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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-11 · Heft 41 (11.10.1881) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 41 (11.10.1881)
Date
1881-10-11
Page
Seite 678 (sequence 10)
Language
German
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678 L. Generalagent einer Lebensversicherung. Er soll nicht bloß in öffentlichen Wirthshäusern sich in heftigster Weise gegen die Juden ausgesprochen, sondern auch die Petition colportirt und antisemitische Propaganda zu machen versucht haben. Daß seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt wurden und die Petition nur wenige Unterschriften gefunden hat, das haben wir wesentlich unserem hochverehrten Oberbürgermeister Ohly zu verdanken, der, wie ich s. Z. in dieser Zeitung berichtet habe, durch seine in einer Stadtverordneten - Versammlung öffentlich im Sinne der Humanität und der Gerechtigkeit abgegebene Erklärung der antisemitischen Bewegung in hiesiger Stadt die Spitze abgebrochen hat. — Der erwähnte Generalagent L. ist nun vor einigen Wochen flüchtig geworden und wird seit ungefähr 8 Tagen in der „Darmstädter Zeitung" vom großherz. Staatsanwalt wegen Betrugs steckbrieflich verfolgt. Ein ebenbürtiger Compagnon gewiffer Berliner antisemitischer Agitatoren. Homburg v. d. Höhe, Ende September. (Privatmitth.) Ich glaube gewiß, mir den Dank Ihrer geehrten Leser zu verdienen, wenn ich in dieser geschätzten Zeitung von einem in jetziger Zeit sehr wichtigen und intereffanten Ereigniffe berichte, das kürzlich im Lande Baden flattfand und mir von sehr glaubwürdiger Seite mitgetheilt wurde. Bei Gelegenheit der Doppelfeier in Karlsruhe, der silbernen Hochzeit des großherzoglichen Ehepaares und der Vermahlung ihrer Tochter Prinzessin Victoria mit dem Kronprinzen von Schweden, überbrachte eine Deputation, unter Führung des Herrn Oberrath Wiüstätter, dem großherzoglichen Ehepaare die Glückwünsche der Israeliten des Badischen Landes. In seiner Ansprache hatte Herr Oberrath W. hervorgehoben, daß die Bekenner des israel. Glaubens es dankbar zu würdigen wüßten, daß das Herrscherpaar Seinen israel. Unterthanen mit der gleichen Huld und Liebe zugethan sei wie allen anderen Genoffen des engern Vaterlandes. Hierauf erwiderte Seine Kgl. Hoheit der Großherzog, nachdem er einige höchst huldvolle und schmeichelhafte Worte an den Sprecher persönlich gerichtet hattet) ungefähr Folgendes: Für die Gesinnungen, die Er den Israeliten gegenüber hege, verdiene Er keinen Dank, es sei dies Seine Pflicht, denn Sein Glaube lebre Ihn, alle Seine Mitmenschen zu lieben. Er kenne darum keinen Unterschied unter den Menschen, Ihm seien Alle gleich. Er werde an diesem Grundsätze immer festhalten. Der Sprecher möge dies nebst Seinem Danke seinen Glaubensgenoffen, deren Vertreter er sei, mittheilen. Auch Ihre Kgl. Hoheit die Großherzvgin sprach in den huldvollsten Worten Ihren Dank aus und fügte hinzu, daß Sie es dankbar anerkenne, daß die israel. Frauen Sie in Ihren Bestrebungen für Armen- und Krankenpflege stets lebhaft unterstützten. Auch gegen die anderen Mitglieder der Deputation, die beiden Conferenz-Rabbiner Herrn vr. Schwarz in Karlsruhe und Flehinger in Merchingen, waren die Kgl. Hoheiten sehr freundlich. — Möge es mir vergönnt sein, im neu angebrochenen Jahre viele solcher schönen und erhebenden Borkommniffe zu hören und meinen Glaubensgenoffen berichten zu können. 6emar Chassimoli Tauwoh! Louis Lehmann. l) Aus verschiedenen Gründen unterloffe ich es, hier dasjenige wirderzugrben, was rein persönlich aber sehr ehrenvoll für Herrn nnd i\ran Oberrath W. ist. In dieser Beziehung machte der ungetürzre Ansienzberickt einen fast rührenden Eindruck. Erwähnen will iw jedoch noch, Satz der Großherzog sowohl, wie Seine Frau Gemahlin während ihrer Ansprachen die Hand des Herrn Oberraths ergriffen und sesthielten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 24. September. Wie die „Deutsche Zeitung" meldet, hat Baron Hirsch eine Million Francs zur Beförderung der Auswanderung russischer Juden nach Amerika gespendet. Möchte dieses hochherzige Beispiel auch auf die anderen jüdischen Finanzgrößen, z. B. die Famile Rothschild, wirken: dann könnte allerdings die Auswanderung für eine größere Zahl Individuen zur Ausführung gebracht werden. Wien, im September. (Privatmitth.) Die „Jsraelittsche Allianz zu Wien" hat Nr. 4 ihrer „Mittheilungen ausgegeben. Mit Befriedigung ersieht man daraus, daß dieselbe immer mehr Mitglieder gewinnt, namentlich auch in Ungarn, das sich so gern gegen alle anderen Länder abschließt. Hervorheben wollen wir, das sich auch der Podest« in Triest, vr. Riccardo Bazzoni, viele Mühe um die Verbreitung der Allianz daselbst giebt. Die hauptsächlichste Bemühnng der Allianz in der letzteren Zett richtete sich auf die. Unterstützung der unglücklichen russischen Juden. Bon den bei ihr eingelaufenen Spenden hat sie zur Bertheilung gebracht 10,000 Rubel in Kiew, 1100 in Woloczyska, 4000 in Smiela, 5500 in Odessa, 2500 in Berczowka, 2000 in Smerinka, 2000 in Alexandrowsk, 1000 in Golta, 1500 in diversen Städten. Weitere 7000 Rubel find in Bertheilung und werden wir seinerzeit die diesbezüglichen Details bringen. Ein Hauptaugenmerk richtete sie auf die Auswanderung nach Amerika, wozu sie die Pariser Allianz, die Londoner Association und die Vereinigung der amerikanischen Gemeinden in Anspruch nahm. Cs wurden bereits 105 Individuen, darunter 15 Familien, zur Einschiffung nach Antwerpen ausgestattet. Hierbei werden immer die zur Auswanderung Unfähigen ausgesondert und mit Mitteln versehen, nach ihrer Heimath zurückzukehren. Die Pariser Allianz steuerte hierzu 15,000 Frcs. und die Wiener Allianz 5000 Frcs. Möge diesem Anfang ein weiteres Vorgehen entsprechen! Pest, 26. Septbr. (Privatmitth.) Auch Ungarn, wo bis jetzt trotz Jstöczy's Wühlereien und Flugschriften die ver- , schiedenen Confessionen friedlich miteinander lebten und verkehrten, hat seinen Judenauflauf. In Paßt6 herrscht bereits

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