Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1881)
- Date
- 1881-10-04
- Page
- Seite 663 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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663 Du wirst ihn tödten und seinen Hort, Die Reichskleinodien besitzen. Heisa! wie wird auf deinem Haupt Die goldene Krone blitzen! Wer so etwas als Deutscher schreibt, kann nur mit Leib und Seele ein patriotischer Deutscher sein, wenn er auch Frankreich und die Franzosen liebte. Noch mehr, schon im Jahre 1834 sagte er: „Hütet euch", sagt Heinrich Heine, der deutsche Dichter, der die Franzosen liebte, „ihr Nachbarkinder, ihr Franzosen, und mischt euch nicht in die Geschäfte, die wir zu Hause in Deutschland vollbringen. Es könnte euch schlecht bekommen. Hütet euch, das Feuer anzufachen, hütet euch, es zu löschen. Ihr könntet euch leicht an den Flammen die Finger verbrennen. Lächelt nicht über meinen Rath, über den Rath eines Träumers, der euch vor Kantianern, Fichteanern und Naturphilosophen warnt. Lächelt nicht über den Phantasien, der im Reich der Erscheinungen dieselbe Revolution erwartet, die im Gebiete der Geister stattgefunden. Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. — Und die Stunde wird kommen. Wie auf den Stufen eines Amphitheaters werden die Völker sich um Deutschland herumgruppiren, um die großen Kampffpiele zu betrachten. Ich rathe euch, ihr Franzosen, verhaltet euch alsdann sehr still.... Wenn wir früherhin in unserem servil verdrossenen Zustande euch manchmal überwältigen konnten, so vermöchten wir cs noch weit eher im Uebermuth des jungen Freiheitsrausches. Ihr wißt ja selber, was man in einem solchen Zustande vermag. Nehmt euch in acht! Ich meine es gut mit euch und deshalb sage ich euch die bittere Wahrheit. Ihr habt von dem befreiten Deutschland mehr zu fürchten, als von der ganzen heiligen Allianz, mitsammt allen Kroaten und Kosaken." „So schrieb Heinrich Heine, als jedermann in Deutschland noch an das wunderthätige Heldenthum der Franzosen glaubte, und wie herrlich ist diese, wie die vorige Prophezeiung in Erfüllung gegangen!" Der Artikel schließt: „Der Zweck dieser Veröffentlichung ist lediglich die Ehrenrettung Heinrich Heine's, der trotz dem und alledem, daß er vielfach geschmäht worden und daß ihm während vieler Jahre keine großen Sympathien entgegengetragen wurden, dennoch sein Vaterland liebte und hochstellte und ihm eine so glänzende Zukunft verkündete!" Auflage. (Hamburg, Hoffmanu Campe. 186V.)" S. hl unter der Ueberschrift „Wo?" klagt er: „Wo wird einst des Wandermüden Letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden in dem Rhein? Werd' ich wo in einer Wüste Eingescharrt von fremder Hand? Oder ruh' ich an der Küste Eines Meeres in dem Sand?" In dem originellen „Abschied von Paris" (S. 61) heißt es: „Ade, Paris, du theure Stadt, Wir müssen heute scheiden. Ich lasse dich im Ueberfluß Bon Wonne und von Freuden. Das deutsche Herz in meiner Brust Ist plötzlich krank geworden. Der einzige Arzt, der es heilen kann. Der wohnt daheim im Norden." Und weiter: „Ade, mein Weib, mein schönes Weib, Du kannst meine Qual nicht raffen, Ich drücke dich so fest an mein Herz, Und muß dich doch verlassen. Die lechzende Qual, sie treibt mich fort Von meinem süßesten Glücke — Muß wieder athmen deutsche Luft, Damit ich nicht ersticke. Die Qual, die Angst, der Ungestüm. Das steigert sich bis zum Krampfe, Es zittert mein Fuß vor Ungeduld, Daß er deutschen Boden stampfe." Es waren dies wirkliche Empsindungen, und Heine reist nach Deutschland. Wie viele von den Millionen deutscher Auswanderer haben solche Empsindungen gehabt und sie so ausgesprochen? Unter den „Gedanken und Einfällen", die den Schluß des Buches bilden, heißt cs S. 187: „Mein Geist fühlt sich in Frankreich exiliert, in eine fremde Sprache verbannt." Das ist doch ein Bekenntniß aus dem tiefsten Innern heraus. Wir würden glauben, daß vor solchen Zeugnissen Es würde der Mühe verlohnen, eine weitere Auslese! selbst die Verleumder verstummen müßten, wenn wir nicht von Stellen aus Heine's Schriften zu machen, welche seine! zu sehr erfahren hätten, daß diese Leute auch die überwälecht patriotische Gesinnung bekunden. Hier wollen wir uns! tigendsten Beweise mißachten und sie ignorirend in ihren begnügen, Einiges aus dem Bande anzuführen: „Letzte Ge-! Lügen sortfahren. dichte und Gedanken von Heinrich Heine. Aus dem Nach- - lasse des Dichters zum ersten Male veröffentlicht. Dritte 40'