Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1881)
- Date
- 1881-10-18
- Page
- Seite 700 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Hospitals niedergesetzt, unter einem mächtigen blühenden Eitronenbaum, einer Höhle gegenüber, aus deren Tiefe ein Fluß stießt, der von grünlichem Gesträuch umgeben ist. Zu meiner Rechten verloren sich allmählich die letzten Abhänge der Berge Judäas, von einem reichen und goldigen Grün beschienen, in der Ebene; zu meiner Linken zeichnete sich die lange Kette der moabitschcn und anunonitischen Berge von intensivem Blau von dem matten Blau des Himmels in ihren eleganten Formen ab. Zwischen den beiden Berglinien breitete sich eine ungeheuere graue Ebene aus, ganz ähnlich einer Wüste. Näher zu mir begann die Oase von Jericho, und der Fluß, welcher über die Kieselsteine und durch die Büschel von Grün hindurchsloß, glich einem Wasserlause in Europa, an den man in Egypten nicht gewohnt ist, wo es nur einen großen Fluß und Kanäle giebt. Frauen schöpften daraus ihren Wasservorrath, den sie in Schläuchen von Bocksellen sorttrugen; Heerden von Achsen und Büffeln kamen und tranken mit Behagen; einige Beduinen verrichteten ihre Gebete aus dem entgegengesetzten User. Bögel und Heuschrecken stießen ihre unharmonischen Töne aus; ein Hirt sang säst mit voller Stimme, etwas Seltsames in einem Lande, wo Jedermann durch die Nase singt; er ließ eine sanfte, ernste, melancholische Melodie ertönen, welche sich mit allen histo rischen Erinnerungen des Ortes, aus dem ich mich befand vermischte. Am Abend erboten sich die Dorfbewohner, mir einen beduinischen Fackeltauz vorzusühren. Vermischtes. Ter Cederwald des Libanon. Ter altehrwürdige, ehemals so ausgedehnte Cedernwald des Libanon ist zu einem kleinen Hain von etwa 40n Bäumen rusaminengeschmolzen. Um ihn vor gänzlichem Untergange zu schützen und mindestens inseineu, jetzigen Umfange zu erhalten, hat der Gencralgouverneur des Libanon, Ruftem Pascha, mittelst besonderen Erlasses eine Reibe von Maßregeln getroffen, welche dem Bandalismus und der Fahrlässigkeit se vieler Reisenden Einhalt zu thun bestimmt sind. Es U'irt untersagt, im Umfange der Hainumfriedung Zelte und Lagerstätten zn errichten und in der Nähe der Bäume Feuer zr machen, geschweige denn, wie dies Touristen und Reuend, bislang so häufig thaten, Küchen tür den Nahrnngsbedar zu errichten. Kein Zweig oder Reis dars von den Bäumen gebrochen und keinerlei Thiere, seien es Pserde, Maulthiere oder andere Tragthiere, dürfen in den umfriedeten Raum geführt werden. Wcidethiere, Rinder, Schafe, die den Baumschößlingen so gefährlich sind, werden, wenn sie das Haingebiet betreten, entfernt. Bon diesen 400 Eedcru sind etwa 6 oder 0 solche, die noch aus der Zeit des Königs Salomo herrühren, also beinah 300 Jahre zählen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts waren es noch gegen 70. Io schnell ging es mit den Zeugen jener ehrwürdigen Zeit abwärts. Eine Laubhütte für lo,ooo Gulden. Der berüchtigte Sadagorer „Wunder-Rabbi" und Millionär S. Friedmann läßt sich, wie aus Sadagora geschrieben tvird, in Anbetracht des herannahenden israelitischen Laubhüttenfestes eine Laubhütte bauen, welche nach dem ausgearbeiteten und vom Rabbi genehmigten Plane die Bagatelle von 10,000 sl. kosten wird. Diese 10,000 sl. zahlt aber der schlaue Rabbi nicht aus seiner eigenen Tasche, sondern er läßt seine frommen Anhänger in Kontribution setzen. Eine seltsame Geschichte. Das „Prager Tageblatt" erzählt Folgendes: „Bor Kurzem starb in Prag in der Lämmel'schen Bersorgungs Anstalt eine alte Wittwe, Namens Austerlitz. Dieselbe hatte einen Sohn, welcher sich im Jahre 1840 von Prag nach London begab, dort als Geschäftsmann etablirte und eine Engländerin heirathete. Er verlor indeß binnen zwei Jahren sein Vermögen, verließ seine Frau und verschwand spurlos. Lange Jahre wußte die Gattin nichts von ihrem Pfanne, bis sie ihn kürzlich - als katholischen Priester in Ischl traf. Derselbe war als Laienbruder in ein Kloster getreten, hatte unter anderem Flamen in Ungarn Theologie studirt, das Doktorat der Theologie gemacht und es zu dem Ehrenamte eines päpstlichen Notars gebracht. ''Nach hem Zusammentreffen mit seiner Frau legte er das geistliche Kleid ab und ging mit ihr wieder nach England, wo er Journalistik treibt. Tie hiesige Berlassenschastsbehörde steht mit demselben gegenwärtig wegen der Einantwortung des geringen Nachlasses s seiner Mutter in Korrespondenz."