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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-18 · Heft 42 (18.10.1881) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 42 (18.10.1881)
Date
1881-10-18
Page
Seite 691 (sequence 7)
Language
German
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691 Juden, in wenigen armen Provinzen eingepfercht, weder zum Landbau noch zu öffentlichen Aemtern, jetzt sogar selbst in den Schulen weder als Lehrer noch als Schst^r zugelassen, und vor den Rebellen, Hetzern der Presse, wie vor freit; Krawallen des Pöbels höchst zweifelhaft geschützt werden. Flicht man doch aus seinem eigenen Hanse, wenn man von Räubern überfallen wird, ohne aus sein (§igcnthumsrecht, aus dieses Haus zu verzichten. Oder sällt es Jemandem ein, den Deutschen Mangel an Patriotismus vorzuwerfen, die jährlich in großen Massen nach aller Herren Ländern auswandern? "Anstalt ruhig zu warten, bis die Juden in Rußland voll und ganz als russische Bürger anerkannt werden was ihre Lage doch herzlich wenig verbesseren wurde und Gott weiß, ob unsere Enkel es erleben werden, wäre es nicht viel gescheiter, bei der Regierung ntzi einem Gesuch vorzugehen, da die Emigration doch einmal vor sich geht und auf keine Weise zurückzuhalten ist, sie wenigstens zu legalisircn, vamit die zurückgebliebenen Jude« sstr die emigrirten nicht zu leiden hätten? Ungefähr ähnliche -Ansichten. wie die unserige, hat der „Raßwet", das Organ der russischen jüdischen Intelligenz, mehrmals ausgesprochen, woraus aber genannte Repräsentanten wenig Rücksicht uehuien- Nebenbei bemerkt, uns wundert sehr, warum die besagte Intelligenz, anstatt der Plutokratie zu predigen, was sie thun soll, selbst aus eigne Faust es nicht thut- Eintracht ist gewiß sehr gut, wenn sie nur zu Gutem führt- Mit vereinten Kräften arbeiten ist gewiß sehr wünscheilslverth, aber wozu taugt mit vereinter Kraft müssig sitzen? £er Beweis nur, daß die jüdische Intelligenz in Rußland, trotz ihres beständigen Murrens gegen die hiesigen jüdischen „Reichen", in ewiger Unzufriedenheit mit dem Wirken derselben, selbst doch Nichts thun will und von den von ihr so verschrieenen „Reichen" noch so Manches lernen kä»,ite- «Doch darüber ein anderes Mal.) Wie dem auch setz ob die jüdische In telligenz will, aber nur nicht mit den „Reichen" kann, oder nur predigen, murren und unzufrieden sein will, aber selbst nichts thun, nichts zur Emigration beitragen; so viel ist nun klar, daß die unglücklichen Emigrirendvn ans ihre inländischen Brüder nicht rechnen können, von ihnen Nichts zu erwarten haben. Ihre einzige Hoffnung und letzt«-' Stütze sind ihre ausländischen Brüder, in deren HcindeN liegt nun das Schicksal tausender nnglückticher und hungernder Familien. Der ausländischen Iudcnheit, wo sie auch sei. liegt die beilige Pflicht ob, ihre unglücklichen russischen Brüder in so tiefer Roth nicht verzweifeln zü kii?«-':i, und ihnen zu Hülse zu eilen, indem in mehrere^ Städten Oesterreichs, Preußens, in den Grenzgegcnden Rußlands Comib-s eingesetzt werden, welche mit der nöthigen Anordnung und Organisirung der Emigration sich zu bejasscn haben. Mögen sich ja nur die ausländischen Jatzen Dcm den Versprechungen , die den verschiedenen jüdischen Deputationen von russischen Staatsmännern gemacht worden sind nicht irre leiten lassen. Sie haben ebensowenig Werth, wie die Conrmissionen, welche im laufenden Monat vom Minister des Innern in den Gouvernements, wo Juden wohnhaft sind, eingesetzt worden, „zu erforschen, welche Seiten der ökonomischen Thä tigkcit der Inden einen besonderen verderblichen Einfluß auf's Leben der indigenen Bevölkerung ansüben und ihr Gutachten darüber binnen zwei Monate dem Ministerium des Innern vorzustellen", wo wiederum eine Commission mit der jüdischen Frage beschäftigt ist. An solche Commissionen ist man in Rußland nur zu sehr gewöhnt und man erwartet von ihnen Nichts. Das hat in celatanter Weise die ösficiösc Commission, welche ans zufälligen jüdischen Vertretern aus mehreren Gouvernements Rußlands bestand und eine Woche im l. M. in Petersburg tagte, bewiesen. All' diese Versprechungen und Commissionen können zu Nichts führen, so lange in Deutschland, das der russischen Regierung immer als Muster dient, die Junker- und Mucker-Wirthschast noch slorirt und die antisemitische Bewegung noch unaufhaltsam vor sich geht, und so lange in Rußland selbst der eigentliche Charakter der jetzigen Regierung sich noch nicht ausgesprochen hat, so lange die Slavianophilen noch immer das große Wort reden und die unterirdische Agitation der Nihilisten immer vorwärts schreitet, die lvsgelassenc Bestie der russischen Presse und des russischen Pöbels noch nicht eingefangen ist, die entzügelten Leidenschaften sich noch nicht ge legt haben, so lange überhaupt die alten Ursachen, welche die ganze traurige Bewegung hervorgernsen haben, nach wie vor existircn. An Emigration und tute an Emigration müssen Alle, die mit den russischen Inden es gut meinen, denken und an Nichts sonst. M. l-\ Eine Entscheidung des Reichsgerichts. Das "Reichsgericht hat soeben eine Entscheidung getroffen, welche die Juden lies betrüben muß, und deren Folgen nicht abznsehen sind. Wenn die schmählichsten und gehässigsten Beleidigungen gegen die Juden ausgesprochen werden, welche das Volk gegen sie in die erregteste Stimmung versetzen müssen, so heißt es von juridischer Seite: das wüte noch keine Aufreizung der Bürgerklassen gegen einander nach > 1 .">«) des Straigeßtzbnches. "Nun erklärt das Reichsgericht auch die einzelnen Inden für nicht berechtigt, wegen solcher Verleumdungen der Gesannntheit klagbar zu werden und so sieben wir denn den Beleidigungen und lügnerischen Anschuldigungen ungeschützt gegenüber, sobald der Verleumder geschickt genug ist. die Einzelnen in der Gesammtheit ans s Tiefste zu verletzen.

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