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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-20 · Heft 38 (20.9.1881) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 38 (20.9.1881)
Date
1881-09-20
Page
Seite 625 (sequence 5)
Language
German
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625 liothek, wie Sie solche hier in der ganzen Umgegend nicht finden. Biele Hunderte Bände standen in verschiedenen; Sprachen Jedem, der sie benutzen wollte, zu Gebote. Vori mehreren Jahren schlugen seine Geschäfte, die er in einem! beträchtlichen Holzhandel nach Preußen betrieb, fehl, und —! er fiel. — Jetzt nun, während er in Preußen ist, sich Brod! suchend, traf ihn der härteste Schlag. — Alles was er vom Schiffbruch seines Handels gerettet, geht in Flammen auf. Dies Haus an Werth über 10,000 Rubel — alle Möbels! und Werthsachen, alle Bücher und Werthpapiere, alles, alles wurde ein Raub der Flammen. Der Schaden soll sich auf über 20,000 Rubel belaufen. — Seine edle Frau, seine gebildeten1 Töchter und Sohn kämpften wie Helden mit der Gefahr! ihres eigenen Lebens, um dem Feuer etwas zu entreißen,! und wirklich gelang es ihnen auf den Ringplatz manche! Koffer und andere Habseligkeiten Zu retten; aber, wie so! vieles Andere, fiel auch ihre gerettete Habe auf dem Markte! dem alles verschlingenden Moloch des Feuers zur Beute. Mir scheint, die Frau habe versäumt, das Haus zu assecuriren. — Ich denke mir, den Mann, wenn er nach Hause kommt und kein Plätzchen findet, sein müdes Haupt nicderzulegen, — es ist ein jammervoller Gedanke." — Ich hatte genug gehört und gesehen; tieferschüttert verließ ich die Stätte so vielen Elends, den Schauplatz so unendlichen Jammers. Nun, dachte ich, kämen doch die wahnsinnigen Weltvcrbefferer her und sähen die Ergebuiffe ihrer Weltbeglückungspläne; nun, sagte ich mir, wäre es an der Zeit, daß die hochherzigen Worte, die unser Kaiser unlängst an sein Volk in Moskau gesprochen, daß Er und sein Volk Eins sind,! ein Ganzes bilden, auch in Betreff unserer Brüder, seinerjüdischen Unterthanen zur Thatsache werden. — Möge es! der Staat für seine Pflicht halten, die Wunden, die seine; Feinde seinen Kindern schlagen, zu heilen. — Mögen die j hohen, freisinnigen Männer, die am Ruder des Staates! stehen, bald zur Einsicht gelangen, daß eine Nation von Millonen für die Vergehen eines kleinen Bruchtheils derselben nicht einstehen kann, daß selbst die Vergehen dieses Bruchtheils nur Verzweiflungsacte sind, im Kampfe um die Fristung eines elenden Daseins begangen! Nur die Aufhebung aller Hemmnisse, die eine ehemalige engherzige Gesetzgebung der Entfaltung der Kräfte dieser Menschen entgegengesetzt, wird diese Vergehen auf das Minimum reduziren und nach und nach gänzlich schwinden lassen. Nur Aufklärung und mehr Licht in die Massen verbreitet, kann hier helfen. -- Wir sehen dies augenscheinlich, man wird die Zustände von Jetzt mit denen von Sonst vergleichen; die Entwickelung der russischen Judenheit seit einem Bierteljahrhundert hat es bis zur Evidenz bewiesen, was eine humane Gesetzgebung vermag. — Die Wiedergeburt dieses Volkes hat in diesem Zeitraum Riesenfortschritte nur darum gemacht, weil es einen freieren Spielraum zu seiner Entwickelung erhielt. — Wie gesagt, sind die ökonomischen Zustände überall dieselben; wir sehen sie in den östlichen Provinzen, wo doch gar keine Juden wohnen, in noch schlimmerer Gestalt auftreten, als in Süd- und Kleinrußland. Die russische Presse bringt täglich die traurigsten Nachrichten hierüber. Die Vorschläge zur Besserung sind Legion: bald ist es die Uebcrsiedlungs', bald die Creditfrage, die mit der größten Ausführlichkeit discutirt wird, bald ist es wieder die Beförderung der Industrie in dem mineralhaltigen Süden, die zur Hebung des Wohlstandes vorgeschlagen wird. — Auch hier, in Süd- und Kleinrußland, wären die Zustände nicht im Stande, das Volk zu Ausbrüchen der wildesten Barbarei zu treiben, wenn sie nicht von einer judenseindlichen Presse einerseits, und von den finsteren Mächten andererseits dazu aufgehetzt worden wären. — Nur wenn die Gesetzgebung den Juden nicht stiefmütterlich behandelt, wird die Presse, die Nation in ihrem Mitbürger, dem Juden, ein ebenbürtiges Landeskind sehen, und sich nicht solche Excesse gegen ihn erlauben. — L. M. Die Ercelse in Schivelbein. Bekanntlich waren es die Excesse in Schivelbein, welche den höchsten Grad der Rohheit erreichten. Wir geben daher einen uns nachträglich zugekommenen Bericht. Schivelbein, 6. September. Sie werden sich wohl gewundert haben, als Sie in den Zeitungen von den traurigen Vorgängen in Schivelbein lasen; umsomehr, da ich Ihnen erst im vergangenen Winter aus unserem Orte Erfreuliches berichtet, von der schönen Feier der Einweihung unserer neuen Synagoge und der regen Theilnahme an unserem Freudenfeste von Seiten unserer christlichen Mitbürger. Ich war in der angenehmen Lage, als ein sprechendes Zeugniß von der hier unter Juden und Christen herrschenden Harmonie und Eintracht ein von dem hies. zweiten Prediger verfaßtes Referat über die Einweihungsfeicr Ihnen zu übersenden. In unserem gemüthlichen Städtchen herrschte stets Friede und Eintracht zwischen Juden und Christen. Die Juden waren geliebt und geachtet. Stets wurden und sind noch jetzt mehrere hiesige Gemeinde-Mitglieder von ihren christlichen Mitbürgern l mit städtischen Ehrenämtern betraut. Die jüdische Gemeinde zu Schivelbein ist eine in jeder Hinsicht treffliche und rühmenswe^rthe. Sie besteht theils aus sehr achtbaren, gut situirten, streng reellen Kaufleuten, theils aus braven, fleißigen Hand: werkern: Uhrmacher, Glaser, Kürschner, Buchbinder, Zigarrenmachcr, Fleischer, theils aus einigen mit Glücksgütern weniger gesegneten, achtungswcrthen Handelsleuten. Wir zählen auch

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