Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1881)
- Date
- 1881-10-18
- Page
- Seite 697 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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6517 günstigen Falle würde am US. d. ein Doppelzug mit den Auswanderern nach Antwerpen abgehen." Odessa, 7. Oktober. Wir hatten zu dem Zirkulär des Grafen Jgnatiew (Nr. 4!) bemerkt, daß dasselbe Gutachten Hervorrusen werde, welche die Juden — zum Verhungern bestimmen. Die Richtigkeit dieser Ansicht erweist bereits die Antwort der Odessaer Landschaftsversammlung, welche die Wiener „Presse" mittheilt. Die gedachte Versammlung faßte gegen nur eine Stimme den Beschluß, die Regierung zu ersuchen, daß den Juden unbedingt verboten werden soll: 1) mit Spirituosen aus dem Lande Handel zu treiben; 2) Kronländcrcicn zu pachten und Land zu kaufen; 3) soll verboten werden, dcß mehr jüdische Zöglinge in die Gymnasien aufgcnomuien werden, als dem Prozentverhältnisse der jüdischen zur christlichen Bevölkerung entspricht; 4) soll den Inden verwehrt sein, Wahl--Aemter, insbesondere Friedensrichterstellen zu bekleiden; .'0 das Verbot, christliche Dienstboten zu halten, soll erneuert werden; 0» den Juden soll verboten sein, wenn sie keine bestimmte Beschäftigung haben, auf dem Lande zu leben; 7) sie sollen nicht Schuldscheine kaufen dürren, falls sie nicht Gildenscheine besitzen; r>) Advocatcn mosaischen Bekenntnisses sollen vor dem Friedensrichter nicht plaidiren. ^tumänielt. Bukarest, 20. Sept. In der Stadt zirkuliren antisemitische Ausrufe, rvelchc die Bevölkerung ausfordern, vvn den Inden nichts mehr zu kaufen. Mehrere dieser Bogen siird bereits mit zahlreichen Unterschriften versehen, wozu man in plumper Weise Leute zu gewinnen sucht, die keine Ahnung haben, unter welches Schriftstück sie ihren Namen setzen. Die Behörde recherchirt nach den Urhebern dieser Agitation. — Wie man der „Wr. Allg. Ztg." aus Jassy berichtet, belegte kürzlich der dortige Rabbiner den Zirkus des Herr Kremser mit dem Bannflüche, weil durch den Muthwillen eines Stallknechtes daselbst ein Knabe aus jüdischer Familie getödtet worden war. Ter Zirkus wird deshalb wenig besucht, und sein Besitzer wird sich zu eiuer Entschädigung an den Vater des Kindes und an die Armenkasse entschließen müssen. Bukarest, 2 i. September. Meldung der ..Ung. Post": Ju dem gestern Abends abgchaltenen Ministerrathc, dem Bratiano prästdirte, wurde die Jnden-Einwandcrungs-Frage aus der Bukowina und Rußland in die Moldau einer eingehenden Diskussion unterzogen und über die Mittel bcrathcn, dem Uebcl zu steuern. Bukarest, 6. Oktober. Die Bewegung zu Gunsten der israelitischen "Auswanderung nach Palästina hat unerwartete Dimensionen angenommen. allen größeren Städten Rumäniens lausen zahlreiche Anmeldungen AnSwandernngs lustiger und großer Geldspenden ein und werden demnächst bei dem hiesigen Vertreter der Pforte die nöthigen Schritte tvcgen Erivcrbung kulturfähigen Grundbesitzes in Palästina geschehen. I e u i f Um Jerusalem. (Schluß.^ Ich verließ also Jerusalem, vor mir einen Beduinen, und begleitet von meinem Dolmetscher, Francis Morronn, einem syrischen Christen, der seine Studien am College von Bcyruth gemacht hat. Im Nothfall kann er sogar über Literatur und Philosophie sprechen; ja noch mehr, er trägt einen bewunderungswerthcn Schnurrbart von erstaunlicher Ausdehnung: er ist in jeder Beziehung ein vortrefflicher Mensch und ausgezeichneter Dolmetscher. Man geht durch das Thor von Jaffa, steigt ein steiniges Thal hinunter, dann folgt man dem Laufe des Kidron, dessen auSgetrocknetes Bett sich in den gewundenen Thülern vertieft, in die man sich mit ihm vertieft. Je nachdem man sich von Jerusalem entfernt, erhebt sich dieses auf den Höhen, aus denen es liegt; von Zeit zu Zeit dreht man sich um, um es noch ein Mal zu sehen; noch ziemlich lange unterscheidet man die Moscheh von Omar, dann den Tavidsthurm: zul e 1 o n. letzt verschwindet Alles, und man verliert sich in den liefen Schluchten inmitten kahler Berge, die keinerlei Grün bedeckt. Roch zwei Stunden Marsch zeigt das Thal plötzlich einen ganz neuen Anblick; der Kidron, der dis dahin nur ein kleiner Fluß war, gräbt sich plötzlich ein Bett von erschreckender Tiefe und einer ungeheuren Breite durch riesige Felswände hindurch, die aiiS großen horizontalen Lagen bestehen, die von Zeit zu Zeit Grotten und Höhlen durchschnciden, welche ehemals Einsiedlern zum Asyl dienten, indem sie ein riesiges natürliches Kloster bilden mit den malerischsten Zelleii, Adlernestern ähnlich, die über dem Abgrunde hängen. Je mehr man sich den todten Meere nähert, je ernster wird die Natur, ohne indcß von ihrer Größe zu verlieren. Tic Berge sind so weiß, daß sie die Augen ermüden und blenden; aber das Grün und die Blumen der Thäler entschädigen etwas für diese kahlen Berge. Bon Weitem erblickt man auf einer Anhöhe das Grab von Moses, das von den Arabern nicht weniger verehrt wird als das vonAbüGhosch. Da es zu weit von der Straße ab liegt, um eS zu besuchen, begnügt sich jeder von ihnen damit, einen Stein