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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-11 · Heft 41 (11.10.1881) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 41 (11.10.1881)
Date
1881-10-11
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 Das Innere ist durchaus harmonisch gehalten. Die Theilnähme der christlichen Bevölkerung war eine allgemeine. An dem Wege, den der Zug vom alten Betsaale her nahm, war Alles reich beflaggt. An dem Zuge selbst nahmen auch die Geistlichen der christlichen Confessionen und die Mitglieder der bürgerlichen Collegien Theil. Ueber die Festpredigt des Rabbiner» Herz sagt der Berichterstatter: „Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht -hinreichen würde. Anknüpsend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Herz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Rächstenliebc ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens bethätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Zuhörer zu Herzen ging." Freitag, den 16. d. wurde die prächtig restaurirte alte Snnagoge zu Altona ihrem heiligen Berufe durch eine erhebende Feier zurückgegeben, nachdem während der ganzen Dauer der Renovirung die portugiesische Gemeinde ihr Gotteshaus der hochdeutschen in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Theilnahme war eine sehr allgemeine und der Eindruck der trefflichen Gesangsvorträge unseres Cantors Nathanson und des Synagogenchors sowie der ausgezeichneten Festrede des Oberrabbiners »i. Löb über den 122. Psalm ein sehr ergreifender. Der Redner sprach über das, was uns beim Betreten und beim Verlaßen des Gotteshauses beseelen müsse, damit der Zweck des Gotteshauses und des Gottesdienstes erfüllt werde Ebenso schreibt man uns aus Schwetz a. W. vom 28. Sept: Wieder haben in unserer Gegend Frömmigkeit und Opfersinn alle Hindernisse, welche ungünstige Zeitströmungen mit sich geführt, überwunden und ein Gotteshaus geschaffen, zwar einfach nnd ohne besonderen Prunk, aber sinnig und hinreichend, um dem religiösen Bedürfnisse unserer Mitbürger Genüge zu leisten. Tie Einweihung unserer neuen Synagoge ging in der erhebendsten und feierlichsten Weise vor sich. Eine vorzügliche Predigt, gesprochen von Herrn Rabbiner Or. Salzberger-Culm, herrlich ausgesührte Ehorgesänge und Solovorträge, die Anwesenheit der Spitzen der Behörden unserer Stadt und die Theilnahme aller Confessionen von Nah und Fern, — kurz Alles batte sich vereint, um dem Feste einen weihevollen und würdigen Charakter zu verleihen. Es ist in heutiger Zeit nicht überflüssig, zu erwähnen, daß der christliche Gesangverein, allen Vorurtheilen zum Trotz, in bereitwilligster Weise seine Mitwirkung zugesagt und durch vorzügliche Gesänge viel zur Erhöhung der Feier beigetragen hat. — Letztere begann mit der Nebergabe der Schlüssel an den Herrn Landrath, welcher nach einem kurzen Danke mit den Worten: „Wir glauben Alle an einen Gott'." die Thüren des n<.uen Gotteshauses öffnete und dasselbe seiner Bestimmung überwies. Die Feier, deren ergreifender Mittelpunkt die Festpredigt des Or. Salzberger bildete, ging in gewohnter Weise vor sich. Ein Aktenstück aus Rußland. Endlich, nach all' dem Wirrwarr, den die Berichte der verschiedenen Zeitungen darstellen, erhalten wir ein Aktenstück der russischen Regierung, nämlich das Cirkular des Ministers des Innern Graf Jgnatieff an die Gouverneure betreffs der Juden, welches die „Boff. Z." in wortgetreuer Uebersetzung erhalten hat. Das Schriftstück muß' bei jedem Borurtheilslosen einen peinlichen Eindruck machen, da cs sowohl nach seinen Voraussetzungen, als auch nach den getroffenen Maßnahmen die feindseligste Gesinnung gegen die Juden kundgiebt. Bon den berufenen Commissionen kann man nichts weiter erwarten, als daß sie — die Juden zum Verhungern bestimmen. Das Cirkular lautet: „Schon lange hatte die Regierung der ansehnlichen, in Rußland lebenden jüdischen Bevölkerung, wie den Beziehungen derselben zu den andern Nationalitäten des Reiches besondere Aufmerksamkeit zugewandt. — Indem sie die Folgen der ökonomischen Thätigkeit der Juden, deren nationale Abgeschlossenheit und religiösen Fanatismus (!!) als der christ lichen Bevölkerung schädlich erkannte, bemühte sich die Regierung in den letztverfloffenen 20 Jahren durch eine Reihe von Maßregeln die Assimilirung der Juden mit der übrigen Bevölkerung herbeizuführen und stellte die Juden in rechtlicher Beziehung fast der Stammbevölkerung gleich. (!'.??) — Indessen zeigte die im Frühjahre a. c. im Süden ausgebrochene antijüdische Bewegung, die sich auch auf mehrere Ortschaften Central-Rußlauds erstreckte, unwiderleglich, daß trotz aller Bemühungen der Regierung die abnormen Berhältniffe des jüdischen Stammes zu der übrigen Bevölkerung nach wie vor fortdauern. Das durch die Gerichtsverhandlungen anläßlich der jüngsten Unruhen Ermittelte, die Aussagen der Betheiligten, die Berichte administrativer Behörden, Bittschriften und Eingaben Privater bezeugen, daß die Hauptursache dieser dem russischen Volke unbekannten Itmtriebe m Umständen rein ökonomischen Charakters (!!) zu suchen sind. Die Juden haben in den letztverfloffenen 20 Jahren nach und nach nicht nur Handel und Gewerbe in ihre Hände geriffeu (!), sondern auch durch Kauf und Pacht einen bedeutenden Grundbesitz (!?) an sich gebracht, wobei sie mit geringen Ausnahmen Dank ihrer Compactheit und Solidarität ihre vereinten Kräfte nicht auf Vermehrung der Produktionsfähigkeit des Landes, sondern aus Ausbeulung der Stammeinwvhner, be-

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