Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1881)
- Date
- 1881-10-11
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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075 Zerstörung ihrer Unschuld, ihrer Gemüths- und Seelenruhe daraus einsaugen und davontragen. Solch' eitles Aufblähen i rächt sich in doppelter Weise. Die Jugend wird dem Judenj thum dadurch entfremdet und abwendig, anstatt ihm mit größerer! Wärme zugeführt zu werden, und der Lehrer selbst erntet | nur. was er gesäet hat — Undank und Verlust-, Verlust an j seinem Ruse und — seiner Einnahme. Denn Mancher; seiner Schüler und manche seiner Schülerinnen, an denen er „sich versündigt" hat, indem er ihnen von dem vermeinten i icjm i Deutschland. Berlin, 2U. Sept. (Privalmitth.) Es darf doch wohl hervorgehoben werden, daß bereits eine nicht unbedeutende Zahl wohlhabender Juden von Berlin weggezogen ist Es find dies natürlich solche, welche von keinem gewerblichen Interesse hier sestgchalten werden, Rentiers und dergl. Sie wollen sich nicht den Beleidigungen des ersten besten Bummlers, der dabei sehr gebildet und gut gekleidet sein kann, ausgesetzt sehen, und nirgends Schutz finden. Das Beispiel Cautorowicz hat gezeigt, wie auch jede Selbsthülse böse Folgen nach sich zieht. Sv sagt man lieber dem Berliner Häusermeer Adieu und sucht sich eine friedlichere Statte aus. Wir wissen, daß dies auf das Geschick der großen Reichshauptstadt keinen Einfluß übt; aber jedenfalls zeigt es auf den in derselben herrschenden Grad von Gesittung und Gerechtigkeit hin. — Im Allgemeinen sieht man hier die Lage der Dinge und was die nächste Zukunft bringen wird, sehr; pessimistisch an. Selbst in Berlin hält man den Ausfall; der Wahlen für noch sehr zweifelhaft. In den Provinzen > werde die liberale Partei viele Sitze verlieren, und wenn die Fortschrittspartei einige gewinnt, so geschähe dies aus Kosten der Nationalliberalen. Ter Sieg der Eonservativen aber wird der Staatsregierung auch unbequem werden, und die letztere ist kaum gewillt, den eigentlichen Absichten der Eonservativen nachzugeben. Run, man weiß ja, wie man sich Hilst. Auf denjenigen Theil der Juden, der sich in den letzten Zeiten dem Judenthume sehr entfremdet hatte, wirken alle jene Vorgänge in bestimmender Weise. Sie sehen es als eine Ehrlosigkeit an, sich unter solchen Umstünden ihrem Stamme und Glauben zu entziehen. Ich kenne einige, welche aus der Erziehung ihrer Binder das eonfessionelle Element ganz ausschließen wollten, und gegenwärtig ihren Kindern jüdischen Religions- und hebräischen Sprachunterricht ertheilen lassen. Ich behalte mir vor, über diese Erscheinung noch Näheres mitzutheilen. Dagegen sieht man noch heute auch nicht den geringsten Schritt zu irgend Stein" der Weisen, statt vom unverfälschten Brode des Lebens gereicht, dürften einst der Gemeinde den Rücken kehren, aus derselben austreten, wo nicht gar dem Judenthume überhaupt abtrünnig werden. Mögen diese wohlgemeinten, wenngleich scharfen Worte nicht wirkungslos an den Ohren derjenigen vorübergehen, die sich getroffen fühlen und soinit Unheil von Israel abge wendet werden. L. R. cicfjxi cljlen. welcher energischen Abwehr aus ver Mitte der Juden thun. Bekanntlich hatte sich zu derartigem Zwecke ein Eomite gebildet. Aber dasselbe hat nichts geleistet, lvas als Thatsach liches dem Publikum bekannt geworden, noch dazu da in keinerlei Beziehung ein Rechenschaftsbericht abgegeben worden. Dafür hat man aber verhindert, was zu einem Resulial hätte führen können. Ich gebe hier nur eine bescheidene Andeutung, denn die Zeit, die Sache klar zu beleuchten, scheint mir noch nicht gekommen. - Recht schlimm ist das Verhältniß der jüdischen Studenten hier und in Breslau zu ihren christlichen Commilitonen, und werden viele derselben anderweitige Universitäten anssuchen. Bei alle dem wäre es ungerecht, nicht anerkennen zu wollen, daß die Staatsregierung bis jetzt dem antisemitischen Geschrei in keiner Weise nachgegeben hat. Es sind erst jüngst wieder einige Juden an den königl. Staatseisenbahnen und als Lehrer angeftellr worden, letztere an Realschulen und namentlich in naturwissenschaftlichen Fächern. Berlin, 28. Sept. Tie ..Tribüne", und nach ihr andere Berliner Blätter, enthält ein „Eingesandt", das wir wiedergeben, »veil wir bis jetzt noch keine Widerlegung gesunden haben: „Bekanntlich pflegt Herr Hofprediger Stöcker in seinen Wahlreden mit besonderer Bortiebe daraus binzuweiseu. daß die Liberalen bisher noch nichts Positives für das Volk gethan haben. Ohne uns an dieser Stelle auf eine Widerlegung der Behauptung des Wahrheitslieben den Apostels einzulassen, wollen wir einmal in aller Kürze die positiven Schöpfungen des streitbaren Hofpredigers vorführen. Veranlassung dazu giebt uns auch sein Plan, einen großen Saal im Eentrum der Stadt herzustellen, für dessen Bau bereits volle 22'U M. gezeichnet sind. Unmittelbar nach Begründung der christlich-socialen Arbeiterpartei im Jahre 1878 (man hat inzwischen die Bezeichnung ..Arbeiterpartei" einfach in „Partei" umgewandelt, da thätige Arbeiter überhaupt nicht den Christlich Socialen beitraten) erließ Herr Hofprediger Stöcker einen Ausruf zur Errichtung! eins Arbeiter-Jnvalidenhauses. In einem großen Arbeiter