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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-27 · Heft 39 (27.9.1881) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 39 (27.9.1881)
Date
1881-09-27
Page
Seite 646 (sequence 10)
Language
German
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643 diese traurige Katastrophe derart ruinirt, daß sie dem Kampfe | um's Dasein unterliegen müssen. j Was bleibt uns also übrig, als an die Großmuth hu- ' maner Menschen zu appelliren? Möge daher auch Ew.! Wohlgeboren Ihre Dheilnahme uns nicht versagen und durch etwa zu veranstaltende Collection unseren Unglücklichen zu Hilfe kommen. Präsident Baron Drachenfels, A. v. Bresern, Dr. Hentsch, Dr. Herster, I. Levin, I. Blumenberg, I. Josif, Rabbiner. Das ständige Hilfscomit« hat bis jetzt folgenden Städten, welche ganz oder theilweise abgebrannt sind, je 1500, 1000 oder 500 Rubel Unterstützung gesandt: Neustadt, Podselwi, Slonim, Krakanowo, Nowogradok, Koretz, Minsk, Poniwies, Ohwodan, Augustowo, Bobruisk, Horodischz, Rowno, Sluzk und zuletzt Neu Szagarren. 4l Städte sind bis jetzt als abgebrannt bekannt geworden. Kommt nicht ausgiebigere Beihilfe, so werden viele Tausende während des Winters dem Hunger und der Kälte erliegen. Dr. Rülf. Rumänien. Bukarest, 12. September. Ende voriger Woche fand sich eine Deputation moldauischer Israeliten in Bukarest ein, um bei dem Minister des Innern darüber Klage zu führen, daß von Seite mancher Präfekten auch solche israelitische Familien als Vagabunden behandelt und aus dem Lande gewiesen werden, welche schon seit Generationen hier seßhaft, eben hierdurch auch allen Anspruch auf die Zuerkennung der Heimathsberechtigung erworben haben. C. A. Roffettiwelcher bezüglich der Judenfrage einen streng vertragsmäßigen und den humanen Grundsätzen unseres Jahrhunderts entsprechenden Standpunkt einnimmt, nahm die Deputation in freundlichster Weise auf und erklärte sich sofort bereit, die geeigneten Maßregeln zur Abschaffung des beklagten Unrechts zu ergreifen. Zu diesem Behufe schlug er der Deputation vor, die Einsetzung von gemischten, zur Hälfte aus Juden, zur Hälfte aus Christen bestehenden Kommission in Erwägung zu ziehen, welche in zweifelhaften Fällen die Frage der Heimathsberechtigung zu untersuchen und zu entscheiden hätren. Nach längerer Berathung über diesen Vorschlag sprachen sich die Mitglieder der Deputation deshalb gegen das ministerielle Projekt aus, weil ihrer Ansicht nach die jüdischen Mitglieder der gemischten Kommission, welche sich gegen die Heimathsberechtigung eines Israeliten aussprechen würden, unter ihren eigenen Glaubensgenoffen sozusagen des Lebens nicht mehr sicher wären. Anstatt dessen wurde dem Minister ein Antrag unterbreitet, die Bildung israelitischer Glaubensgemeinden zu gestatten und letztere mit der Entscheidung der Zuständigkeitsfragen zu bettauen. So wünschenswerth es nun auch wäre, wenn den bisher staatlich noch gar nicht anerkannten israelitischen Kultusgemeinden die Anerkennung des Staates gesichert würde, so ist doch an der Abweisung des Ansinnens, Letzeren ein entscheidendes Votum über die Heimathsberechttgung israelitischer Familien zu gewähren, schon deshalb nicht zu zweifeln, weil durch eine Genehmigung dieser Bitte ein wichtiges Recht der polittschen Behörde in die Hände einer Religionsgenosienschaft gelegt würde. Seit einigen Monaten macht sich unter den Juden Rumäniens, namentlich in der Moldau, eine lebhafte Agitatton zu Gunsten einer Auswanderung nach Palästina bemerkbar, als deren Seele ein schottischer Missionsprediger, Namens Elieser Bassin, erscheint. Letzterer behauptet, mit jenen Kreisen Englands in engster Berührung zu stehen, welche das Projekt einer freiwilligen Ueberfiedlung der Juden nach Palästina weit ernster nehmen, als es der abenteuerliche Plan eigentlich verdient. Wirklich haben sich denn bereits in mehreren Städten israelitische Auswanderungsvereine gebildet, deren Vorstände sich in Zuschriften an E. Bassin bereit erklärten, in das Land der Verheißung zu übersiedeln. Die armen Leute, durchwegs dem kleinsten Handel und den kleinsten Kreisen des Gewerbelebens angehörig, glauben sich natürlich von einer solchen Ueberfiedlung goldene Berge versprechen zu können und werden nun wohl einigermaßen enttäuscht sein, daß E. Bassin in einer von ihm unter dem Namen „Eintracht" herausgegebenen periodischen Zeitschrift erklärte, die Auswanderungslustigen mögen sich nur ja nicht übereilen und bis auf Weiteres bei dem Bettiebe ihres Gewerbes bleiben. Türkei. Konstavtinopel, 2. Sept. („Arch. isr.“) Man kann sich nicht enthalten, wenn man die Berichte über die Feindseligkeiten, denen unsere Glaubensgenossen in Deutschland und Rußland ausgesetzt sind, liest, die Toleranz zu bewundern, mit welcher die Juden in der Türkei behandelt werden; dieses Land des äußersten Despotismus, das man seit einiger Zeit so gerne schmähet, könnte Deutschland Lehren der Duldsamkeit und Menschenfreundlichkeit geben. Die Israeliten genießen jetzt im ottomanischen Reiche alle bürgerlichen Rechte, es giebt selbst Glaubensgenossen, welche in der Verwaltung sehr hervorragende Stellungen einnehmen, die bisjetzt als die Apannage der Muselmänner bettachtet wurden. Einer unserer Glaubensgenossen, sicher der ausgezeichnetste unter den israelitischen Beamten, Daoud Effendi, ist der erste Uebersetzer des kaiserlichen Divan und hat den Grad eines Ula Sinif Evel, was einem Minister ohne Portefeuille glcichkommt; ein anderer, Bohor Effendi (Eskunasi) ihm gleich im Alter und fast auch im Wissen, befindet sich an der Spitze der Präfektur von Konstantinopel; in ganz letzter Zeit ist er auch

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