Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1881)
- Date
- 1881-10-18
- Page
- Seite 695 (sequence 11)
- Language
- German
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695 runter direkte Steuer 9506 M. Auch eilte direkte Steuer hat die Gemeinde noch, nämlich die Fleischsteuer aus Rinder und Kälber. Sie ergab 794 M., und könnte solglich ohne Beschwerde gestrichen werden, da sie immerhin eine Steuer aus religiöse Pietät darstellt, während Einnahme und Ausgabe alle Gemeindemitglieder gleichmäßig treffen soll. Ter Religionsunterricht wird jetzt von den öffentlichen Lehranstalten selbst ertheilt, und die Gemeinde hat nur dafür zu sorgen, „in besonderen Kursen denjenigen, die das Hebräische gründlich erlernen wollen, hierzu die Möglichkeit zu bieten. — Die obenerwähnten Vermächtnisse belausen sich aus M. 131,600, welche 5385 M. zu mildthätigen Zwecken bieten. Außerdem hat die Gemeinde 10 wohlthätigc Vereine, von denen der wichtigste die Chebra Kadischa ist mit einer Jahresbilanz von 10050 M., wozu aus ihren Vermächtnissen die Zinsen allein 8040 M. liesern. Alle Legate, Vereine, Stiftungen u. s. w. besitzen ein Grundvermögen von Bi. 614,288, und kommen daraus für wohlthätigc Zwecke jährlich M. 31,282 zur Auszahlung. — Am 1. Dez. 1880 wurden hier 1910 Seelen jüdischer Religion gezählt; sie machten 542 Prozent der Gcsammtbcvölkerung, während sie 1871 5,24 Prozent bildeten, also die Zunahme nur 0,18 Prozent im Verhältniß zur Gesammtbevölkerung. Hcrvorznheben ist, daß die Juden zur Commuualsteuer 16,16 Prozent zahlen, während sie nur 5,07 Prozent der Steuerzahler ausmachcn. Unter dieser jüdischen Bevölkerung befinden sich 31 Handwerker. Was die Freguenz der Schulen betrifft, so werden auch hier die Gymnasien und höheren Töchterschulen von der bedeutenderen Zahl der schulpflichtigen Kinder besucht. Bischofswerder, 2. Skrober. Ter „Ges." meldet, fcctfr heule bei Beginn des Bersöhnungssestes, obwohl ein Sicher-1 heitsposten vor die Synagoge gestellt worden war, eine häßliche Ausschreitung vorkam. Es slog ein Ziegelstück durch die Fenster der Synagoge, und einer der Andächtigen wurde so hart an den Kopf getroffen, daß er ohnmächtig zu Boden fiel. Die Synagoge wurde deshalb schon um 7 Uhr Abends verlassen und geschlossen. (Zu unserer Befriedigung ist dies der einzige Srt, aus welchem eine Störung an den eben verslossenen Feiertagen gemeldet worden. )> O esterre i ch -U n garn. Wien, im Oktober. (Privatmitth.) Der 20. Jahresbericht des „Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" liegt vor uns, und wenn der Vorstand seine Befriedigung darüber ausspricht, daß die Svmpathie für den Verein dieselbe geblieben, so daß die Zahl der Mit glieder 128 mit sl. 1486 betrug: so können wir dem doch nicht beistimmen bei der Erwägung, daß die Zahl der Gesuche immerfort steigt, während die Mittel des Vereins eher sanken als wuchsen. Der Verein erhielt 341 Gesuche, von denen nur 245 berücksichtigt werden konnten, mit einer 'Ausgabe von fl. 3445, während im Vorjahr nur fl. 2633 ausgezahlt wurden. Unter den unterstützten 245 Petenten waren 91 Sln dirende der Medizin, 62 Hörer der Rechte, 20 Hörer der Philosophie, 62 Studirende der Technik, 6, Agronomen und ein Schüler der Akademie der bildenden Künste. Dem Vaterlande nach waren 15 ans Wien, 3 aus 'Riederösterreich, 84 aus Ungarn, 56 aus Mähren, 43 aus Galizien, 21 ans Böhmen, 12 aus östcrr. Schlesien, 8 aus der Bukowina, 2 aus Croatieu und 1 aus Rumänien. Möchte doch dieser Verein recht bald einen solchen 'Auf schwung nehmen, daß er seine Spenden in ausgiebigster Weise vertheilen könnte! Dies wäre aber allerdings nur möglich, wenn sich endlich die Provinzen ihrer Verpflichtung erinnerten, da die große Mehrzahl der Unterstützten denselbeu entstammen. Pest, 2. Skt. (Privatmitth.) Für den Friedensstand der Honved-Armee sollen demnächst noch 12 Feld-Rabbinen ernannt werden, die jedoch nur im Falle der Mobilisirnng Dienst zu 9)1111 haben. Der Friedensstand der Honved- Armee wird dann im Ganzen nicht weniger als 28 Feld- Rabbinen zählen. Man kann hieraus schließen, wie bedeutend die Zahl der Inden ist, die in der ungarischen 'Armee dienen Aus Miskocz wird berichtet: Ter Primar-Arzt am hiesigen allgemeinen Krankenhause, Herr l>r. Joseph Popper, ein Israelit, wirkt seit 25 Jahren an dieser Anstalt. 'Als Zeichen der Anerkenunng wurde am 26. d. M. in 'Anwesenheit seiner sämmtlichen Kollegen und ' zahlreichen Freunde sein Bildniß im Spitals-Saale ausgestellt. Pcst, 3. Skt. Gestern hielt Stuhlrichter H.'nn im Stadthauie zu Püßto eine Verhandlung ab, bei welcher Gelegenheit der hauptstädtische Advokat Tr- Alerandcr Vaiß als Vertreter der Pnßtöer isr. Kultusgemeinde fnngirte; nach Darstellung des Sachverhaltes erhob Tr. Vaiß gegen die , 'Anstifter der Judenhetzen die Anklage aus Grund der : 158, 171, 172, 190, 240 und 258 des Strafgesetzes 'Ani stiftung zur Meuterei, Aufreizung, Verbrechen gegen die freie! Ausübung der Religion, schamverletzende und öfientlichen! Skandal verursachende Handlungen und Verleumdung. > Der! Hauptanstister der Hetzen, Adrian Plathv, wurde sodann vernommen: er leugnete, die Juden geschmäht, oder sich an denselben vergriffen zu haben; im Gegentheil sei vielmehr er von den Juden geprügelt, mit Koth beworfen und mit i seinem eigenen Peitschenstiel mißhandelt worden; er gestand; Alles int Allem blos soviel ein, daß er sich von den Musikanten das „Hepp Hepp" aufspielen ließ, weil ihm die komische; Melodie dieses Liedes gar so sehr gefallen habe. Während der Verhandlung sammelte sich vor dem Gemeindehaioe eine