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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-27 · Heft 39 (27.9.1881) · p. Seite 649

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 39 (27.9.1881)
Date
1881-09-27
Page
Seite 649 (sequence 13)
Language
German
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649 völkerung im tunesischen Reiche. Die jüdischen Zellbewohner waren ebenso kriegerisch wie die Araber und trugen große Gewehre, die reich mit silbernen Ornamenten geschmückt waren. In Folge innerer Streitigkeiten waren 150 Familien genöthigt, auszuwandern, und es wird hinzugefügt, daß sie sich nach der Oase von Djerid, südlich von ihren früheren sonderen Gewänder. Sie schlachten das Bieh nach jüdischem Ritus (Schechita) und essen ungesäuertes Brod während des Pessachfestes. Außer diesen beiden durch die Tradition überlieferten Gebräuchen kann man sagen, daß die Juden Juden geblieben sind mehr durch überkommene Sitten als durch wirkliches Befolgen talmudischer Vorschriften. Herr Glaser Weideplätzen, zurückgezogen. Die Juden, welche unter den fügt dieser Mittheiluug hinzu, daß diese Israeliten möglicher eingeborenen Stämmen leben, haben die Sitten und Ma-! Weise von solchen Vorfahren abstammen, die nicht zu der nieren ihrer Nachbarn angenommen und bewohnen gleich! ersten und zweiten Gefangenschaft gehörten. Daß die früheren ihnen Zelte oder „Gurlis". Manchmal betreiben sic den! Israeliten sich den Phöniziern bei Seefahrten anschlosien, ist Landbau nach socialistischen Anschauungen, manchmal auf! bekannt. Es läßt sich gern begreifen, daß sie es leicht persönliche Rechnung, und sie verbinden damit in hohem! fanden, unter einer verwandten semitischen Race zu leben Grade die Gewohnheiten des Nomadenlebens. Es wird je- und daß einige von ihnen die Karthager oder vielmehr die doch berichtet, daß der Landbau nicht ihre Lieblings-Be- Phönizier begleitet, welche neue Städte und wichtige Handelsschäftigung ist. Gewöhnlich betreiben sie das Goldschmiede- Plätze errichteten. gewerbe. Daher machen die meisten Stämme keine Schwierig- Daß sie bis zum Süden, selbst so weit wir bis Djerid keiten, die Juden bei sich aufzunehmen, jedoch einige von zurückgedrängt wurden, wird ohne Schwierigkeit durch die Ge - den Stämmen sind intolerant und schließen die Juden aus. schichte der phönizischen Colonien erklärt. Die Abwesenheit Die jüdischen Colonisten kleiden sich wie ihre nichtder jüdischen Ritualien und die völlige Unkenntniß von der jüdischen Nachbarn und sprechen dieselbe Sprache wie die Existenz des Talmuds betätigen die Ansicht, daß jene Juden Eingeborenen. Doch einige kleine äußerliche Verschiedenschon zu einer früheren Periode von ihren übrigen Brüdern Heiken find bemerkbar. Anstatt des „Kheit", das ist eine getrennt waren. Schnur von Kameelhaaren, welche die Eingeborenen um den; Nordasrika, einschließlich Egyptens, stand den Flüchtrvthen „Schaschiya" (Tarbusch oder Fez) winden, gebrauchen lingen, Emigranten, speculativen Unternehmern, besonders den die Juden ein zusammengerolltes Tuch oder einen schwarzen Einwohnern Palästinas stets offen. Hier könnten die Spuren Turban. Die jüdischen Frauen vermeiden es, ihre Gesichter der verlorenen Stämme Israels ausgesucht werdend) zu tätowiren, zufolge des biblischeen Verbotes. Das geistige Leben der jüdischen Nomaden ist völlig verschieden von dem ihrer domizilirten Brüder, da die letzteren unter der Controle ihrer Rabbis stehen. Die herumziehenden Juden haben keine Synagogen uud tragen beim Sprechen der Gebete keine be-! 1) Herr Glaser bemerkt, -aß er über diesen Gegenstand später vielleicht noch zu berichten haben würde. Einige der Thatsachen, die mit der Geschichte der Inden in Nordafrika zusammenhängen, hält er für die allgemeine Geschichte des Judenthnms für intereffant. A. Löwy. Anzeigen. werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- Hlov/1 w folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von B,. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Töchter-Pensionat und Lehrerinnen-Seminar. Aufnahme von Zöglingen jeder Zeit, d. einzige, derartige israel. Institut Deutschlands. Frau Therese Gronau, [12859] Berlin, In den Zelten 12. Die Samsonschule zu Wolfenbüttel, 5 klaff. Realschule II. Ord., kann zu Michaelis wieder einige israelitische Pensionäre aufnehmen. Bei Absolvirung der Schule wird die Berechtigung zum Einj.-Frciw.- Dienst von der Anstalt garantirt. Gute Pflege, religiöse Erziehung! Meldungen sind an den Dir.Di*. Rosenstoch 31t rtcfjteu [B. 13719J Höhere Töchterschule und Pensionat von Gesell.ii Bi» a. Bleii Beste Referenzen. — Mäßige Bedingungen. [F. 12869] Beginn des Wintersemesters am 18. October. M. Kahn’s Institut, München. Frequenz im verflossenen Schuljahre 188 Schüler. — Das neue Schuljahr beginnt Mittwoch, den 5. Oktober. Aufnahme fiuden Knaben von 8—16 Jahren. — Bortreffliche Pension. Näheren Ausschluß und Prospecte durch [M. 12328] M. Kahn, Direktor, Thal 11. A07C

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