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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-10-04 · Heft 40 (4.10.1881) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 40 (4.10.1881)
Date
1881-10-04
Page
Seite 662 (sequence 10)
Language
German
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6& Aeuil Heiurich Heine als deutscher Patriot.! Es gehört zu der, von den Antisemiten und Anderen j cifrigst genährten Fälschung der öffentlichen Meinung, daß j sie Heine und Börne als Berräther an Deutschland, als! Franzosensreunde und Deutschenverächter darstellen und j brandmarken, und hieraus nun eine Folgerung auf biej nationale Gesinnung der Juden überhaupt ziehen. Wir nahmen deshalb jüngst in einem Leitartikel Gelegenheit, auf! die Lügenhaftigeit jener Behauptung hinzuweisen, da beide,« Heine wie Börne, vom wärmsten patriotischen Geiste beseelt waren und an den Streben und Ringen um den deutschen Nationalgeist den thätigsten und wirksamsten Antheil ge-I nommen haben. Eine Illustration hierzu brachte die „Köln.! Zeitg." vom 10. September in einem Artikel: „Heinrich! Heine als echter Prophet". Wir sind nun weit entfernt,! Heine für einen „echten Propheten" anzusehen, weil er in! allerdings merkwürdiger Weise den Sieg Deutschlands über j Frankreich und den Sturz der Bendöme - Säule vorausgej sagt hat. Letzteres trifft insofern nicht einmal zu, als die i Bendöme- Säule, nachdem die scheußliche Commune wieder! unterdrückt worden, alsbald von der Republik wieder ausge-z richtet wurde. Den Sieg Deutschlands über Frankreich ver-! kündet zu haben, zeugt von dem richtigen und scharfsichti-! gen Urtheil Heine's, der beide Völker, ihr Wesen, ihre! Kräfte und Zustände so genau kannte; es gehörte aber keine! prophetische Gabe dazu, zudem, wer 1840 die alle Deutsche! beseelende Begeisterung für den etwaigen Kampf gegen Frank'! reich mit durchlebt hat, und gerade damals schrieb Heine! die in dem Artikel citirten Verse. Man erlaube uns auch hier die Bemerkung einzuschalten, daß im biblischen Sinnes die Voraussage der Zukunft zum Wesen der Prophetie gar nicht gehörte. Der gewöhnliche Ausdruck bedeutet „begeisterter Redner", und die älteren Bezeichnungen r.x-, ~r, die der ersteren wichen, deuten vielmehr auf die inneren geistigen Schauungen (Visionen :::), als auf das Boraussehen der Zukunft hin. Ja, das Buch Jo nah ist ausdrücklich geschrieben, um die im Volke verbreitete Ansicht, daß der Prophet die Zukunst Voraussagen müffe, zu bekämpfen, und j auszusprechen, daß der Beruf des Propheten darin bestehe, j dem Volke die ewigen Lehren der Sittlichkeit zu verkünden, es zur Umkehr und Buße zu mahnen. Was aber aus dem angesührten Artikel so recht hervor-j tritt, das ist die echt patriotische deutsche Gesinnung Heine's. Wer solche Verse, wie wir sie unten ansühren werden, 1840 in Paris schrieb, der besaß mehr Patriotismus als Alle, welche sich mit Patriotismus aufblähen und nachdem sie Haß und Gift, Lüge und Verleumdung gepredigt, nachdem l eto n. sie die deutsche Nation durch Religions- und Klaffenhaß zu zerreißen und zu zerklüften gesucht, „Deutschland, Deutschland über Alles" singen. Wir unsrerseits haben bei aller Bewunderung des Talentes Heine's niemals seine Schwächen übersehen, besonders seine Frivolität, die ihn oft genug bis zur Geschmacklosigkeit verleitete. Wir können uns z. B. auf unsre Besprechung des „Romanzero" nach deffen Erscheinen berufen (s. Jahrg. 1851, Nr. 47. 48. 49). Aber darum seinen Patriotismus, seinen echten deutschen Nationalgeist zu leugnen, in's Gegentheil zu wandeln und daraus nock Capital zur Berurtheilung deutscher Juden zu machen, weil Heine seinen Aerger und Spott über die damals der deutschen Welt anhaftenden Flecken in manchmal bitterer, sarkastischer Weise ausließ, das zeugt entweder von bösem Willen oder von erbärmlicher Kurzsichtigkeit. In diesem Sinne müßte auch dem spezifisch deutschen Dichter Jean Paul der Patriotismus und deutsche Geist abgesprochen werden, weil er in seinen früheren und besten Schriften sehr oft das heilige römische Reich deutscher Nation, den Reichstag, die Reichssürsten, die Reichsstädte mit dem gesammten Philisterkram aufs Bitterste verspottet hat. Doch kommen wir nun zu dem Artikel der „K. Z." In demselben beißt es unter Anderem: „Von Franzosen ist vielfach behauptet worden, „Heinrich Heine sei ein ftanzösischer Dichter"; sie hätten bedenken sollen, was er in nachstehenden, anfangs der vierziger Jahre in Paris geschriebenen Versen über Deutschland sagt: Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt es mit wilder Flamme. Bei solcher Nahrung wächst man schnell Und kockt das Blut in den Adern. Ihr Nachbarskinder, hütet euch. Mit dem jungen Burschen zu hadern. Er ist ein täppisches Rieselein, Reißt aus dem Boden die Eiche, Und schlägt euch damit den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht er, dem edlen Fant, Von dem wir singen und sagen. Der hat, nachdem er geschmiedet sein Schwert, Den Ambos entzwei geschlagen. Ja, du wirst einst wie Siegfried sein Und tödten den häßlichen Drachen. Heisa! wie freudig vom Himmel herab Wird deine Frau Amme lachen!

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