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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-11 · Heft 41 (11.10.1881) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 41 (11.10.1881)
Date
1881-10-11
Page
Seite 671 (sequence 3)
Language
German
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671 Zeit wie die Gegenwart ist, wirkt es besonders angenehm i schilderte der Redner die Religion seines Volkes als die Re und tröstend zugleich, von solchen Festlichkeiten zu vernehmen und zwar aus noch einem bcsonderen Grunde. Die Einweihung einer neuen oder einer neurestaurirten Synagoge erregt immer mehr oder weniger Thcilnahme in der übrigen ligion der Herzensbelebung, der Geistescrleuchtung und der Verbrüderung. Die Worte des Vortragenden waren so durchdrungen vom Gefühle eines wahrhaft religiösen Bekenntnisses , so weit erhaben über jeden Geist engherziger konfessio- Bevölkerung des betr. Ortes, und cs ist uns von Interesse, i neller Schablone, daß die Zuhörer mit gespanntester Aufmerk - den Eindruck zu beobachten, den diese Kundgebung des sam keil an jedem seiner Worte hingen und wohl Alle mit Judenthums auf die Umgebung gemacht hat. Indem wir j dem Gedanken schieden: der israelitischen Gemeinde in St. daher heute über die Einweihung von vier Synagogen;u berichten haben, nämlich zu St. Gallen in der Schweiz, zu Göpp ingen in Württemberg, zu Altona und zu Schwetz, werden wir der ersteren eine größere Aufmerksamkeit zuweuden, weil dieselbe in der Ostschweiz die erste Synagoge ist und die Einweihung die Theilnahme der christlichen Bevölkerung ungewöhnlich in Anspruch nahm. Wir geben daher hier die Uitheile wieder, welche der Referent des „Tageblatt der Stadt St. Gallen" vom 26. Sept. abgab, noch dazu, da die Feier an sich hier wie überall dieselbe war. „Auf Mittwoch, Abends 6 Uhr war die Einweihung der von der hiesigen israelitischen Gemeinde neu erbauten Synagoge angekündigt und fand unter Thcilnahme nicht nur von Angehörigen der Gemeinde, sondern auch einer ziemlichen Anzahl eingeladener Gäste nicht - israelitischer Konfession statt. Es war in der That eine recht erhebende, acht religiöse Feier. War schon das prächtige, in edlen Formen und stimmungsvollen Farben ausgcführte Innere des neuen Gotteshauses dazu angethan, den Eintretendeu weihevoll zu stimmen, so wurde die religiöse Empstndung noch mehr gehoben und getragen durch die Feier selbst. Nach einem ernsten, Gallen, wenn sie von solchem Geiste ihres derzeitigen Vorstehers beseelt ist, soll eine heimische Stätte in unserer Stadt gewährt bleiben, und sie soll erfahren, daß sie im Hort unserer freiheitlichen Institutionen und Gesetze wohl geborgen und geschützt ist. Die Feier fand einen würdigen Abschluß in einigen dem Anlasie entsprechenden Dankes- und Segensworten des Herrn Engelbert: für die Eidgenossenschaft, die Schätzerin und Mehrerin der religiösen Toleranz, für die Behörden und die Bevölkerung von St. Gallen, in deren Obhut und Mitte die Israeliten nach verhältnißmäßig kurzer Zeit zur Bildung einer Gemeinde und zum Bau eines Tempels gelangt sind, für die Erbauer und Donatoren des letztern, für die verstorbenen Mitglieder der Gemeinde, denen nicht mehr beschiedcn war, das herrliche Gotteshaus zu schauen und endlich für die Häupter und Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Um halb <"> Uhr war die schöne Feier zu Ende. Für heute noch zum Schluffe die Mittheilung, daß die Mitglieder der israelitischen Gemeinde es sich zur Ehre anrechncten, anläßlich der so wohlgelungenen Feier der Einedlen Choralgesang einer Anzahl Mitglieder des „Frohsinn" § weihung der Svnagoge auch einen schönen Akt der Nächstenschritten die Träger der Thoras (der Mosaischen Gesetzes- | liebe gegen die Unglücklichen von Elm zu begehen, indem tafeln) durch den Tempel, und unter den üblichen Gebeten j sie zu deren Gunsten eine Kollekte aufnahmen, welche die und Gesängen geschay sodann das Oeffenen der Lade und das! erkleckliche Summe von I26ö Franken ergab — ein Resultat, Einhebcn der Thoras in dieselbe. Weitere Choralgesänge! das sprechendes Zeugniß davon ablegt, daß die hiesige israesolgten, abwechselnd mit Dank- und Weihegebeten. Die Festpredigt, mit welcher der Rabbiner der Gemeinde, Hr. Di-. Engelbert, die Feier krönte, war ein von solch erleuchtetem, wahrhaft religiösem Geiste getragener Bortrag, daß wir hätten wünschen mögen, es wäre einem noch größer» konfessionell gemischten Auditorium vergönnt gewesen, denselben anzuhören; es würde jeder Zuhörer reich erbaut und belehrt über die vielverkanntc jüdische Lehre von dannen gelitischc Gemeinde nicht abgeschloffen und engherzig blos ihren religiösen Gebräuchen obliegt, sondern daß sie weitherzig und opferfreudig auch ihrer christlichen Brüder gedenkt und die Lehren ihrer Religion in einer Weise ins praktische Leben überträgt, die auch den Bekenncrn des christlichen Glaubens ungetheilte Sympathie abringen muß". Auch in Göppingen (Württembergs, das jüdischer Seils erst in neuerer Zeit durch Zuzug aus der alteren Gegangen sein. Der Vortragende gab den Nachweis, daß der! meinde Jebenhausen bevölkerter geworden, hatte man sich israelitische Kultus ebenso weit entfernt sei von dem ihm so; bisher mit einem Micthlokal begnügt, welches jetzt durch vielfach imputirten verknöcherten Formalismus, wie sein Beeine neuerbaute Synagoge ersetzt worden ist. Sic steht in kenntniß fern von engherziger, beschränkter Intoleranz. Die der neuen Straße mitten zwischen den Kirchen der beiden Synagoge könnte nach dem tiesinnerstcn Geist des Juden-! christlichen Consessionen und ist mit ihrer hochanstrebenden thums ebenso gut ein Gotteshaus sein für alle Völker, in Kuppel stylvoll gebaut. Eine hübsche Terrasse führt zu dem welchem sie alle ihr Gebet zu Einem und demselben höchsten reichgeschmückten Eingang hinauf, über welchem wie an an- Wesen cmporsendeten. In begeisterter, formvollendeter Sprache deren passenden Stellen hebräische Jusclniiten angebracht find.

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