Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1881)
- Date
- 1881-10-18
- Page
- Seite 696 (sequence 12)
- Language
- German
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ungefähr 2<>o Köpfe zahlende Menschenmenge an, welche bei Musikbegleitung Juden-schmähende Lieder sang. Hr. Baiß forderte den Stuhlrichtcr auf, dem Skandal durch Zerstreuung des draußeustehenden Gesindels ein Ende zu machen; Stuhlrichter H-'un entsprach sofort diesem billigen Wunsch und ließ die Straße säubern, wodurch die Srdnung wieder bergestellt wurde. Im weiteren Verläufe der Verhandlung erwähnte vr. Vaiß, daß ihm noch zahlreiche christliche Zeugen zur Verfügung stehen, die er jedoch blos dem in dieser Angelegenheit kompetenten Budapester k. Strafgerichte neunen werde, wohin er auch die Angelegenheit zur Amtshandlung zu überweisen bat. Mit Rücksicht auf den jüdischen Feiertag wurde, sodann die Verhandlung bis zum 4. d. M. vertagt, an welchem Tage das Verhör der Angeklagten Emerich Bock, Arnhold Almüssh und Kirjük stattfinden wird. — Aus Losoncz geht dem Pester Llopd ein Protest christlicher Bewohner zu, daß die am 25. Sept. daselbst vorgefalleuc Mißhandlung eines harmlosen Juden nicht von Einwohnern des Srtes, sondern von drei Eisenbahnbeamten geschehen sei, daß vielmehr die Einwohner von Losoncz in völliger Eintracht leben, und zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung das beste Einvernehmen herrsche. Zlozow, (Galizien), den 30. Sept. (Privatmitth.) Bekanntlich ist die Bevölkerung Galiziens außer den Juden und Deutschen in zwei sich feindlich gegenüberstehende Racen gespalten: Polen und Rutheucn. Beide Stämme kommen sich an Zahl ziemlich gleich; aber die Polen haben das Uebergewicht, weil zu ihnen die größere Zahl der Grund- Herren gehört, sie mehr Intelligenz und Energie besitzen, tvährcnd die Ruthenen zumeist dem bäuerlichen Stande angehören. Lauge nuu behandelten die Polen die Juden in gehässigem Sinne und suchten ihnen den Genuß der bürgerlichen Gleichstellung zu verkümmern. Tie Juden hielten sich deshalb näher zu den Ruthenen, bis Polen und Juden einiahen, daß sie durch ein solches Berhältniß sich einander nur schaden. In der jüngsten Zeit haben daher die Polen mit den Juden fraternisirt und diese schlugen sich in der Mehrzahl zu jenen. Zuerst thaten dies die orthodoxen Juden, und die sog. Reformer sahen sich deshalb zu gleichen Schritten genöthigt. In Folge dessen machen die Ruthenen, wie gegen die Polen, so nun auch gegen die Juden Front und dies that sich in der hier srattgefundenen Jahres-Generalversammlung des ruthenischen Kaczkowski-Vereins kund. Man sprach sich in den Antisemitismus hinein, und beschloß, nur noch von Ruthenen zu kauten. Es ist dieselbe Lage für die Juden bier, wie in allen Ländern mit mehrraeiger Bevölkerung. Holland. Amsterdam, 1. Setober. Mit Rücksicht auf den jüdischen Feiertag «Versöhuungsfesi), und um den jüdischen Reportern an diesem Tage keine Arbeit anfzunöthigen, ist der nächste Sitzungstag der zweiten Kammer auf Dienstag den 4. Oetober (statt auf Montag) festgesetzt. Rußland. Petersburg, 30. September. Die „Rowosti" melden gerüchtweise, daß die jüdischen Studenten, welche in diesem Jahre den zweiten Cnrsus an den medicinischen und naturhistorischen Fakultäten der verschiedenen Universitäten Rußlands beendet und um Aufnahme in die militär-medieinische Akademie gebeten haben, eine abschlägige Antwort auf ihr Gesuch erhalten hätren und nun gezwungen seien ,ihre weitere Ausbildung in den bisher von ihnen besuchten Universitäteil wrtzusetzen. (Wenn in dieser Art und wie jüngst aus Kiew gemeldet ward, gegen die jüdischen Studirenden verfahren wird, kann man sich dann wundern, daß so mancher Jude in den Reihen der Nihilisten gefunden wird?) — Die Auswanderung der Juden aus Rußland nach Amerika nimmt feit der letzten Zeit kolossale Dimensionen an. So veröffentlicht das ofsiziclle Blatt „Kijewlianin" vom 30. v. M. eine Tabelle, der zufolge in der Zeit vom 13. Mai bis 22. September d. I. aus Kiew allein nicht weniger als 531 Personen mosaischer Konfession nach Amerika ausgewandert sind. Rach den einzelnen Monaten und den Ständen der Ausgewanderten vertheilt sich diese Ziffer folgendermaßen: Im Mai 04 Kauflcute, 31 Kleinbürger und 1 Soldat; im Juni 13 Kaufleute und 13 Kleinbürger; im Juli 01 Kaufleute, 10 Kleinbürger und 1 Soldat; im August 21 Kaufleute, 107 Kleinbürger, 8 Handwerker und 16 Soldaten und im September 8 Kausleute, 111 Kleinbürger 0 Handwerker und 27 Soldaten. Unter diesen 53 l Auswanderern befanden sich 225 Kinder. Ueberdies sind während der diesjährigen Ferien 7 Studenten mosaischer Konfession aus Kiew ins Aus laud ausgewaudert. Lemberg, 6. Oktober. Wie dem „Dziennik Polski" gemeldet wird, hat Die Behörde den Agenten der .Allian«*- Israelin“ die weitere Srganifirung der Emigration von Juden aus Rußland nach Amerika verboten, weil viele galizifche Juden unter gefälschten Reisepässen an der Auswanderung sich betheiligten. Aus Brody, 5. Sktobcr, wird der „4k. Fr. Pr." berichtet: „Hier herrscht Erregung wegen der behördlichen Ver fügung, nur mit Auswandernngspatenten versehene russische Juden abreisen zu lassen, die anderen .aber an Rußland auszulieferu. Tie Aufregung wuchs, als heute 16 Personen gefesselt über die russische Grenze escortirt wurden. Aus diesem Anlässe begiebt sich eine gemcinderäthliche Deputation,.- zum Statthalter, um die Abfahrt der hier weilenden zahlreichen russischen Flüchtlinge nach Amerika zu ermöglichen, wozu die „Alliaace lsraClitf die Mitiel beschafft. Im