Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1881)
- Date
- 1881-10-11
- Page
- Seite 679 (sequence 11)
- Language
- German
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679 seit mehreren Monaten eine rege Agitation gegen die Juden; Nichteinhaltung der mosaischen Glaubensvorschriften, vornehmsie wurden schon am vorigen Ostersonntag durch Plakate lich des Sabbathrauchens und des nicht ganz koscheren Esiens, aufgefordert, nach Palästina auszuwandern. Die Agitation, als plötzlich der Aufruf erscholl: „Es brennt!" Obwohl nun an deren Spitze ein Lehrer und ein Arzt, Namens Platthy, blos ein Vorhang Feuer fing und auch sofort gelöscht wurde, stehen, ging soweit, daß die Juden sogar in den Gaffen mit so bemächtigte sich dennoch Aller ein panischer Schrecken, zu- Meffern bedroht wurden. In den jüngsten Tagen nahmen , mal aber bei der Frauenabtheilung. Alle drängten sich die Feindseligkeiten gegen dieselben einen immer bedenklicheren * gegen den Ausgang, um in's Freie zu gelangen. Doch auf Charakter an und hielt es der Stuhlrichter Ladislaus Horvath, einmal brach die wahrscheinlich morsche Treppe, und die dawie P. N. schreibt, für geboten, die ganze Nacht von Freirauf befindlichen Frauen und Kinder, über fünfzig an der tag auf Samstag mit Polizisten durch die Straßen zu pat- Zahl, fielen in den unteren Raum der Synagoge, einen verrouilliren, um Zusammenstöße hintanzuhalten. — Als nun am vorigen Samstag, am 1. Tage Rosch-Haschanah, die Juden vor dem Tempel standen, fuhr der Arzt Platthy zwischen sie und fuhr mehrere nieder. Die Jüngeren und Muthigeren der Angegriffenen riffen hierauf den Arzt vom Wagen und wälzten ihn im Kothe. Platthy hatte eine Pistole und wollte in den Tempel hineinschießen, woran ihn der Richter Zay kaum hindern konnte. Die Juden haben nun an den Minister des Innern eine Deputation entsendet, welche bereits hier eingetroffen ist und morgen bei Herrn von Tißa Audienz nehmen wird. Es steht zu erwarten, daß die Regierung energische Maßregeln gegen die Aufwiegler ergreifen wird. — Nachschrift vom 28. Sept.: Die Deputation der Paßtoer isr. Gemeinde, welche heute Mittag einpfangen wurde, entließ Herr von Tißa mit den Worten: „Diese unangenehme Nachricht hat mich tief ergriffen, ich werde sofort strenge Verfügungen treffen. Seien Sie nur ruhig." — Wie „Függ." wissen will, wurde die Deputatton der Paßtoer israel. Kultusgemeinde nicht vom Minister-Präsidenten, sondern vom Staatssekretär Pronay empfangen; dieser übersandte die schriftlich eingereichte Petttton sofort an den Bicegespan des Hevesen Komitats mit der Weisung, an Stelle des Stuhlrichters Horvath unverzüglich einen anderen Stuhlrichter nach Paßto zu delegiren und wurde der Stuhlrichter Ham mit der Durchführung der Untersuchung betraut. Die Paßtoer Judenhetze hat auch schon Nachahmung gefunden und zwar in der Nähe Paßtos, in Losoncz, wo am 25. d., wie „P. Cl." geschrieben wird, der beim Kaufmann Herz angestellte Anton Stern und der Losonczer Stationschef Groß, ein Ingenieur und ein Eisenbahncassirer in einem Kaffeehause in Losoncz einen ruhig dasitzenden Juden überfielen und arg mißhandelten. Osvieeim, (Galizien) 26. Sept. (Bresl. Ztg.) Der 25. September d. I. ist für die israelitische Bevölkerung der Stadt Oswiecim in Galizien ein Tag der ttefften Trauer geworden; als Schreckenstag wird dieser israelittsche Neujahrstag noch lange.^Jahre im Gedächtniß bleiben. Die hiesige Synagoge war bis zum Erdrücken überfüllt, und ebenso das Chor der Synagoge, wo die Frauen ihre Plätze haben. Der Rabbiner hielt eben eine Strafrede an die Gläubigen, wegen worrenen Knäuel bildend. Die Szenen, die sich da abspielten, spotten jeder Beschreibung, denn während die am Chor gebliebenen Hunderte von Frauen nnd Kinder, keinen Ausweg vor sich sehend, in der größten Todesangst kreischend und jammernd Hilferufe ausstteßen, befanden sich die Männer in der furchtbarsten Aufregung und Angst, da in der gräulichen Verwirrung Jeder glauben mußte, daß die eigene Frau oder das Kind bereits dem Tode anheimgefallen sei. Rettung war in diesem Augenblick oder schien wenigstens unmöglich zu sein. In der Stadt verbreitete sich sofort das Gerücht von dem Unglück und die Zurückgebliebenen eilten nun auf die Stätte des Unglücks, hier noch, wo möglich, die Verwirrung und Angst vermehrend, denn in das Innere der Synagoge konnte man nicht eindringen, da durch den einzigen, ohnehin schmalen Ausgang die Menge in's Freie zu gelangen suchte. Erst nach einer geraumen Zeit gelang es einigen Besonnenen, Rettung zu bringen, es wurden Fenster aufgemacht, wodurch die Frauen auf ein niedriges Dach der Synagoge hinaussteigen und von da auf Leitern, die man herbeischleppte, heruntersteigen konnten. Aus dem wirren Knäuel der durch den Treppen-Einbruch aus die Erde gefallenen Frauen brachte man nach und nach vier gräßlich verstümmelte Frauenleichen, während über zwanzig Schwerverwundete und eine größere Zahl leichtverwundeter Frauen und Kinder hervorgezogen wurden. — Schuld an diesem traurigen Ereigniffe ist zumeist der Umstand, daß erst vor drei Monaten ein Theil der Stadt abbrannte und die Gemüther, vornehmlich der Frauen, demnach noch aufgeregt sind, und überdies vor einigen Tagen das unsinnige Gerücht sich verbreitete und auch Glauben fand, daß am Bersöhnungstage die Synagoge mittelst Dynamit in die Luft gesprengt werden solle. Unverzeihlich ist aber der Leichtsinn des Synagogen-Vorstandes, daß er nicht schon längst die morsche Treppe beseitigen ließ. Frankreich. Ballan, (lnärs et Loi*e), (Privatmitth.) Wir haben früher ein Äeferqt über die ^Schript des Obersten Gabriel Salvador, das Leben und die Werke seines Oheims betteffend, gegeben und haben die Genugthuung, vom Herrn Obersten ein ausführliches Schreiben zu erhalten, in welchem 41*