Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1881)
- Date
- 1881-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Ciu unparteiisches Organ siir alles indische Interesse. Tiefe Zeitung erscheint wöchentlich. : Preis VierteljährigMarl. Abonne- > ment in Teinschland (Postzeitungsliste I Pr.;*2) und Oesterreich bei ellcn Post ämtern, außerdem durch den Buchhandel. Heransgegeben von Rabbiner I4r. Lu-wig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Bauingärlner'^ Buchhandlung in Leipzig. In redaciioncllen Angelegenheiten I ivende man sich an vr.L.PHilivv'vn in ,! Bonn direct, in allen übrigen an die , Bcrlagshandlu 'g. Beilagen Gebühr I j l2M., sind gleichfalls an letztere ein l rufenden. 45. Jahrgang. Leipzig, den 16. October issi. JVo. 42. Inhalt. Leitende Artikel: Was haben wir gegenwärtig zu lbun? lV. — Petersburger Briefe. XI. — Eine Entscheidung des Reichsgerichts. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Bonn, Otolp, Karlsruhe, Gardelegen, Glogau, Bischofswerder. — C eftcr reich- Ungc rn: Wien, Pest. Zlazow. — Holland: Amsterdam. — Rußlan0: Petersburg. Lemberg. Aus Brody, Odessa. — Rumänien: Buka-est. — Feuilleton: Um Jerusalem. (Schluß.) — Vermischtes: Der Eederwrld des Libanon. — Eine Laubhütte für 10,000 Gulden. — Eine seltsame Geschichte. S.cil'c'ixDc Ort« fccf. Bonn, 12. October. Was haben wir gegenwärtig zu ihun? iv. Wenn wir unter dieser Rubrik zunächst diejenigen Bor kommnisse hervorheben, welche die gegenwärtige Situation charakterisircn, so mögen wir heute Folgendes betonen. In Halle a. d. S. fand jüngst eine Versammlung der deutschj conservativen Partei statt, als deren Führer ein Herr j v. Rauchhaupt das Programm der Partei entwickelte. Als! einen der wichtigsten Punkte derselben stellte er auf: die! Beschränkung der Rechte der Juden, und ließ sich hierüber j in einer Weise aus, welche nicht mehr die Absicht der deutsch-' conservativen Partei bezweifeln läßt, nach dieser Richtung hin im Reichstage vorzugchen. — Am 1. Oktober hielten v. Liebermann und Förster eine Volksversammlung in Berlin ab, in der Förster ein Referat über das Schicksal der bekannten Petition gegen die Juden abstattcte: „Es wäre Herr v. Thüngen, der „intimste Freund Bismarcks", mit derselben zu letzterem nach Kissingen gefahren. Das Resultat könne noch nicht in allen Einzelheiten mitgcthcilt werden. Herr v. Thüngen habe aber den jüdischen Fortschrittsring mit Erfolg gekennzeichnet, und nach Allem könne er (Redner) — und was er sage, vertrete er voll— die Worte sagen: „Wir verehren in Fürst Bismarck nicht nur den größten Staatsi mann, sondern den besten und tapfersten Antisemiten." i Was nun ein Förster, der soeben als Reserve-Offizier! seine Entlassung erhalten, sagt und vertreten will, braucht noch nicht geglaubt zu werden, um so weniger, als derselbe Förster in einer anderen Versammlung im 3. Wahlkreise über den Richterfolg der Petition klagte: „Leider bat es auch an Ausschreitungen nicht gcfeblt. Ich glaube alle diese Ausschreitungen wären nicht vorgckommcn, wenn der hohe Adressat, an den die Petition gerichtet war, nur ein einziges beruhigendes Wort aus diese Petitionen hinausge schickt hätte. Er brauchte ja nicht sofort Ja zu sagen zu allen 4 Punkten der Petition, er konnte aber sagen, ich erkenne au, daß hier nicht Alles koscher ist, ich will mir's überlegen, und wcnn's möglich, soll's geändert werden. "(Stürmischer Beifall.) Ich bin der Neberzcugnng, es hätten so diese Tumulte vermieden werden können, die der Sache nur schaden, den Juden nur nützen. Wenn in diesen Aeußerungen ein Vorwurf liegen sollte, so halte ich mich für verpflichtet, ihn liegen zu lassen." Charakteristisch ist aber, daß der Herausgeber eines Organs der antisemitischen Studcntenkrcise jüngst dem Fürsten Bismarck die bis dahin erschienenen Nummern mit einen Schreiben zugesandt. Daraus hat Fürst Bismarck erwidert: „Varzin, 17. September 16*1. Ich danke; Ihnen verbindlichst für die Uebersendung der von Ihnen I herausgcgebeneu Blätter und für die freundlichen Zeilen, mit welchen Sie dieselben begleitet haben. Ich habe mich gefreut, auch in dieser Kundgebung den patriotischen Geist ' 42