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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-27 · Heft 39 (27.9.1881) · p. Seite 640

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 39 (27.9.1881)
Date
1881-09-27
Page
Seite 640 (sequence 4)
Language
German
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640 aber gar oft keine richtigen Begriffe von dem erhabenen Lehr- ' falls der Unterricht der Bibel in der Ursprache eliminirt ist. inhalle des Judenthums. Einsichtsvolle Männer drangen da- > Und nun entsteht erst recht die Frage rrby «nn rrs mir. her darauf, daß die jüdische Jugend mit der Geschichte der! Das Characteristische des Judenthums ist, daß „die Thora, Juden und des Judenthums vertraut gemacht und daß derdie uns Moses geboten, ein Erbgut der Gemeinde Jacobs selben die erhabenen Lehren der jüdischen Religion in geläuj ist". Nie gab es eine Zeit, in welcher die Thora im Beterter Weise beigebracht werden. — Selbstverständlich sollte sitze Einzelner war. Daher kam es, daß der Lehrinhalt des dadurch der Erlernung der Hauptquelle des Judenthums, derJudenthums stets flüssig war und daß sich nie eine Hie- Bibel in der Ursprache, sowie für jene, die etwa weiter schreiten, die Erlernung der Mischna und des Talmud kein Eintrag geschehen. Es wurde jedoch die berechtigte Anrarchie herausbilden konnte. Wenn die Zustände den Verlauf nehmen, den sie nun begonnen haben, dann weiß ich nicht, wie es anders kommen kann, als daß nach einiger forderung gestellt, daß die Bibel in der Ursprache nicht mehr Zeit nur einige wenige mit dem jüdischen Schriftthum und der ohne Unterricht der Grammatik der hebräischen Sprache Platz greifen dürfe, und der Unterricht im Talmud nicht der ausschließliche Tummelplatz für Spitzfindigkeit sei. Das ging nun so lange es ging, d. h. so lange die jüdische Jugend hebräischen Sprache vertraut sein werden. Wir Juden aber haben auf diesem Gebiete bereits Erfahrungen gemacht und wiffen, was aus den zu Alexandrien griechisch redenden Juden geworden ist, und wahrlich es ließe sich nicht zahlreich oder massenhaft in die Mittel- und dann j sich heute kein anderes Prognostikon den deutsch redenden in die Hochschulen drängte und die Regierung sich nicht in Juden stellen. Dieser Zustand wäre mehr noch im Interesse den Unterrichtsplan und in die Stundeneintheilung, so weit der Fortschrittsals der conservattven Partei zu beklagen; sie die jüdische Religion betteffen, mischte. Das ist nun denn die Reformen, welche in unserer Zeit eingeführt wurden, alles anders geworden. Wie man weiß, besuchen zahlreiche > geschahen auf Grund der Kenntniß des jüdischen Schriftthums, jüdische Kuaben die Mittelschulen und da besteht seit Jahren' und haben auch nur derarttge Reformen Werth, da man eine die Klage wegen Ueberbürdung im Allgemeinen und sind dem Religion und religiöse Satzungen und Bräuche nicht nach Religionsunterricht überhaupt nur zwei Stunden wöchentlich eingeräumt. Für die Schüler der Volks- und Bürgerschulen sind in den untersten zwei Klaffen wöchentlich nur je eine Stunde, in den folgenden drei Klassen wöchentlich je zwei Stunden und in den obersten wieder nur je eine Stunde bestimmt. Es entstand nun die Frage, in welcher Weise diese knapp zubemessene Zeit zu benutzen wäre, und man mußte sich sagen, daß sie nicht hinreiche, damit die Schüler eine todte Sprache erlernen. Ter Vorstand der Wiener israel. Gemeinde eliminirte hieraus die Uebersetzung der Bibel im Urtexte aus dem Unterrichtsprogramm und behielt blos die Uebungen im hebräischen Lesen bei, um die Schüler mit der Liturgie verttaut zu machen, da er nicht zugeben wollte, daß die Heranwachsende Jugend ohne alle Kenntniß der jüdischen Geschichte und ohne systematischen Religionsunterricht bleibe. Man kann über diesen Beschluß denken wie man will, (wir selber beklagen ihn); will man jedoch gerecht sein, so wird man zugeben, daß derselbe auf dem Boden der vorhandenen Verhältnisse, die der Vorstand nicht geschaffen, und auf die ihm keine Jngerenz zustand, zur Reife gediehen ist. Der Vorstand suchte übrigens zu retten, was zu retten war. Willkür und Laune „machen", respecttve umgestalten kann. Ich gestehe ausrichttg, unter allen internen Fragen, die bei uns Juden aus der Tagesordnung stehen, scheint mir keine so wichtig wie diese, mit welcher, wie ich glaube, die Frage des Fortbestandes und der Fortentwickelung des Judenthums in Verbindung steht. Wie dem Uebelstande abzuhelfen, wie einem weiteren Umsichgreifen vorzubeugen ist, das ist die Frage, die sich alle jene vorzulegen haben, die sich für das Judenthum interessiren. Das einfachste und probateste Mittel wäre: Selbsthilfe, d. h. daß Eltern, die Sinn für das Judenthum haben, ihre Kinder anhalten, tüchtig hebräisch zu lernen, ohne sie deshalb von den anderen Lehrgegenständen abzuhalten, und müßten Rabbiner, Prediger und Lehrer nicht nur in ihren öffentlichen Vorträgen und Predigten, sondern auch in Privatgesprächen zu wirken suchen. Selbstverständlich müßten auch die Gemeinden dafür sorgen, daß derarttge Schüler von tüchtigen Lehrern in ergiebiger Weise den diesbezüglichen Unterricht erhalten. i Schließlich möchte ich noch Folgendes bemerken. Ich beabsichtige mit diesen Zeilen blos die Discussion zu eröffnen und werde gern bessere und prattischere Vorschläge annehmen und errichtete eine hebräische Sprach- und Bibelschule; und und sie nach meinen schwachen Kräften unterstützen. ist es nicht seine Schuld, wenn sie so spärlich besucht wird Die Verhältnisse, die für Wien maßgebend waren, werden es nun auch anderswo. So veröffentlichte jüngst der Lemberger „Israelit" ein Programm des jüdischen Religionsunterrichts für die Schüler der Volksschulen, in welchem eben- G. Wolf.

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