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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-18 · Heft 42 (18.10.1881) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 42 (18.10.1881)
Date
1881-10-18
Page
Seite 686 (sequence 2)
Language
German
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686 wiederzufinden, dessen Pslege sich die deutsche Jugend unter Ihrem Wahlspruche „für Kaiser und Reich" angelegen sein läßt, welcher der schönste Ausdruck unserer gemeinsamen Bestrebungen ist." Unter diesen Umständen wird Jedermann einseheu, daß es für die deutschen Juden keine dringlichere Verpflichtung giebt, als sich vorzubcreiteu, den zu erwartenden Schritten im Reichstage eutgcgcnzutreten. Wenn eS die Provinzial- Hauptgcmeinden unterlassen, Gemeinde-Delegirte aus den Provinzen zu versammeln, um das Röthige für den gedachten Zweck zu besprechen, so wollen wir hier in eine Diskussion ihrer Gründe nicht eingehen, weil wir eine solche für unnütz und uachtheilig halten, so leicht es uns auch wäre, den vorgetragenen Argumenten ihre Hinfälligkeit nachzuweiscn. Jedenfalls könnten sie einstweilen sich brieflich mit den anderen den Bettelstab gebracht; geraubt ist die Ruhe, vergällt jcbc Freude, vergiftet das Leben sämmtlicher russischen Juden — und noch immer will ihr Elend kein Ende nehmen. Noch immer fährt die gesammte russische Presse — wenige liberale Drgane ausgenommen - fort, die Flamme entbrannter; Leidenschaften zu schüren und unermüdlich die schändlichsten Beschuldigungen und niederträchtigsten Verleumdungen gegen Juden zu schleudern, Haß und Verachtung gegen sie zu predigen, ja cs fehlt auch nicht an solchen kupfernen Stirnen der Publicistik, die ruchlos, unverschämt genug sind, den gräßlichen Bachanalien der entfesselten Bestie im russischen verkommenen Pöbel Beifall zu klatschen, und noch immer sicht die Regierung den scheußlichen Drgien der russischen Presse ruhig zu, während sie von der anderen Seite noch immer fortfährt die Juden aus dem Innern des Reiches, wo sie bereits seit Gemeinden in Verbindung setzen, und diese auf das, was > Jahren ein Heim gefunden, unter allen möglichen Klauseln nvthwendig sein wird, aufmerksam machen. Schließlich ist ausweist und sie so ins tiefste Elend jagt, und unter verein jeder deutche Jude, der in seinem Bewußtsein trägt, was; schiedenem Vorwand die Aufnahme der Juden in Schulen er seinem Teutschthum und seinem Judenthum schuldig ist, verpflichtet, seine volle Aufmerksamkeit hierauf zu richten und diejenigen aus ihrer Indolenz zn rvecken, welche sich mit passiver Resignation begnügen. Petersburger Briefe XI.*) Petersburg, 2t*. September, lieber die gegenwärtige Lage der russischen Juden. und Hochschulen möglichst zu erschwert und theilweise ganz aue schließt. Dies Verhalten der Regierung den Juden gegenüber, wie die milden Urthcile der Justiz gegen jene Rebellen und Plünderer in den Jndcnkrawallen, dienen gewissermaßen als Ermunterung und Anregung zu neuen Judenkrawallen, zu neuen Brandstiftungen, und so wird denn die unterirdische Agitation der Nihilisten, welche die Juden nur als Mittel zum Zweck gewählt haben, indireet von Sben sanetiouirt. So blind kann nur der Haß sein! Auch Deutschland hat seine Barbaren, hat seine erbärm- Die Geschichte hat uns nicht verwöhnt. Was von illamp^ lichcn Jndcnhetzcr, hat sein verkommenes Gesindel, welches und Plage einem Volke begegnen kann, ward uns während' sich von jenen sauberen Hcloen leiten läßt. Dafür aber hat unserer viertausendjährigcn Existenz nicht erspart. Wir Deutschland einen Döllinger und Delitzsch, einen Mommsen wurden oft gebeugt, tief niedergebeugt, aber niemals gej niib Virchow und noch Hunderte edle Geister und große brachen. Wie eine Eeder, wenn der Sturm vorübergerast, sich > Männer mit ihnen, die zur rechten Zeit das rechte Wort immer wieder anfrichtet, und au ihr die Zeichen, welche die! redeten, Proteste und offene Sendschreiben an die deutsche Vorüberziehenden in ihre Rinde schneiden, wieder vernarben,! Ration ergehen ließen und so einerseits öic Ehre ihres und der Stamm deshalb nicht siecht: so wir unter dem Kolkes und ihres Jahrhunderts retteten, und andererseits manigsaltigsten Geschicke. Wir wurden bisweilen ästhetisch den Juden die bestmöglichste Satisfaction gewährten. In einstellt, aber niemals ethisch. Darum dürfen wir uns nicht j fcCr That, welche bessere Satisfaction könnte den Juden zu einmuthigen lasten und nicht verzweifeln.!Dheil werden, als die, daß die besten Männer Deutschlands, Das Maß der Leiden unserer russischen Glaubensbrüder! würdigsten Repräsentanten der Eivilifation des 1l>. Jahrnnd Stammesgenossen ist schon wohl längst übervoll und doch! Hunderts, auf die nicht blos Deutschland, sondern auch Eu wollen jene noch immer kein Ende nehmen. Vier verhäng-l „pa stolz ist, für die Juden die Lanze gebrochen? Aber was n.ßoolle lange Monare sind bereits verstrichen, ieildem jü y§n dem Allem bat Rußland aufzuweisen? Zwar fand sich di'ckie Wohnorte in <rüdrußland von Rebellen und Menten ^^ch hier ein Professor Krawclin, einer der letzten Mohikaner gevlündert und zerstört, in Westrnßland von Brandstiftungen den Liberalen der vierziger Jahre, welcher seine Stimme vernichtet und eingeäschert worden. Viele Menschenleben zn Gunsten der Juden erhob, aber er stand vereinzelt da, und n'erden beweint, das Glück tausender Familien ist zerstört, je:ue Stimme verscholl im wilden Ehor der Judenfeinde. Tausende wohlhabender mitunter reicher Juden sind an Deutschland blieb nicht verschont von der Schmach der - ... . . - . Judenkrawallc und Judenhetzen. Pommern ist ebenso von im Mt tiiiciijie 'jjuuunei -.uruckleg.Il muffen. Redaktion,; den Heldenthaten der Antisemiten geschändet und entehrt wie

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