Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-20 · Heft 38 (20.9.1881) · p. Seite 631

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 38 (20.9.1881)
Date
1881-09-20
Page
Seite 631 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227378--39281-3308582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

631 und Cigarrettenfabriken ist der Befehl zugegangen, Kiew in! zwei Wochen zu verlassen. — Nach Warschauer Berichten wurde die Kiewer Judendeputation am 4. d. vom Groß-! fürsten Wladimir Alexandrowitsch und vom Zar empfangen. Letzterer versicherte die Deputation, er werde bestrebt sein, für die Sicherheit der. jüdischen Unterthanen zu sorgen. Be- | züglich der Ausweisung der Juden soll der Zar eine nähere Prüfung der Angelegenheit versprochen haben. — j Aus Brodh, vom 6. September wird berichtet: Mit; dem gestrigen Nachtzuge ging der aus 104 Personen bestehende! erste Transport geflüchteter russischer Juden über Antwerpen nach Amerika ab. Künftige Woche folgt ein zweiter Transport. Die Kosten der Auswanderung trägt das Unterstützungs- Comit« im der Alliance Israelite, während für das Fortkommen der Einwanderer auf amerikanischem Boden zunächst die dortige israelitische Allianz Sorge tragen wird. Bonn, 11. Sept. (Notizen.) Wir tragen hier über das Hinscheiden eines höchst verdienten Mannes aus dem Lemberger „Israelit" folgendes nach: Am 12. Juni d. I. fand zu Krakau das Leichenbegängniß von Dr. Simon Samelson, Landesadvokaten, gew. Landtagsabgeordneten, Bezirksschulrath und Präsidenten der hies. israelitischen Cultusgemeinde, unter großer Theilnahme der ganzen Bevölkerung statt. Der Verstorbene hat sich um die Hebung der geistigen und materiellen Jnteresien unserer Gemeinde große Verdienste! erworben. Ein Mann des Fortschrittes und der freien Anschauung, wurde derselbe dennoch auch von der orthodoxen Partei, seines lautern Charakters wegen, hochgeachtet und einhellig zum Präsidenten der isr. Cultusgemeinde gewählt, in welcher Eigenschaft derselbe durch eine Reihe von Jahren eine ebenso unermüdliche als segensreiche Thätigkeit entfaltete. Auch außerhalb seiner Amtsthätigkeit nahm derselbe jede Gelegenheit wahr, um für die Rechte und die Ehre seiner Glaubensgenosien einzutreten, und alle gegen dieselben erhobenen Beschuldigungen zurückzuweisen. Shnc Scheu, ja mit Stolz bekundete er stets offen seine jüdische Abstammung. . Anläßlich der Candidatur zum Landtagsabgeordneten, cröffnete derselbe vor einer zahlreichen Versammlung seine Antrittsrede mit den Worten: „ich bin Jude und Pole, und werde als solcher die Interessen des Landes und meiner Ration stets hoch und heilig halten". Der Verlust dieses edlen Mannes wird daher auch von der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Confession allgemein betrauert, und als ein unersetzlicher betrachtet. Diese Sympathie für den Verstorbenen gab sich auch bei dessen Leichenbegängnisse auf eine eclatantc Weise kund, denn trotz des strömenden Regens ließ die unabsehbare Menge, an deren Spitze der Stadtpräsident Herr Dr. Weigel, die Gemcinderäthe, die Spitzen der Behörde, und viele Corporationen voranschrittcn, es sich nicht nehmen, dem theueren Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Herr Pros. Dr. Josef Oellinger und Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Duschak hielten, ersterer in polnischer, letzterer in deutscher Sprache die Leichenreden, in welchen sie mit ergreifentcn Worten das Leben, Wirken und Schaffen des Hingeschiedenen und dessen hohe Verdienste um sein Land und seine Nation schilderten. Friede seiner Asche, Ruhe seiner Seele! — Mau schreibt uns aus Berlin: Herr Prof. Emil Breslauer, Director des „Berliner Klavier-Seminars" und Redacteur der tüchtigen Zeiffchrift: „Der Klavierlehrer", ist von der Musik-Academie in Bologna zum Ehrenmitgliede erwählt worden. — Der Dr. Emanuel S chreiber, der, nachdem sein dreijähriges Amtsprovisorium zu Ende, von der jüdischen Gemeinde zu Bonn nicht weiter in Aussicht genommen werj den sollte, hat derselben gekündigt. Wie man hört, geht er! nach Amerika. — Die israelitische Gemeinde zu Frankfurt ' a. M. hat am 4. d. Mts. durch einstimmige Wahl ihrer! Vertreter den Rabbiner Dr. Plaut zu Carlsbad zu ihrem! Rabbiner berufen. Das Collegium ist hiernach vollständig: j die Herren Rabb. DD. Brüll, Horowitz und Plaut, j Bonn, l I. September. (Literarische Notizen.) Wir fteuen uns, auf eine sehr verdienstvolle Arbeit verweisen zu können, welche uns soeben von Petersburg zukommt: Bibliotheca hcbraica post Mendelssohniana. Bibliographisches Handbuch der neuhebräischen Literatur, seit Beginn der Mendelssohuschen Epoche bis zum Jahre 1880. Nach alphabetischer Reihenfolge der Autoren nebst Indien der hebräischen Büchertitel und der citirten Autorennamen, bearbeitet von William Zcitlin. (St. Petersburg 1881. Baxt.) Das Werk erscheint in drei Lieferungen, von denen die erste uns vorlicgt und bis zu „Hunvitz" reicht. Neben Bibliotheken sind bibliographische Arbeiten das wichtigste Hülfsmittel für wissenschaftliche und gelehrte Studien. Der einzelne Sammler kann bei dem größten Fleiße sein Gebiet nicht ohne Lücken umfassen. Hier handelt cs sich nun um eine Literatur, welche den Nachtheil hat, daß sie zumeist ohne buchhandlerische Vermittelung ist, so daß oft die wichtigsten Erzeugnisse nur einem kleinen Kreise bekannt und zugänglich bleiben. Ein bibliographisches Handbuch für das letzte Jahrhundert der neu-! hebräischen Literatur ist daher von Wichtigkeit und Verdienst. Es stellt sich hierbei heraus, wie trotz großer Ungunst der Zeit sie sich reich entfaltet hat, wenn wir auch zugestehen müssen, daß ein großer Thcil aus Uebersetzungen besteht, der andere sich entweder an die Vorzeit oder an die moderne Bildung lehnt, und originaler schöpferischer Geist sich wenig darin bethatigt hat. Merkwürdig wird hierbei der Umstand sein, mit welcher Kunst das sprachliche Element bearbeitet ist, wenn es galt, die Ausdrücke und Begriffe der modernen j Wissenschaft in das altehrwürdige Gewand der hebräischen! Sprache zu kleiden, ohne dem Genius der Sprache zu großen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.