Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1881)
- Date
- 1881-09-27
- Page
- Seite 648 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gemeinde begründet wurde. — Grätz, Geschichte der Juden X. 306 vindizirt ihm das Verdienst, daß er das Verbot des Werkes von Eisenmenger erweckte und diese Ansicht wird in der „Allg. Zeitung d. I." No. 30 S. 489 reproduzirt. Doch gebührt auch dieses Verdienst nicht Samuel Oppenheimer, sondern Samson Wertheimber, wie ich dies in dem Artikel: „Der Proceß Eisenmenger" in Grätz „Monatsschrift" 1869 S. 380 ausführlich mitgetheilt habe. G. Wolf. Tessin, (Mecklenburg) im Sept. Die von dem Meckl. Landesrabbiner, Herrn Dr. Feilchenfeld, herausgegebene „Anleitung zum jüdischen Religionsuntericht" hat in den Kreisen, für die sie bestimmt ist, wie es scheint, nicht die Würdigung gefunden, die diese bedeutsame Schrift beanspruchen darf. Sie hat daffelbe Schicksal zu erdulden, das diejenigen Erscheinungen betrifft, die aus dem gewohnten Geleise heraus- und neue Bahnen betreten: Weil unverstanden gehen viele achtlos an ihnen vorüber, allmählig erwacht das Berständniß für sie und man wundert sich, wie man für so viele Vorzüge blind sein konnte. Diese Zeilen haben den Zweck, meine Amtsgenoffen auf die eigenthümliche Behandlungsweise des religiösen Stoffes von Seiten eines Gelehrten aufmerksam zu machen, der bei scharfsinniger Beobachtungsgabe durch langjährige Erfahrung große Erfolge auf dem Gebiete der Schule aufzuweisen hat. — Es ist nicht zu leugnen, daß wir beim Unterricht in der bibl. Geschichte mehr oder weniger von ftemden Anschauungen und fremden Vorbildern abhängig waren. Unbewußt trugen wir fremdartiges hinein in das Bibelwort, verweilten bei Unwichtigem viel zu lange, während wir das Wichtige nicht genug und oft nicht in der rechten Weise benutzten. Der Verfasser vorstehender Schrift hat diese Fehler glücklich vermieden. Er erzählt nicht blos die Geschichte, er erklärt sie auch, er läßt jeden Vorgang in seinem natürlichen und wirklichen Geschehen vor uns entstehen und wirft dabei aus Personen und Thatsachen Streiflichter, die manches bisher Unverstandene erklären, Anderes in einem ganz neuen Lichte erscheinen lassen. Ich verweise nur auf die Darstellung der Geschichte Davids, Michals :c. Zwei Gesichtspunkte sind es hauptsächlich, die er beim Unterrichte berücksichtigt haben will: I. Daß jeder Unterrichtsstoff die Grundlage der religiösen Ueberzeugung der Kinder werde, 2. daß diese durch den Bibelunterricht mit freudigem Stolze auf unsere große Vergangenheit erfüllt werden. Der Verfasser sagt darüber auf S. 20 seiner Schrift: „Wir werden das weitgesteckte Ziel erreichen, wenn wir sorgfältig aus unserem Unterrichte Alles ausscheiden, was nicht nothwendige Grundlage ist für die religiöse Ueberzeugung, die sich später darauf aufbauen soll, wie wir bei Allem, was wir den Kindern erzählen, immer im Auge behalten müssen, ob sie durch das, was sie hören, auch mit Freude und Stolz auf unsere große Vergangenheit erfüllt werden. Wo man noch, wie früher, die ganze Bibel und einen Theil der rabbinischen Literatur den Kindern geben kann, da mag man es den so viel Wissenden selbst überlassen, sich darin zurecht zu finden. Wir aber, die wir die Bibel doch nur theilweise den Kindern überliefern können, wir müssen schon für sie das aussuchen, was unzweifelhaft geeignet ist, ihnen das Bibelwort und die ganze religiöse Lehre zu einer Herzensfreude und zum Gegenstände der größten Ehrfurcht zu machen. Wenn wir das Eine kurz, sehr kurz behandeln, so gewinnen wir genug Zeit für das Andere, das Wichtige." Den ganzen Unterrichtsstoff zertheilt er auf drei Stufen und giebt in der vorstehenden Schrift Winke und Andeutungen, wie derselbe auf den beiden unteren Stufen behandelt werden muß. Ein zweiter Theil soll die bibl. Erzählungen auch der Theilung des Reiches, die hervorragenden Stellen aus den Reden der Propheten, sowie die spätere jüdische Geschichte darstellen und eine kurzgefaßte Religionslehre enthalten. Schon auf der untersten Stufe weicht des Verfassers Methode von der üblichen ab. Es soll auf dieser Stuse nicht Geschichte gelehrt, sondern es sollen nur Geschichten erzählt werden, die der Fassungskraft des Kindes angemessen sind und auf sein Gemüths- und Geistesleben erhebend, bildend und sittigend einwirken. Auf der zweiten Stufe tritt die systematische Geschichte schon mehr in den Vordergrund, doch werden uns nur diejenigen Momente hervorgehoben, die das innere und religiöse Leben der Kinder dieses Lebensalters berühren. Alles ist planvoll, methodisch, von tiefer Einsicht in die kindliche Natur, wie in die religiösen Bedürfnisse der Gegenwart zeugend. Es würde mich fteuen, wenn ich viele Collegen zum Studium dieser Schrift und den Verfasser zur Herausgabe des zweiten Theiles angeregt hätte. G. Frank. Jeuilleton. Die Juden im Innern von Tunis.! sonders nahe bei Zaphuan, in Tessur, in der Nachbarschaft Mitgetheilt von Hdnard Hkaser. I von Bescha und unter den Beni Zid in den Bergen, welche (Uebersetzung aus dem Bericht der Anglo Jewish Assocation.) J Gabes umgeben. Unter den eingeborenen Stämmen lebende Juden finden : Carette sagt in seinem Werke über Algerien, daß im sich besonders bei den Hanenschahs und den Djeridis. Die- Jahre 1807 200 jüdische Zelte innerhalb des Stammes jenigen, welche ein Nomadenleben führen, findet man be-! Hanenschahs waren, eines der größten Elemente der Be-