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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-11 · Heft 41 (11.10.1881) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 41 (11.10.1881)
Date
1881-10-11
Page
Seite 677 (sequence 9)
Language
German
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677 und heute sollen Berühmtheiten wie Stöcker, Julius Schulze, nach dem anderen in jüdische Hände übergehe, während Meyer rc. den Sieg erringen? (Lebhafter Beifall.) Es ist ganze Provinzen kaum ein paar jüdische Gutsbesitzer entdies ein Zeichen, daß man nicht nur eine Umkehr will, sonhalten. Aber diese Erhebung durch Resolution des Landdern noch eine besondere Demüthigung für Berlin in Austages beschließen, heißt wieder einmal die confessionellen sicht nimmt. (Bravo!) Berlin soll sich demüthigen vor dem Trennungen durch die höchsten gesetzgeberischen Faktoren Kanzler durch Wahl seiner Vertreter! Deshalb ist es nicht sanktioniren. Die Conservativen wollen hiermit den Landdie Frage des Fortschrittes und des Liberalismus, die hier tag und die Regierung in den Antisemitismus hineindrängeln, zur Entscheidung kommt, es ist die Frage der Ehre der und zwar auf die harmloseste Weise. Er muß ihnen dieses Stadt Berlin, die aus dem Spiele steht. (Stürmischer > Spiel gleich von Anfang an verdorben werden. Anderer- Beifall.) Aber jetzt bricht eine ungekünstelte Bewegung aus seits erwarten die Conservativen, daß Petitionen gegen und der Mitte der Bevölkerung durch, man fühlt, daß man' für die Juden beim Landtage einlaufen werden und daß schon zu lange das Treiben der Gegner geduldet, so lange man dann die Tribüne so recht zum Schallrohr antisemitischer Nachsicht geübt hat und daß man zu lange den guten Ruf j Phrasen wieder einmal machen könnte. Auch glaubt man, der Stadt Berlin hat auf's Spiel setzen lassen. (Beifall.) daß die liberale Partei die pommer'schen Vorgänge zur Es kommt jetzt darauf an, den wirklichen Ausoruck der An- Sprache bringen werde. Kurz, man reibt sich schon jetzt sicht der Berliner Bürgerschaft zur Geltung zu bringen, die Hände vor Vergnügen, wie man den Juden wieder ein« Wir hoffen, daß dies Gefühl mit jedem Tage, den wir uns heizen wolle. den Wahlen nähern, erstarken und daß dies Bewußtsein Stolp, 21. September. Vom hiesigen Schöffengericht alle Klassen der Bevölkerung ergreifen wird. Und wenn wurden in der letzten Sitzung anläßlich der antisemitischen dies der Fall ist, dann wird der 27. Oktober nicht ein Tag Tumulte in den ersten Tagen dieses Monats die Töpfergeder Demüthigung und Umkehr für Berlin werden, sondern sellen Schirm und Weichmann und der Zimmerlehrling ein Ehrentag für das freisinnige Bürgerthum! (Unbeschreib- Kutz ein Jeder zu einem Monat Gesängniß und Tragung licher, lang anhaltender Beifall und Hochrufe.)" — j der Proceßkosten verurtheilt. — Die Situtation wird von allen Seiten klarer, wenns Schneidemühl, 20. Sept. Mehrere Blätter beginnen damit auch trüber. Der „deutsch-evangelische Schulverein" einen Artikel von hier mit den breitgedruckten Sätzen: „Aus ist vorgestern hier zusammengetreten. In der Versammlung der Anklagebank saß heute der Vorstand der hiesigen plaidirte, nach dem „Reichsboten", „Rector Becker (Berlin) jüdischen Corporation. Es waren der Rentier Moses Asch, dafür, daß die Berliner Gemeindeschule wieder confessionellen der Kaufmann Behr und der Kaufmann Julius Saniuelsohn. Charatter bekomme. Was solle es heißen, wenn an den Das war ein Gaudeum für — Viele, nicht blos solche, hiesigen Schulen jüdische Lehrer unterrichten, wenn eine jüdie offen zu den Antisemiten schwören! Aber der Spaß wurde dische Lehrerin sogar am Reformationsfeste die Festtede ihnen gründlich verdorben. Die Anklage lautete aus Ueberhalte. Schon das bloße Dasein jüdischer Lehrer in den tretung des Gesetzes vom 23. Juli 1847. Der Vorstand Schulen bedeutet eine Verachtung und Untergrabung des hatte sich nämlich veranlaßt gesehen, einen Herrn Hirsch Christenthums. Dieser Zustand muß durch öffentliche Thätig- Rosenthal als Cultusbeamten in der Zeit vom Januar 1880 keit und durch Pettttonen bekämpft werden". Kann man jbis April 1881 anzustellen. Rosenthal war aber ein Ausfich selbst ein stärkeres Armuthszeuguiß ausstellen? 60.0001 länder, nämlich russischer Unterthan. Allerdings hatte er Lehrstellen an 33,000 Schulen giebt es in Preußen, darunter' schon 5 Jahre anderswo eine solche Stellung unangefochten befind höchstens 10 wirklich an öffentl. Schulen angestellte: kleidet, aber naturalisirt war er nicht. Dem Vorstande jüdische Lehrer und — die übrigen 59,990 Lehrer schreien, j konnte jedoch die Kenntniß dieses Umstandes nicht nachgeihr Deutschthum und ihr Christenthum sind in Gefahr —! wiesen werden, und der Gerichtshof, davon ausgehend, daß eine geringe Ehre für diese beide!! j-bcr Vorstand bona fide gehandelt hätte, sprach die Ange- Hanuover, Ende September. (Privatmitth.) Der hiej klagten frei, fige „Honnov. Cour.", der meist aus sehr zuverlässigen! Bischofswerder, 22. September. Seit einigen Tagen Quellen schöpft, theilt mit, daß die Conservativen sür die-fanden hier mehrfache Beleidigungen von Juden und Be- Session des Landtages einen Antrag auf Erhebung einer i schmutzung ihrer Häuser .statt. Ein Schuhmachergeselle Statistik des jüdischen Grundbesitzes vorbereiten. An und! wurde verhaftet, und die Polizei nimmt entschiedene Maßfür sich hätten wir eine solche statistische Erhebung nur zu regeln vor. wünschen, denn es würde durch eine solche wiederum eine! Darmstadt, im Okt. (Privatmitth.) Als im verflossenen antisemittsche Lüge mehr aus der Welt geschafft werden, Winter die antisemitische Petition des Di\ Förster hierher gcnämlich die, daß ein Haus nach dem anderen und ein Gut langt war, interessirte sich ganz besonders dafür ein gewisser 41

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