthat des deutschen Unterrichts nicht erschweren will, deren Eltern Erziehung und Gesinnung verleugneten, allerdings unter Umständen, die Vieles entschuldigen. Angesichts der Vorgänge in Deutschland hatten die inmitten der aufgestackettcn Czechen wohnenden Juden eben keine große Neigung gehabt, ein deutsch-nationales Matyrium auf sich zu nehmen. Man wird ihnen daher, wo es nur halbwegs möglich ist, ihre deutschen Schulen erhalten, zumal auch die christliche Bevölkerung an diesen Schulen lebhaften Antheil nimmt und zahlreiche Czechenkinder daselbst ihren deutschen Unterricht genießen. Nur in Fällen, wo die unter so seltsamen Pressionsmittcln zu Stande gekommenen neuen Volkszählungs-Tabellen factisch nicht die gesetzlich erforderliche Zahl dcutschsprechender Einwohner aufwcisen, dürste die bisherige Subvention aushören. Pest, 7. October. (Privatmitth.) Tie hiesige Landes- Rabbinerschule hat soeben ihren vierten Jahresbericht veröffentlicht. Sic wurde im verflossenen Schuljahre von 39 Schülern besucht; von diesen befanden sich 4 in der oberen Abtheilung, dem eigentlichen Rabbiner-Seminar, fünf, welche nach Absolvirung der untern Abtheilung die Maturitätsprüfung abgelegt und auch in den jüdisch-theologischen Lehrgegenständcn eine entsprechende Prüfung bestanden haben, traten mit Beginn des neuen Schuljahres in die obere Abtheilung ein. Diese wird von nun an jährlich die aus der untern Abthcilung zu Entlassende aufnchmeu, und die Zahl ihrer Hörer wird sich fortan durch organisches Wachsthum vermehren. Der Unterstützungsverein der Anstalt „Ez-Chajim" erhielt im abgelaufenen Schuljahre an Jahres-Gründungsbeiträgen und Spenden 2543 fl. 50 Kr. und verausgabte an Unterstützungen 1802 fl. Zur weiteren Unterstützung der Zöglinge der Anstalt bewilligte der Unterrichtsmiuister aus dem Schulfonds 1500 fl. Auch die Bibliothek hat mehrere Schenkungen zu verzeichnen. Dem Berichte, der in ungarischer und deutscher Sprache erschienen ist, geht eine sehr fleißige, größere wissenschaftliche Arbeit: Abraham Jbn Esra als Grammatiker. Ein Beitrag zur Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft" von Profeffor vr. Wilhelm Bacher voran. Pest, 7. Oktober. Franz Pulßky hat in der „P. Z." einen Aufsatz über den „Antisemitismus" veröffentlicht, der durch seinen Bersaffer Bedeutung gewinnt. Derselbe schließt: Die allgemeine Tendenz war seit einiger Zeit eine vereinigende, die semitische Abgeschlossenheit hört nach und nach, besonders in den Städten, auf, die Juden magyarisiren sich mit überraschender Schnelligkeit niehr und niehr und fühlen sich nicht mehr als Fremde, sondern als Söhne desselben Vaterlandes mit ihren Mitbürgern. Und in diesem Momente wird aus Rußland und Deutschland, wird von den alten Feinden Ungarns jene Verfolgung importirt, die nicht nur der Kronprinz von Deutschland, sondern jeder gebildete Mensch für einen Schandflecken unserer Zeit hält. Alles hängt jetzt davon ab, ob die Regierung den ersten Regungen der antisemitischen Verfolgungen entgegentritt, oder ob sie, wie Fürst Bismarck, mit lauwarmen Verweisen im Grunde die Antisemiten unterstützt. Wir haben keine hohe Meinung von der Weisheit unserer Regierung, indem gegenwärtigen Falle aber zweifeln wir nicht an ihrem energischen Auftreten. Der Minister-Präsident kann nicht wollen, daß neben dem kroatischen, serbischen, rumänischen und sächsischen Nationalhader auch noch eine jüdische Frage entstehe. Franz Pulßky. Pest, 8. Oktober. In der heutigen Sitzung des Unterhauses legte der Justizminister einen Gesetzentwurf, betreffend die Schließung von Ehen zwischen Christen und Juden, vor. Pest, 14. Oktober. (Privatmitth.) Der Reichstag ist kaum eröffnet, und man beschäfrigt sich bereits mit den Juden und dem Antisemitismus. Gestern war es Herr Emerich von Szalay, von der äußersten Linken, der gelegentlich der Adreßdebatte feine besonderen Gesichtspunkte über Antisemitismus entwickelte. Der Herr Abgeordnete klagte die Juden an, sie hätten bei den letzten Wahlen „kastenmäßig" gegen die äußerste Linke gestimmt und seien sammt und sonders regierungsfreundlich. Gar so kastenmäßig haben die Juden nun doch nicht gestimmt. Herr von Szalay sollte wissen, daß einer seiner Prinzipicngenossen seine Wahl in erster Reihe den jüdischen Wählern verdankt und daß unter seinen Abgeoidneten-! College» sich Juden befinden, welche gleich ihm der äußersten Linken augehören. Uebrigens machte Szalay die Juden 43

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