Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1881)
- Date
- 1881-09-20
- Page
- Seite 627 (sequence 7)
- Language
- German
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627 Kritik fand übrigens der Mann in den beiden gedruckten ergebenem Dulden, zu treuem Äusharren und zu fortgesetzter Reden des Herrn Rackwitz, die in ihrer Kürze den erhabensten edelster Handlungsweise mahnen. Also geschehe! Geist der Gottes- und Menschenliebe athmen, und zu gott-; Die Redaktion. Deutschland. | Bonn, 12. Sept. (Privatmitth.) Wenn irgend Etwas die Nochwendigkeit der von uns in No. 37 beantragten Ber-! sammlungen von Delegirten in jeder Provinz oder jedem Lande erweist, so ist es die Thatsache, daß am 18. d. ein Antisemiten-Congreß in Dresden stattfinden wird, um ein besonderes Wahlprogramm zu erlafien. Gegen dieses Machwerk muß von den Gemeinden ein Protest und ein Appell an die deutsche Nation veröffentlicht und durch die Tagespreffe verbreitet werden. Bonn, 11. Sept. (Privatmitth.) Bom 4.—9. d. M. tagte hier die 28. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die zahlreich besucht war und bei den katholischen Einwohnern Bonns die größte Theilnahme gefunden. Den Verhandlungen derselben folgten wir aufmerksam nach den um« fastenden Berichten der „Germania". Wenn wir hier dieser Versammlung zu gedenken uns veranlaßt fühlen, so geschieht dies um des vergleichenden Hinblicks willen auf die evangelischlucherische August-Conferenz zu Berlin. Während diese von Haß und Geifer gegen Andersgläubige, insonders gegen die Juden überströmte, ist in dieser Versammlung der Katholiken kaum eine oder die andere Phrase gegen Nichtkatholiken gefallen, obschon eine große Zahl von Rednern aus den verschiedensten Gegenden Vorträge hielten. Kaum daß ein Redner einmal von der „Judenpreffe" und davon sprach, daß, wenn in Pommern einige Scheiben zerbrochen werden, ein Schrei der Entrüstung sich erhebe, während die Leiden der Katholiken von der liberalen Preffe todtgeschwiegen würde. Dies war aber auch Alles und die „Germania" ist nicht das Blatt, welches Auslaffungen judenfeindlicher Art verschwiegen hätte. Wenn die Versammlung in der entschiedensten Weise für die katholische Kirche, das Papstthum und die Hierarchie eintrat, und mancherlei Cultuszwecke verfolgte, so hat sie doch andererseits sich ausgiebig mit Wohlthätigkeitswerken beschäftigt, wie Schutz der Auswanderer, der entlassenen Sträflinge u. s. w. Allerdings steht sie dabei auf dem strengsten confessionellen Boden, und der Begriff des Menschen und der Nächstenliebe erscheint hier beschränkt auf das katholische Bekenntniß. In der Schlußrede, welche Dr. Windthorst hielt, sagte dieser: „Das ist gerade das große an der katholischen Kirche, daß sie an den Grenzpfählen irgend welcher Art nicht aufhört, daß ihre Angehörigen sich brüderlich unterstützen und die Einen theilnehmen an den Freuden und Leiden der Anderen." Ferner: „Da ist der Bonifaciusverein, der den zerstreuten Katholiken die Mittel verschaffen will. Schulen und Kirchen zu gründen und überaus segensreich wirkt; dafür kann ich aus eigener Erfahrung Zeugniß oblegen. Nicht dringend genug kann der Verein empfohlen werden. Die Noth in der Diaspora und in den Missionen ist groß, und ich bitte alle, den Verein zu unterstützen." Mit welchem Rechte nun unternimmt es die ultramontane Preffe, die „Germania" voran, immer und immer wieder die Alliance isr. univ. zu schmähen, anzuklagen, in jeder Weise zu denunziren? Ist bei den Juden schlecht und tadelnswerth, was bei den Katholiken gut und lobenswerth erscheint? Sind die Juden nicht überall in der Diaspora? Bedürfen sie nicht der Schulen? der Fürsprache, wenn sie verfolgt werden? — Frägt man aber schließlich, woher der Unterschied zwischen dieser Katholikenversammlung und jener lutherischen August- Conferenz? so liegt dieser darin, daß die Katholiken einig und fest in ihrem Dogma sind, und deshalb nicht in jenes Gezänk und Gebelfer verfallen, wie die Evangelisch-Lutherischen, bei denen jeder Bruchtheil über alle anderen herrschen will. Berlin, 8. Sept. (Privatmitth.) Die Zahmheit des Hofpredigers Stöcker hat nicht lange angedauert. Die offene Berurtheilung. die er jetzt von so vielen Seiten findet, scheint ihn sehr aufzuregen. Unter Anderm äußerte er in einer Versammlung antisortschrittlicher Wähler des 2. Reichstagswahlkreises am Sonnabend Folgendes: „Das innere Sedan, welches von uns vernichtet werden muß, liegt in der infamen, niederträchtigen, frivolen, nichstwürdigen Judenpresse, deren Redacteure viel schuldiger sind, als die verführten Leute von Neustettin und Hammerstein; aber wir werden mit solchen Burschen schon aufzuräumen wiffen." Die „Voss. Z." fügt hinzu: „Bon den frivolen Redacteuren der Judenpreffe wiffen die verführten Opfer der Krawalle in Neustettin und a. a. O. nichts, wohl aber kennen sie die antisemitischen Brandreden der Herren Stöcker, Henrici, Ruppel u. s. w. Wir stimmen aber mit Herrn Stöcker vollkommen überein. Aufgeräumt muß mit den intellectuellen Urhebern der Judenhetze werden. Sie gehören in's Zuchthaus, ob mit ob ohne Talar." — Die judenfeindlichen Blätter fahren übrigens fort, das Unmögliche betreffs der Exceffe in Pommern und Westpreußen zu leisten, worin sich die „Staatsbürger-