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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-11 · Heft 41 (11.10.1881) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 41 (11.10.1881)
Date
1881-10-11
Page
Seite 673 (sequence 5)
Language
German
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673 sonders der ärmeren Klaffen der Bevölkerung richteten, wodurch sie eben von Seiten der Letzteren Proteste hervorrie-! fen, die sich in so bedauerlicher Form und Gewaltthätigkeiten. äußerten. Nachdem die Regierung die vorgcfallenen Exceffe! und Eigenmächtigkeiten energisch unterdrückt und die Judenj gegen Gewaltthätigkeiten zu schützen gesucht hat, sindet sie! es nicht weniger für geboten, unverweilt nachdrückliche Maßi nahmen zu ergreifen, um die zwischen Juden und Stamm einwohnern bestehenden abnormen Verhältnisse zu beseitigen und die Bevölkerung vor der schädlichen Thätigkeit der Juden zu wahren, die nach den lokalen Berichten die Unruhen hervorriefen. In Folge .meines Allerunterthänigsten Vortrages und nm die allergenaueste Kenntniß über die ökonomische Thätigkeit der Juden zu erlangen, da eine Zusammenstellung solcher Daten, deren allseitige Beleuchtung an Lrt und Stelle, wie Vorschläge zu Maßregeln zur Inschutznahme der Majorität der Bevölkerung vor dem ihr durch Juden verursachten Schaden (!) nicht nur sehr wünschenswerth wäre, sondern auch der Regierung zugleich als reichhaltiges Material dienen würde, geruhte Se. Majestät der Kaiser am 22. d. M. Allerhöchst zu befehlen, in dem Ihrer Verwaltung anvertrauten Gouvernement, wo die Juden einen bedeutenden Procentsatz der Bevölkerung bilden, für die Judensrage! unter Ihrem Präsidium eine lokale Kommission, bestehend! aus RtpräsMkanten verschiedener Stände und Corporationen,! unter Zulaffung von Juden, einzuberufen, der es obliegen > soll, Gutachten und Vorschläge zu formuliren uud dem j Ministerium vorzulegen, hauptsächlich über folgende Fragens 1) Welche Seiten der ökonomischen Thätigkeit der Ju>| den wirken besonders schädlich auf das Leben der Stammj bevölkerung der betreffenden Lertlichkeit? 2) Welche Hindernisse stören in der Praxis die stricte Anwendung der bestehenden Gesetze für Juden in Betreff von Ankauf und Pacht von Ländereien, Spiritusausschank und Wucher? 3) Welche Aenderungen der bestehenden Verordnungen, Aufhebung oder Ergänzung wären geboten, um das Umgehen der Gesetze seitens der Juden zu verhindern, und welche legislative und administrative Maßregeln wären zu ergreifen, um den schädlichen Einfluß der Juden in denjenigen Zweigen der ökonomischen Thätigkeit zu paralysiren, aus welche die Commission hindeuten wird. 4) Bei Vorlage der ausgearbeiteten Vorschläge gleichzeitig über Folgendes zu referiren: a. lieber das Procentverhältniß der Juden zu den Christen in den Städten, Flecken und Dörfern, b. Ueber die Schanklokale, die von Juden persönlich oder ffctiv durch Christen gehalten werden, a. Ueber die Zahl der christlichen Dienstboten bei Juden oder Gehilfen im Geschäfte, ck. Ueber den Umfang der von Juden gekauften und gepachteten Ländereien, und e. über die Anzahl der jüdischen Grundbesitzer. Indem ich Sie von obigem Allerhöchsten Willen in Kenntniß setze, erachte ich es für nöthig, noch darauf hinzuwcisen, daß oben bezeichnetes Programm, welches diejenigen Momente enthält, deren genaue Kenntniß zu wünschen wäre, durchaus nicht die Commission in ihrer Thätigkeit beengen darf, sondern je nach den lokalen Bedürfnissen in der Weise erweitert werden kann, wie cs Ew. Excellenz und die Com Missionsmitglieder für zweckmäßig erachten werden, sonach können außer oben angeführten Fragen auch alle anderen Mo mente, die irgend wie auf die örtlichen Lebensbedinqungen und die Thätigkeit der Juden Bezug haben, mit in den Kreis ihrer Berathungen gezogen und dein Ministerium unterbreitet werden. Zur Einreichung obiger Berichterstattung ist eine zweimonatliche Frist festgesetzt." Vom Religionsunterricht?) ii. Berlin, in den „Bußtagen". r:K'. nrNro - ~s Jer. 4-5,10. Wenn es irgend ein Gotttswerk giebt, so ist es der Religionsunterricht der Jugend, und wenn dieser je zu einer Zeit nothwendig und von höchster Wichtigkeit war, so ist es in der unsrigen, wo Gleichgiltigkeit von innen und Feindseligkeit von außen von neuem auf das Judenthum schädlich und unheilvoll wirken und es zu untergraben drohen. Erstere freilich weit unheilvoller als letztere und um so unheilvoller, als sie immer mehr um sich greift und von Dauer ist, während die neue Verfolgung, der wir auSgefetzt sind, Hoffentlich doch nur vorübergehend sein wird — wie eine Woge, die sich plötzlich aus der Meeressläche cmporhebt und am Strande ihr Grab sindet, indem sic, ohne alle Wirkung, in den Sand verläuft. Ganz ohne Wirkung ist die Verfolgung neuester Zeit jedoch wohl auch nicht geblieben. Der Sinn der Gemeinschaftlichkeit, der Zusammengehörigkeit, um nicht zu sagen der Solidarität, die uns ja von unseren Feinden zum; Borwurf gemacht wird, ist wohl unter dem Drucke von außen! von neuem geweckt worden, und mancher, der sich dem Judenthume entfremdet hatte, hat ihm seine doch nicht ganz ent ' wurzelten Sympathien wieder zugewendet. Gleichwohl sind auch nachtheilige Folgen daraus erwachsen. Wiederum, wie in jener Zeit des Rationalismus, wo dem Juden alle Aussichten verschlossen, alle Wege versperrt waren, falls er i nicht das Taufwaffer empfangen wollte, haben manche Eltern! 1) Die Redaktion gicbt unter dieser Uebcrschrift Aeußcrungcn über den Religionsunterricht von verschiedenen Seiten, ohne selbst die Verantwortlichkeit für alle darin ausgesprochenen Auntitcu zu übernehmen. Die Redaktion.

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