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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-27 · Heft 39 (27.9.1881) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 39 (27.9.1881)
Date
1881-09-27
Page
Seite 644 (sequence 8)
Language
German
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644 576,000 Seelen beläuft, was unter einer Gesammtbevölke-! Bon den 74 Bezirkshauptmannschaften Galiziens ist in 15 rung von 5,418,000 Einwohner nicht weniger als 10.7 °/0; fein einziger Jude unter den Bezirksräthen zu treffen; in ausmacht. x) Die Polen und Ruthenen haben eine fast gleiche Bevölkerungszahl (Polen 41°/0, Ruthenen 47°/0) und keiner dieser Bolksstämme kann eine absolute Majorität aufweisen. Bei Besetzung der durch Wahl oder Ernennung zu vergebenden Funktionen wird der Bevölkerungszahl der Israeliten durchaus nicht Rechnung getragen, wie die folgenden Daten zeigen werden. Wenden wir zuerst unseren Blick zu den öffentlichen Stellungen, die durch allgemeine Wahl des Volkes erworben werden, so finden wir, daß hier die Israeliten ungemein £>enachtheiligt werden. In erster Reihe trifft unser Blick die Gemeinde-Vorstände. Zu diesem Zwecke nehmen wir von den Gemeinden unseres Landes die Städte und großen Flecken heraus, welche die Zahl von 122 erreichen, und deren Bewohner auf 717,734 Seelen sich belaufen. Von denselben sind 306,988 (-42,8°/0) Polen, 294,279 (-41°/..) Israeliten, 108,845 («15,1%) Ruthenen und 7622 (-1,1%) Armenier und Deutsche. Wie wir sehen, erreicht die jüdische Bevölkerung der 122 größten Gemeinden Galiziens fast die Höhe der polnischen, während die der Ruthenen sich mit derselben zu meffen gar nicht wagen sollte. Bon diesen Gemeinden haben in 50 die Polen, in 41 (darunter Brody, Buczacz, Czortkow, Kolomea, Rzeszow, Stanislau, Tarnopol, Tarnow, Zaleszczyki und Zolkiew) die Israeliten, nur in 6 die Ruthenen die absolute Majorität, d. h. die betreffende Bevölkerung beträgt in derselben mehr als die Hälfte der Gesammtbewohner. In den übrigen 25 Gemeinden erreicht kein einziger dieser Bolksstämme die absolute Majorität, wir wollen daher die relative Majorität in Betracht ziehen. Es haben nämlich die Polen in 6, die Israeliten in 13 (darunter Brzezan, Jaroslau, Przemysl und Stryj) und die Ruthenen in 6 derselben die relative Majorität. Die Zahl der Genieinden, in denen Polen die absolute oder relative Majorität haben, ist also 56, während die Juden solche in 54 erreichen, was wieder mit dem Prozentsätze der Gesammtbevölkerung fast genau stimmt. Wie steht es aber mit den Gemeinden-Vorständen? Nachweislich haben nur 8 Gemeinden (Buczacz, Czortkow, Kalusz, Kolomea, Nadworna, Rohatyn, Szczerzec und Wielkieoczy) jüdische Bürgermeister und nur 30 derselben jüdische Bice-Bürgermeister. Viele Gemeinden (z. B. Stanislau und Zolkiew), in denen die Israeliten die absolute Majorität haben, wählen polnische Gemeinde Vorstände. Noch schlimmer steht es um die Bezirksvertretungen, wo schon auch die ländische Bevölkerung in Betracht kommt. 1) Da die Zählungsresulrate vom 31. Dec. 1880 noch nicht zur Genüge bekannt sind, so mußten wir dieser Abhandlung die Ergebniffe der vorletzten Volkszählung (vom 31. Dec. 1869) zu Grund legen. 12 nur je 1; in 12 je 2; in 16 je 3; in 9 je 4; in 3 je 5 und in 6 je 6 Israeliten. Nur in einem einzigen Bezirke (Stanislau) wurden 8 Israeliten zu Bezirksräthen gewählt. Steigen wir noch höher, und laßt uns wagen an den Landtag heranzutreten, so finden wir unter 150 Mitgliedern desselben 6 (4"/») Juden. Und nun im Reichsrathe! Nun, hier sind von den 63 Deputirten Galiziens 3, sage drei, (=5%) Juden! Unter denen sich sogar ein Rabbiner befindet, den uns die Finsterlinge aufdrängen. Weit erfteulichster gestaltet sich das Verhältniß in den Handels- und Gewerbekammern. Bon den Handelskammern des Landes sind die Israeliten nämlich in der Lemberger mit 5S% (14 von 24 Delegirten?), in der Brodyer mit 77% (20 von 26 Delegirten), in der Krakauer sogar mit 79% (19 von 24 Delegirten) in der Majorität, was dem Umstande zuzuschreiben ist, daß die meisten Handelsleute des Landes Israeliten sind. Rußland. Petersburg, 7. Sept. Die gestrigen und heutigen Blätter melden wieder von einer Judenmaffacre im Süden in einem Flecken des Tschernigow'schen Gouvernements. Wie gewöhnlich hatte Polizei und Militär anfangs ruhig zugeschaut, dann Verhaftungen vorgenommen, dann die Verhafteten sich abtrotzen lasten uud schließlich die Ruhe wieder hergestellt, nachdem alle jüdischen Häuser geplündert, zerstört und ausgeraubt waren. Es ist das der gewöhnliche Verlauf. Wahrscheinlich melden morgen oder übermorgen die Blätter gleiche Scenen aus den Nachbarortschaften; damit ist dann die Sache abgethan, und der betreffende Gouverneur meldet sein stereotypes „Alles steht wohl in dem mir anvertrauten Gebiete, blos einige Tausend getreue Unterthanen sind der Sorge um Hab und Gut enthoben worden!" — Die Alliance isr. univ. beabsichtigt, zwei ihrer Comitemitglieder nach Rußland zu senden, um die dortigen Verhältniffe der Juden kennen zu lernen und die Gewährung von Unterstützungen zu leiten. Es frägt sich nun, ob diesen Herren der Zugang nach Rußland gestattet, und ihnen freie Bewegung gewährt werden wird. Petersburg, 9. Sept. Unter Führung ihres Präsidenten Brotzki hatte vorgestern die aus Kiew hier eingetroffene Juden-Deputation eine Audienz bei Jgnatieff. Zweck der Deputation war, die Enthebung des General-Gouverneurs Drentelen zu verlangen, weil derselbe die seitens der Polizei geübte Toleranz, wonach jüdische Handelsleute bis zu hundert 2) Nach den ändert haben. letzten Wahlen dürste sich das Verhältniß ge- (Die Red.)

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